Braune Brandschützer

Die Frankfurter Rundschau hat einen lesenswerten Artikel über Neonazis bei Feuerwehren in Hessen veröffentlicht. Darin heißt es, die NPD spucke derzeit „tiefbraune Galle“. Von „Gesinnungs-Blockwarten“ schwadronierte die rechtsextreme Partei, von „volkstreuen“ Feuerwehrleuten, die nun wohl einer „Sonderbehandlung“ zugeführt werden sollten. Neonazis als die Juden von heute sozusagen: Mit dem Wort „Sonderbehandlung“ tarnten die Nationalsozialisten den Massenmord an den europäischen Jüdinnen und Juden.

Was die NPD zu ihrer wütenden Hetze anspornte, sei der „Braunmelder“ der hessischen Jugendfeuerwehr, so die FR weiter. Seit zwei Wochen könnten rechtsextreme Vorfälle bei den freiwilligen Feuerwehren im Lande über ein Online-Formular dem Verband mitgeteilt werden. Noch, sagt Projektleiter Michael Kittel, seien allerdings keine Meldungen eingegangen. „Wir haben“, meint der stellvertretende Landesjugendfeuerwehrwart gegenüber der FR, „in diesem Bereich kein Feuer, das brennt.“

Die Autoren weisen allerdings darauf hin, dass diese Einschätzung in einigen Landkreisen fraglich erscheint – beispielsweise im Schwalm-Eder-Kreis. „Es gibt hier Feuerwehren, die wären aus Personalmangel nicht mehr einsatzfähig, wenn sie alle Rechten ausschließen würden“, sagt Kirsten Neumann vom Mobilen Beratungsteam gegen Rassismus und Rechtsextremismus (MBT) in Hessen. „Das haben uns Wehrführer so berichtet.“

Recherchen der Frankfurter Rundschau belegen zudem, dass sich bei den freiwilligen Brandschützern auch junge Männer aus dem Umfeld der berüchtigten Neonazi-Kameradschaft „Freie Kräfte Schwalm-Eder“ (FKSE) finden. Und an mehreren Orten haben Rechte sogar Führungsposten inne.

So fungiert in Gilserberg-Schönau mit Stefan D. ein Mann als Wehrführer und erster Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr, der im Internet eine recht fragwürdige Gesinnung offenbart: In sozialen Netzwerken schloss sich der 28-Jährige nicht nur weltkriegsverherrlichenden Gruppen wie „Nach Frankreich fahr ich nur auf Ketten“ oder „Nach England? Nur in der Messerschmitt!“ an, sondern forderte mit Gleichgesinnten auch „Freiheit für Luni!!!“. Gemeint war Michael Regener, genannt „Lunikoff“, verurteilter Sänger der als kriminelle Vereinigung eingestuften Neonazi-Band „Landser“. In Binsförth bei Melsungen gehört Manuel S. als Gerätewart zum Vorstand der Feuerwehr. Im Internet präsentiert sich der kahlgeschorene Mann mit einem T-Shirt des verbotenen rechtsextremen Skinhead-Netzwerks Blood & Honour und bekennt sich offen zur Hooligan-Gewalt.

Und in Mühlhausen, einem Ortsteil der Kreisstadt Homberg/Efze, sitzt seit Jahren ein Mann dem Feuerwehrverein vor, dessen rechtsextreme politische Haltung eigentlich nicht verborgen geblieben sein kann: Hans-Jörg J. kandidierte bei der Kommunalwahl 2006 für das „Bürgerbündnis Pro Schwalm-Eder“, für das sich Aktivisten von NPD und „Republikanern“ mit militanten Neonazis zusammengefunden hatten. Außerdem engagierte sich der 48-Jährige jahrelang als Funktionär bei der rechtsextremen „Jungen Landsmannschaft Ostpreußen“ (heute: Ostdeutschland), die mit dem alljährlichen „Trauermarsch“ für die Opfer der alliierten Bombenangriffe in Dresden den größten Neonazi-Aufmarsch in Europa organisiert. Bis das Magazin „defacto“ des Hessischen Rundfunks am vergangenen Wochenende auf die braunen Brandbekämpfer im Schwalm-Eder-Kreis hinwies, wollte von alledem niemand bei der Feuerwehr etwas bemerkt haben. Über mögliche Konsequenzen jedenfalls wird erst jetzt nachgedacht.

Siehe auch: Razzien bei Neonazis im Schwalm-Eder Kreis, Hessen: Erneut Neonazi-Attacke / Urteil gegen Wöll bestätigt, Panorama über den brutalen Angriff auf eine 13-Jährige, Hessen: Keine organisierte Nazi-Szene?!?, Hessen: NPD-Kandidat bei Wehrsportübung?

4 thoughts on “Braune Brandschützer

  1. Ach, das ist in Niedersachsen nicht anders.
    Leider…
    Die Unterwanderung von Vereinen, gerade in kleinen Gemeinden, ist mMn ein weiterer Aspekt der „Wortergreifungs-Strategie“, den man nicht unterschaetzen sollte. Zum Einen werden Rechstextreme bei der FFW von einer dem Militaer nicht unaehnlichen Struktur angezogen (Hierarchie/Kameradschaft), zum Anderen bietet es ihnen die Moeglichkeit, sich als „netter Jungen“ zu profilieren und anderen „unauffaellig“ ihre aetzende Weltanschauung anzutragen…
    Leider hat hier das rechts-konservative wie rechts-liberale Kleinbuergertum komplett versagt, indem es wie so oft entweder zustimmend nickt oder sich hinter unangebrachter Toleranz verschanzt…

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