Nazifest „Rock für Deutschland“: Gera wehrt sich

Hilflosigkeit machte sich am 11. Juli 2009 in der ostthüringischen Großstadt Gera breit: Bei sommerlichem Wetter hatten sich rund 4000 Rechtsextreme zu ihrem Konzert „Rock für Deutschland“ versammelt — wieder einmal. Das Großereignis ist in den vergangenen Jahren zur Tradition geworden, doch diesmal sind soviele Neonazis wie noch nie zuvor in die Stadt an der Weißen Elster gekommen. Der Grund: Michael „Lunikoff“ Regener, der Frontmann der verbotenen Rechtsrock-Band Landser, hat sich angekündigt. Wegen seiner volksverhetzenden Texte stand er seit den Landser-Tagen immer mit einem Bein im Gefängnis, 2005 wurde er dann tatsächlich zu einer dreieinhalbjährigen Haftstrafe verurteilt. Seine Auftritte waren schon vor seiner Haft selten, doch nach der Verurteilung wurde er erst recht in der Szene zur Mythenfigur stilisiert, zum Märtyrer hochgejubelt.

Mit freundlicher Genehmigung vom Aktionsnetzwerk übernommen

Nachmittags läuft er bester Laune über die rappelvolle Grünfläche, die von den Geraern liebevoll „Spielwiese“ genannt wird. Alles, was Rang und Namen hat in der rechten Szene, lässt sich an diesem Tag in Gera blicken. Neben musikalischen Rechtsrock-Einlagen von Szenegrößen wie Sleipnir, Blitzkrieg und Brainwash dient das Spektakel auch der ideologischen Festigung der Rechtsextremen. Redebeiträge des NPD-Bundesvorsitzenden Udo Voigt, des NPD-Kreisvorsitzenden Patrick Wieschke aus Eisenach und des stellvertretenden NPD-Bundesvorsitzenden Frank Schwerdt wechseln sich mit den zumeist harten Klängen ab.

“Rock für Deutschland” in Gera mit “Lunikoff” - Bildrechte liegen bei: recherche(at)infothek-dessau.de
"Rock für Deutschland" in Gera mit "Lunikoff" - Bildrechte liegen bei: recherche(at)infothek-dessau.de Dort können auch weitere Bilder bestellt werden.

Die dringen jedoch kaum durch zu der vergleichsweise kleinen Schar von Gegendemonstranten, die vom grau-kargen Vorplatz des Kultur- und Kongresszentrums ihren Protestmarsch gestartet haben. Rund 700 Menschen wollen sich diese Ansammlung der Neonazis nicht widerspruchslos gefallen lassen, viele von ihnen sind aus anderen Teilen Thüringens angereist, um ihrem Unmut über die Geraer Verhältnisse Ausdruck zu verleihen. Diese Verhältnisse sorgen schon seit Jahren für selbstgefällige Zufriedenheit in der Thüringer Neonazi-Szene: Seit sieben Jahren findet das politische Konzert ungehindert in der Heimatstadt des Malers Otto Dix statt, wirksamen Widerstand aus Stadtverwaltung oder Zivilgesellschaft hat es bisher nicht gegeben. Kein Wunder, dass Gera sich zum festen Anlaufpunkt der Szene entwickelt hat.

In diesem Jahr soll das Spektakel am 10. Juli stattfinden, doch eines ist diesmal anders: Ein Aktionsbündnis gegen Rechts hat sich schon Monate im Vorfeld formiert, organisiert Treffen, bespricht Gegenstrategien und ist entschlossen, das „Rock für Deutschland“ zum ersten Mal zu verhindern. Erreicht werden soll das Ziel mit friedlichen Sitzblockaden, die sich in den vergangenen Jahren bei Protestveranstaltungen gegen Neonazis in Jena, Pößneck, Leipzig und Köln bewährt haben. Massenblockaden waren es auch, die am 13. Februar einen Naziaufmarsch in Dresden verhindert haben, bei dem die Rechtsextremen den Bombenangriff der Alliierten im Februar 1945 für ihre Zwecke politisieren wollten. Bisher hatte es in Gera keine Mehrheit für ein solches Vorgehen gegeben, das der Jenaer Bürgermeister Albrecht Schröter (SPD) als „vielleicht nicht legal, aber zumindest legitim“ bezeichnet. So wie es aussieht, hat sich das nun geändert, die Geraer scheinen bereit für neue Wege gegen die Rechten.

