NPD: Hitler kein „teppichbeißendes Monster“

In der jüngsten Ausgabe der NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“ freut sich die Redaktion über die Arbeit von Timothy W. Ryback, der die Bibliothek des „Führers“ untersucht hat. Damit wollte er, so der Klappentext seines Buches, „den Weg der Schlüsselbegriffe und Ideen“ nachzeichnen, „aus denen der Diktator sein nationalsozialistisches wie menschenfeindliches Weltbild schuf“. Von einem menschenfeindlichen Weltbild Hitlers ist bei der NPD allerdings nichts zu lesen. Stattdessen schreibt die „Deutsche Stimme“:

Adolf Hitler im Jahr 1933 in Zivilkleidung auf Schreibtisch sitzend (Porträt)
Adolf Hitler im Jahr 1933 in Zivilkleidung auf Schreibtisch sitzend (Porträt)

Das landläufige Vorurteil will, daß Hitler vor allem Karl May und Bücher über Rassenkunde gelesen habe. Aber diese Vorstellung ist ganz falsch. Hitler informierte sich mit »grimmiger Entschlossenheit«, wie er selbst sagte, über alle denkbaren Wissens- (und Halbwissens-)Bereiche und war zunächst einmal offen für neue Informationen. Aber Ryback weiß auch: »Hitler las (…), um sich in seinen Überzeugungen bestätigt zu sehen.« Was nichts daran ändert, daß Rybacks Studie eine dankenswerte Fleißarbeit ist und die Stereotype vom teppichbeißenden Monster mit kräftigen Strichen konterkariert.

Nun denn, andere Rezensenten betonen allerdings auch, Hitler sei ein „Mann der Halbbildung“ gewesen und habe einen Hang zu esoterischen Schriften gehabt. Und: Hitler machte zahlreiche Unterstreichungen und bekräftigte ihm wichtige Aussagen mit Ausrufezeichen. Fragezeichen fehlen dagegen.

Dennoch meinen Süddeutsche Zeitung und Die Zeit fast übereinstimmend: Das vorliegende Buch biete zwar keine gänzlich neuen Erkenntnisse über die Person Hitler, dafür präzisiere es dessen Bild aber um viele unbekannte Details. Dass durch die Arbeit „Stereotypen“ über Hitler „konterkariert“ würden, davon ist es den Qualitätsblättern aber nichts zu lesen. Aber die NPD deutet vorliegende Informationen eben so, wie sie es braucht, beispielsweise um den Führer besser darstellen zu können, oder um das „3. Reich“ zu verharmlosen. So verweist die „Deutsche Stimme“ auch noch auf ein anderes Buch, welches „Schattenspiel. Phantastische Erzählungen aus dem Dritten Reich“ heißt. Dazu schreibt die „DS“:

Ist von NS-Literatur die Rede, denken die meisten an Autoren wie Kurt Eggers oder Hanns Johst – oder gleich an Schreibverbote, denn bekanntlich war das Dritte Reich ja ein totalitärer Staat. Aber: in Wirklichkeit war die Literatur zwischen 1939 und 1945 vielgestaltiger und individueller, als es das landläufige Klischee wahrhaben will.

Zusammenfassend: Stereotypen über den armen Führer, Klischees über die NS-Zeit – armes Deutschland…

Siehe auch: Tag der Befreiung: Der rechte Opfermythos lebt