Erneut Freikorps Gedenkfeier in Schliersee

Am 09. Mai 2010 hat in Schliersee erneut die sogenannte „Annabergedenkfeier“ stattgefunden. Rund 90 Personen aus unterschiedlichen rechten Spektren gedachten der „gefallenen Kameraden“ des rechts-terroristischen Freikorps Oberland[1].

Von Johannes Müller

Bei der Freikorpsgedenktafel[2] an der Schlierseer Weinbergkapelle trafen sich jahrelang ungestört Rechte unterschiedlichster Spektren zur „Annaberg-Gedenkfeier“. 2007 musste die bundesweit bedeutende geschichtsrevisionistische Veranstaltung nach antifaschistischer Intervention ausfallen. Seitdem erreichte das Gedenken einen weit kleineren Rahmen und wird nicht mehr öffentlich bekannt gegeben. Die Ideologie der rund 80 Teilnehmer, die sich dieses Jahr im Schlierseer „Terofal“ trafen, hat sich jedoch nicht verändert. Es ist eine Mischung welche von rechts-konservativen Vertriebenenverbänden über lokale Neonazis bis hin zu bundesweit agierenden Nazi-Organisationen reicht. Neben der Kameradschaft Freikorps und Bund Oberland um den Rosenheimer Kameradschaftsführer Jürgen Popp und Oberschlesiern legte auch die extrem rechte Junge Landsmannschaft Ostdeutschland[3] einen Kranz nieder.

Die NPD Frauenorganisation „Ring Nationaler Frauen“ bedauert, dass die Kränze an der Kapelle am Weinberg schweigend niedergelegt wurden. Ihren Angaben nach, wurden die Reden, „bei der Saalveranstaltung, bei der viele junge Deutsche anwesend waren, nachgeholt.“ Damit entwickelt sich die 6500 Einwohner zählende Gemeinde Schliersee immer mehr zu einem Anziehungsort für Alt- und Neonazis.

So konnte das „Freie Netz Süd“ um den Neonazikader Norman Bordin am 14.11.2009 ungestört eine „Heldengedenkfeier“ am Schlierseer Rathaus abhalten. Die „Freien Nationalisten München“ unter Philipp Hasselbach führten einen „Nationalen Wandertag“ auf der Schliersbergalm ab und die NPD veranstaltete am 04.09.2009 eine Wahlkampfkundgebung am Schlierseer Bahnhof.

Während in München auch Kirchen, CSU und Bürgermeister zu Protesten gegen Nazis aufriefen, schweigen diese Kräfte in Schliersee seit Jahren[4] und die rechte Freikorps-Gedenkveranstaltung konnte einen Tag nach dem verhinderten Naziaufmarsch ungestört stattfinden.

1) Das Freikorps Oberland war ein paramilitärischer, deutschnationaler und antikommunistischer Freiwilligentrupp, welcher als Vorläuferorganisation der SA gilt. Es ging aus der antisemitischen „Thule-Gesellschaft“ hervor. Nach der brutalen Niederschlagung der bayerischen Rätedemokratie (1919) kämpften Teile des Freikorps Oberland gegen die revolutionären Arbeiter im Ruhrgebiet (1920). 1921 zog das Freikorps los gegen polnische Freischärler in Oberschlesien. Im Rahmen dieser Kämpfe kam es am 21.05.1921 zum sogenannten „Sturm auf den Annaberg“, anlässlich dem das jährliche „Gedenken“ in Schliersee stattfindet. Nicht nur in Oberschlesien zeichneten sich die Oberländer für Fememorde verantwortlich. Umbenannt als „Bund Oberland“ beteiligten sie sich 1923 wesentlich am „Hitler-Ludendorff-Putsch“. Am 09.11.1933 wurde dann die Fahne der „Freikorps Oberland“ feierlich an die SA übergeben. Das Ziel — das „Dritte Reiche“ — war erreicht.

2) Zum Gedenken an die „in Oberschlesien gefallenen Kameraden“ wurde in Schliersee ein Denkmal gebaut, welches am 30. September 1923 eingeweiht wurde. Nicht nur aufgrund von Naziaufmärschen, entwickelte es sich in den Folgejahren zum faschistischen Pilgerort. Aus diesem Grund wurde das Denkmal 1945 von amerikanischen Streitkräften zerstört. Jedoch wurde bereits 1956 an der Schlierseer „Weinbergkapelle“ eine Gedenktafel mit der Aufschrift: “ Freikorps Oberland — Dem Gedenken seiner 52 im Freiheitskampf in Oberschlesien anno 1921 gefallenen Kameraden. Sie werden wieder auferstehen.“ angebracht.

3) Die JLO organisiert jährlich einen „Trauermarsch“ zur Bombardierung von Dresden im 2. Weltkrieg. Dieser hat sich in den letzten Jahren zu Europas größtem Nazievent entwickelt. In diesem Jahr aber konnte der Aufmarsch erstmals durch antifaschistische Sitzblockaden verhindert.

4) Der zivilgesellschaftliche Widerstand gegen die Annaberg Gedenkfeier wird vor allem vom Bündnis gegen Rechtsextreme Umtriebe im Oberland getragen. www.freikorps-oberland.de