Immer mehr? Immer schlimmer? Kriminalität rückläufig

Gerne wird von ordnungspolitischen Hardlinern, Boulevard und auch extrem rechten Kreisen das Schreckgespenst einer immer weiter steigenden Kriminalität gezeichnet. Besonders die Jugendkriminalität steht dabei im Fokus, einzelne brutale Taten werden so hochgeschrieben, dass der Eindruck entsteht, die Bedrohung nehmen täglich zu. Das Gegenteil ist der Fall, wie einmal mehr die Kriminalitätsstatistik zeigt. Wie bereits in den Vorjahren ist nach Angaben des Bundesinnenministeriums auch im Jahr 2009 die polizeilich registrierte Kriminalität rückläufig. Im Berichtszeitraum 2009 sind demnach die Straftaten um 1,0 % gegenüber dem Vorjahr gesunken. Insgesamt wurden 6.054.330 Straftaten registriert. Die Quote bei der Aufklärung von Straftaten liegt mit 55,6 % auf dem höchsten Stand seit Einführung der gesamtdeutschen PKS 1993.

Besonders starker Rückgang bei jugendlichen Tätern

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der Anzahl der Gewaltdelikte wider, die im Berichtszeitraum um 1,2 % auf 208.446 Straftaten zurückgegangen sind. Der Rückgang ist vor allem auf die Abnahme im Bereich der Raubdelikte zurückzuführen. Gegenüber dem Vorjahr gingen diese um 1,2 Prozent auf 49.317 Straftaten zurück. Rückläufig entwickelte sich im Bereich der Gewaltkriminalität auch die Zahl der erfassten Fälle der gefährlichen und schweren Körperverletzung mit einem Minus von 1,3 % (149.301 Straftaten).

Besonders signifikant ist – wie schon in den Vorjahren – der erneute Rückgang bei den jugendlichen Tatverdächtigen im Alter von 14 bis 18 Jahren. Zurückgegangen sind in dieser Altersgruppe insbesondere die Anzahl der Tatverdächtigen bei der Gewaltkriminalität um fast 9 Prozent (2008: 43.574; 2009: 39.722) sowie bei der in der Gewaltkriminalität enthaltenen gefährlichen und schweren Körperverletzung um 9,4 Prozent (2008: 35.384; 2009: 32.072). Die Zahl der jugendlichen Tatverdächtigen bei Körperverletzungsdelikten ist um 7,2 % von 66.719 Fällen im Jahr 2008 auf 61.940 im Jahr 2009 zurückgegangen. Bei Sachbeschädigungsdelikten ist die Zahl der jugendlichen Tatverdächtigen um 10,1 % von 47.730 Delikten im Jahr 2008 auf 42.907 Delikte im Jahr 2009 gesunken.

„Fröhliches Deutsche-Abschlachten“

Die NPD weidet derweil einen brutalen Überfall in Hamburg aus, bei dem ein 19-Jähriger erstochen wurde. Da es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen Jugendlichen handelt, der einen Migrationshintergrund hat, schreiben die Neonazis von einer „jugendlichen Multikulti-Bande beim fröhlichen Deutsche-Abschlachten“. Dass das Motiv zwar überhaupt nichts mit „Deutsche-Abschlachten“ zu tun hat, so die Ermittlungen der Polizei, spielt mal wieder keine Rolle. Hetze eben.

Siehe auch: Nürnberg: Neonazi-Opfer weiterhin im Krankenhaus, Täglich mehr als zwei Verletzte durch rechte Gewalt

16 thoughts on “Immer mehr? Immer schlimmer? Kriminalität rückläufig

  1. @Demokrat

    “Weiterhin sind Täter mit Migrationshintergrund überproportional an den Gewalttaten beteiligt. Das ist ein unbestreitbarer Fakt.”

    „Sie sollten das Wort “überproportional” noch einmal nachschlagen…“

    …haben Sie einen Vorschlag wo ich nachschlagen soll? :)

  2. @ quarktasche: ich provoziere mit neuheidnischen symbolen??? geht’s dir noch gut? seit 30 jahren??? ist doch nun wirklich quatsch…..( „ej du satanist ich F*** dich“….wegen neuheidnischer symbole? na sowas!
    Oder:“ öh, was hast’n da für stern (zur erklärung: pentagramm)…bist du jude?“ erneutes angebot zum heterosexuellen geschlechtsverkehr….
    neuheidnische symbole….kopfschüttel!)
    mir liegt es völlig fern, menschen zu provozieren, womit auch immer!

  3. Nochmal der Reihe nach:

    Wenn Sie wegen Homophobie angemacht werden, dann finde ich das extrem schlecht.

    Wenn Sie wegen dem Pentagramm angemacht werden, dann finde ich das auch nicht viel besser, generell sollte jeder rumlaufen dürfen wie er möchte.

