„Da müsste ich mich ja selbst ausgrenzen!“

„Es geht um das, was er als NPD-Chef politisch vertritt.“ Das betont Hoteldirektor Heinz Baumeister, der Udo Voigt ein Hausverbot erteilt hat. Voigt klagte dagegen, die Sache wird derzeit vor Gericht verhandelt. In der taz erklärt Baumeister, warum er Voigt nicht im Haus haben möchte.

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Dieser sei „eine bekannte, ganz rechts orientierte Person. Damit ist er ein Faktor im Haus, an dem andere Gäste wahrscheinlich Anstoß nehmen werden.“ Die Gäste hätten ein Recht darauf, dass die Atmosphäre stimme und auch die Toleranz ihnen gegenüber. Baumeister sagt weiter, er habe „Gott sei Danke mit solchen Leuten noch nicht so oft zu tun“ gehabt. Mit einer Klage habe er nicht gerechnet – doch solchen Dingen müsse man sich stellen.

Baumeister betonte, bereits 2008 habe Voigt sich eingemietet, während in unserem Hotel die Innenministerkonferenz stattfand: „Er positionierte sich in unserer Lobby, und Journalisten, die zu einer Pressekonferenz kamen, haben ihn gesehen und sich gewundert. Der NPD-Chef hat also bewusst das Augenmerk auf sich gelenkt.“

„Da müsste ich mich ja selbst ausgrenzen!“

Der Hoteldirektor bezeichnete den Opfermythos der Neonazis, sich als diskriminierte Minderheit darstellen zu wollen, als „vollkommenen Unsinn“. Das Hotel habe „viele ausländische Gäste, unser Hotel ist behindertenfreundlich. Als Nächstes grenze ich Behinderte aus? Hallo, da müsste ich mich ja selbst ausgrenzen! Ich bin zu 50 Prozent schwerbeschädigt und gehöre zu Gruppen, die man auch Randgruppen nennt oder Minderheiten oder sonst was.“ Auch viele Homosexuelle seien in dem Hotel, betont Baumeister, sie seien „willkommene Gäste“. Und er könne und wolle es sich nicht erlauben, solche Gäste zu vergraulen.

Fast schon belustigt zeigte sich Baumeister über die Tiraden gegen seine Person: Er habe aber nicht geahnt, welche Bedrohungen und Anfeindungen noch folgen würden. „Und ich staune, was man aus jemandem machen kann, den man überhaupt nicht kennt. Wie ich auf Internetseiten und in E-Mails zerrissen werde aufgrund von irgendwelchen Annahmen oder Fantasien … Das ist auf der einen Seite bewundernswert, geradezu fabulös. Aber auf der anderen Seite wirklich erschreckend. Es hieß ja auch: Dem Baumeister müsste man’s mal zeigen.“ Daher habe man prophylaktisch „mal einen Wachdienst engagiert“. Baumeister kündigte an, bei einem Erfolg von Voigts Klage weitere rechtliche Schritte zu prüfen, denn hier müsse „doch das Hausrecht eines Hoteliers greifen“.

Kooperationsvereinbarung geschlossen

Brandenburg hatte im Rahmen des Handlungskonzepts „Tolerantes Brandenburg – für eine starke und lebendige Demokratie“ mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband Brandenburg e.V. (DEHOGA Brandenburg) eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Der Koordinator der Landesregierung für das Handlungskonzept „Tolerantes Brandenburg“, Bildungsstaatssekretär Burkhard Jungkamp, und DEHOGA-Präsident Mario Kade unterzeichneten am 17. August 2009 in Potsdam einen entsprechenden Vertrag.

Bildungsstaatssekretär Burkhard Jungkamp würdigte den DEHOGA Brandenburg als wichtigen Partner des „Toleranten Brandenburg“. „Gerade diejenigen, die in Hotels, Gaststätten und Restaurants oder in den Organisationen der Tourismusindustrie des Landes arbeiten, sind für uns unverzichtbare Partner, um Fremdenfeindlichkeit und anderen rechtsextremen Tendenzen erfolgreich begegnen zu können.“ Weltoffenheit sei ein wichtiger Standortfaktor für Brandenburg, so Jungkamp. „Es zeugt von einem hohen Maß an Zivilcourage, wenn Gastwirte und Hoteliers deutlich machen, dass rechtsextremistische Umtriebe in ihren Häusern nicht geduldet werden.“

Mario Kade sagte: „Das Gastgewerbe mit seinem Facettenreichtum ist der Garant für den toleranten und weltoffenen Umgang mit den Besuchern unseres Landes. Gerade die Hotellerie stellt sich vehement gegen fremdenfeindliche Tendenzen. Rechtsradikale und rechtsradikales Gedankengut finden keinen Platz in Brandenburgs Hotellerie und Gastronomie. Dies haben couragierte Unternehmer mit dem klaren Nein zu Buchungen rechtsradikaler Vereinigungen klar zum Ausdruck gebracht. Ein weltoffenes und tolerantes Brandenburg ist die Grundlage für das Vertrauen internationaler Gäste, die als Zielgruppe für unsere Unternehmer immer wichtiger werden.”

Siehe auch: Gericht verhandelt Hausverbot für NPD-Chef Voigt

4 thoughts on “„Da müsste ich mich ja selbst ausgrenzen!“

  1. Ich bin gespannt, wie das Gericht entscheidet.
    Aus dem Bauch raus wuerde ich sagen, dass das Hausrecht greifen sollte, aber ich bin ja kein Jurist.

    Andererseits kann man ja auch nicht argumentieren, dass durch ein Stadionverbot der Hooligan-Schlaeger als Minderheit ausgegrenzt wird, selbst wenn er beteuert, dass er sich bei diesem einen Spiel gar nicht pruegeln will…

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