Siehe auch: Rechtsextremer Soundtrack in Thüringen, Kostenloses Buch zum Thema Rechtsrock, Lesetipp: Rechtsrock made in ThüringenNeonazi-Veranstaltungen: Rechtsrock hilft bei Mobilisierung, “Es ist unverständlich, warum das “Fest der Völker” ungestört über die Bühne gehen kann”

19 thoughts on “Nazifest „Rock für Deutschland“: Gera wehrt sich

  1. Hi,

    damals im Kindergarten und in der Grundschule gab`s zwei mlglichkeiten mit „Aggressoren“ und „Sticheleien“ umzugehen.
    Die erste ist: Draufschlagen, dagegenhalten auch anfangen zu pöbeln.
    Die zweite: ignorieren…

    Dieses ganze „hingehen und stören“ was ich immer höre erinnert mich an Hanf. Der Rauschhanf ist hier in D illegal – Wird er deswegen nicht Konsumiert?

    Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, wo hier eine „NPD Demo“ war… Natürlich kamen denn die „Linken“ und störten die Rede eines Sprechers von denen – Versteht mich wie ihr wollt aber bei solche aktionen wundert es mich einfach nicht, dass daraus dann Leute aggressiv werden und sich sowas nicht bieten lassen wollen.

    Ich bilde mir immer meine eigene Meinung und folge keinem Mob oder keinem Trend. Da ich weder für die Rechten noch für die Linken Symphatien gehe kann ich unvoreingenommen mit Vertretern beider Gruppen reden.

    Das ganze fing damals an, nachdem ich mit einem „hohen Tier“ der „Linken lokalen Szene“ geredet habe: Ich habe ihm den Vorschlag unterbreitet einfach der „Rede des dummen Nazis“ zuzuhören, sich Stichpunkte aufzuschreiben und danach eine Konversation zu führen.
    Nichts anderes haben wir gemacht. Einige waren dabei sehr aufgebracht und tobten vorher „Denen darf man nicht zuhören“ „Die verstehen nur Dresche“ etc.
    Trotz Proteste aus den eigenen Reihen führten wir diese Konversation und es zeigte sich, dass auf beiden Seiten mehr Verständnis da war als man vorher annehmen konnte.
    Meiner Meinung und Erfahrung nach hat hier bei uns jedenfalls Reden mehr geholfen als Provokation durch Stören, „Buh Rufe“ oder sonstige „Dagegenaktionen“.
    Die Rechten sind nun einmal hier und man wird diese auch nicht weg bekommen – Wobei ich dazu sagen muss das die bei uns noch harmlos sind im Vergleich mit Russland oder USA.

    Das ganze Thema ist zu komplex um es hier ausführlich aufzuschreiben. Jedenfalls waren Gespräche miteinander nach meinen Erfahrungen hier besser als irgendwie Gegeneinander zu wirken.

    Zum Schluss möchte ich noch Gandhi zitieren:
    „Wenn du im Recht bist, kannst du dir leisten, die Ruhe zu bewahren; und wenn du im Unrecht bist, kannst du dir nicht leisten, sie zu verlieren.“

  2. Ignorieren = weggucken.
    Das kann keine Alternative sein.

    Mit denen Reden? Jo, vielleicht noch nen Fencheltee dazu, und am Ende sagen „Is jut, dass wir ma drueber gesprochen ham?“
    Ja, ne, klar, das wird helfen.
    Aber velleicht findet man ja im Gespraech sogar ein paar Beruehrungspunkte mit der eigenen Weltsicht?