    Zu dem Pentagramm: das empfinde (nicht nur) ich persönlich als provozierend und abstossend.

    Und dann noch: Meine Eindrücke decken sich nicht mit den Ihren. Ich halte das was Sie schildern für Einzelfälle. Da muß man entweder pädagogisch versuchen gegen zu arbeiten oder bei einer akuten Bedrohung die Polizei rufen.

  4. „In mittelalterlicher und nachmittelalterlicher Zeit galten Pentagramme als Zauber- und Abwehrzeichen gegen Dämonen. Daneben galten sie als Symbol für die fünf Wunden Jesu Christi.“ Quelle: Wikipedia

    Ist ja wirklich abstoßend und provozierend. Oder wurde es etwa falsch herum (also mit 2 Ecken oben und 1 unten) getragen? Dann wäre es ja ein eindeutiges Zeichen des Satans. Oder des Heavy Metals? Wer weiß das heute schon?

    Der bekannte Strafrechtler Fuchs sagt übrigens: „Rechtsgetreue Bürger dürfen sich nicht provozieren lassen.“

  5. @Demokrat

    “In mittelalterlicher und nachmittelalterlicher Zeit galten Pentagramme als Zauber- und Abwehrzeichen gegen Dämonen. Daneben galten sie als Symbol für die fünf Wunden Jesu Christi.” Quelle: Wikipedia“

    …sehen Sie, das wußte ich zum Beispiel so gar nicht. Mit den Zeichen ist das so ne´Sache. Das eine ist der Inhalt, den der Träger selbst darin sieht. Der ist natürlich meißtens gut, den wer will schon das böse? Auch die Satanisten sehen das Gute im Bösen. Das Andere ist die Wahrnehmung des Zeichens des Gegenüber(Also in diesem Falle ich). Da müssen Sie sehen, daß ich wirklich sehr schlechte Erfahrungen mit Leuten mit Pentagramm gemacht habe, die ihn die Kategorie „absolut psycho“ gehören. Überspitzt gesagt ist es im Grunde genommen ganz egal was der Sender mit einem Zeichen sagen will, wichtig ist, wie es beim Empfänger ankommt. Nochmal ein Beispiel: In einem Ehestreit brüllt der Mann die Frau wiederholt an. Sicherlich wird er in einer ruhigen Minute sagen: „Ich hab das nur gut gemeint. Ich will ja unsere Beziehung retten, bla… bla…“ Fakt ist aber, daß er seine Frau andauernd anschreit und sie sich das dann nicht gefallen lassen sollte… Nur als Beispiel des Mechanismus ohne inhaltliche Wertung…

    „Ist ja wirklich abstoßend und provozierend. Oder wurde es etwa falsch herum (also mit 2 Ecken oben und 1 unten) getragen? Dann wäre es ja ein eindeutiges Zeichen des Satans. Oder des Heavy Metals? Wer weiß das heute schon?“

    Ja genau, wer weiß das schon. Man kann sich dann beim Lesen des Zeichens ersmal nur auf die eigene Erfahrung stützen. Und die ist in meinem Falle extrem negativ.

    „Der bekannte Strafrechtler Fuchs sagt übrigens: “Rechtsgetreue Bürger dürfen sich nicht provozieren lassen.”

    Ich meinte wirklich nicht im Sinne von „dem haue ich sofort auf die Fresse“ Um Gottes Willen. Abgesehen davon das ich Gewalt grundsätzlich schlecht finde könnte man mit so einer Einstellung in Berlin keine 10 Minuten überlegen, wenn man sofort jeden angeht, dessen Nase einem nicht in´s Konzept passt. Ich persönlich finde Leute mit Pentagramm(und dabei differenziere ich zugegebener Maßen nicht, wie rum es hängt) nicht sehr sympatieerweckend und mein Bedürfnis ein Angebot für ein „vernünftiges Gespräch“ anzunehmen tendiert gegen Null wenn mich dabei die Ganze Zeit ein Pentagramm vom Hals aus anguckt.

    Wie gesagt, das ist aber nur meine persönliche Meinung und meine Erfahrung. Generell ist ein Angriff durch nicht´s gerechtfertigt und ich will das auch nicht verharmlosen. Homophobie speziel finde ich sehr verabscheuungswürdig. Es bring aber nichts das an Menschen mit Migrationshintergrund fest zu machen. Das ist mir zu pauschal. Die Bildzeitung vermittelt bei Gelegenheit gern ein bisschen Homophobie und die wird nicht nur von Menschen mit Migrationshintergrund gelesen. Ich denke das sind gesamtgesellschaftliche Probleme. Wenn der gesellschaftliche Druck wächst, gehen marginalisierte Gruppen gegenseitig aufeinander los und die Gruppe, die sich als Mitte der Gesellschaft deffiniert grenzt sich zunehmend ab. Das finde ich ganz schlimme und bedrohliche Mechanismen…

Comments are closed.