  3. @Radial

    Mensch, das ist jetzt aber eine gute Idee … dass ich da nicht früher draufgekommen bin: Während der Klan-Mob um „Lunikoff“, sowie der europäische „Blood & Honour“-Müll, ständig seine Konzerte in „Mitteldeutschland“ (unter der hiesigen Gesetzeslage) abhalten kann, sollte man „Stichpunkte“ aufschreiben … für eine „Konversation“? …hmm *gübel*

  4. Warum man die NPD nicht verbieten sollte oder könnte. – “Lustiges” von einem mitteldeutschen Verfassungsrichter, der, im Gegensatz zu einem mitteldeutschen Bürgermeister, offenbar nicht gegen das Neutralitätsprinzip verstößt … 😉

    MDR-Text vom 10.07.10:

    “Verfassungsrichter gegen NPD-Verbot

    Der neue Präsident des Thüringer Verfassungsgerichtes, Lindner, zeigt sich skeptisch hinsichtlich eines erneuten NPD-Verbotsverfahrens.
    Der “Thüringischen Landeszeitung” sagte er, ein Verbot der NPD löse das Problem nicht. Die Anhänger würden in diesem Fall andere Wege finden, sich zu organisieren.
    Vor dem Neonazi-Treffen in Gera hatten verschiedene Politiker erneut ein Verbot der NPD gefordert. 2003 waren mehrere Verbotsanträge von Regierung, Bundestag und -rat gescheitert, weil herauskam, dass die NPD von V-Leuten des Verfassungsschutzes durchsetzt war.”, Text Ende.

    Dann hat sich ja nun das Problem mit den V-Leuten erledigt, da es einen Verfassungsrichter gibt, der erkannt hat, dass es da auch Anhänger der Partei gibt … und nicht nur Mitglieder. *lol*

    …Und was “Probleme” anlangt, so sind dies Haarausfall oder Schweißfüße … und dafür wird wohl schwerlich das BVerfG zuständig seien. – Und sofern die NPD verboten würde und sich ihre Anhängerschaft neu organisiert! … so würde eben diese Organisation auch verboten werden: als Nachfolgeorganisation der NPD.

    Wenn man diesem Verfassungsrichter folgt, braucht man sich nicht die Haare schneiden zu lassen, da die eh` wieder nachwachsen … (war jetzt Polemik) 😉

  5. Über uns lachte die Sonne über euch die ganze Welt :-) jedes Jahr wieder ein gelungenes Rock für Deutschland in Gera,niveaulose pöbelnde Zecken durften zu unserer Belustigung nicht fehlen das Tröten gegen Rechts war nicht sehr Effektiv macht euch weiter Lächerlich!Wahrheit lässt sich nicht verbieten!!!

  6. 1100 Gegendemonstranten,ich frag mich wo die gewesen sein sollen,doch nicht der lächerliche Haufen von maximal 400 Mann auf der Heinrichs Brücken und in den um liegenden Strassen?!
    Also die waren dann wohl definitiv nicht bei uns in Gera,tja Lügen haben kurze Beine,meine Herren und Dame Antifanten!
    Auf ein neues RfD im Jahr 2011!
    Über uns die schwarze Sonne ……

  7. „Über uns lachte die Sonne über euch die ganze Welt…“

    Bundestagswahl 2009:
    NPD 635.525 (Stimmen) 1,5%

    DIE LINKE 5.155.933 (Stimmen) 11,9%
    SPD 9.990.488 (Stimmen) 23,0%

    jajaja, die ganze Welt… anscheinend ist Größenwahn ansteckend!

  8. Die Nazis schreiben ihre überheblichen Kommentare (s.o.) gewöhnlich, wenn sie von ihrer eigenen Veranstaltung enttäuscht waren. Bei einem Schrumpfen der Teilnehmerzahl auf ein Viertel kann man das ja verstehen :-) Also ein gutes Zeichen.
    Denn ansonsten interessiert man sich nicht für die Gegenveranstaltungen und ist eher von der eigenen berauscht. Aber wenn man sein Heil in der nachträglichen Provokation des Gegners suchen muss…. armes Deutschland :-)

  9. Vorallem tauchen hier schon wieder diese gender-verwirrten Neonazis auf…
    Wenn das der Fuehrer wuesste! Ich wuerde mich als Fascho ja gar nicht mehr trauen, auf einem Konzert eine „Frau“ anzugraben, bei den vielen She-males, die sich da anscheinend rumtreiben.

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