Hotel-Pläne der NPD: Schlechte Absprachen

Die Aachener Nachrichten thematisieren noch einmal die angeblichen Kaufabsichten der NPD für ein Hotel in Aachen. Will die rechtsextreme NPD wirklich ein Hotel in der Nähe des Hauptbahnhofs kaufen und zu einem «Schulungszentrum» umfunktionieren?, fragt das Blatt. Während der Hotelier, der namentlich nicht genannt werden wolle, von einer «rein kaufmännischen Entscheidung» spreche, vermuteten Lokalpolitiker, die NPD bluffe nur, heißt es. Weiter berichtet das Blatt:

Wie berichtet, hat die NPD angekündigt, das Hotel mit rund 20 Gästezimmern kaufen zu wollen, um dort «Kameraden» zu schulen. Ob die Partei das Geld aufbringen kann, dürfe «getrost bezweifelt werden», meinte dazu Patrick Gensing, Betreiber eines Internetdienstes über die NPD, in den «Nachrichten». Der Fachjournalist hat Fälle beobachtet, in denen die NPD Kaufinteressen vortäuschte, um Immobilienbesitzern unter die Arme zu greifen.

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Die NPD will angeblich mal wieder ein Hotel kaufen...

Die jetzige Offerte von Willibert Kunkel, Chef des NPD-Kreisverbands Aachen, hat Vorgänger. Schon Ende Januar hatte die Dürener NPD großspurig verkündet, eine Gaststätte mit Saal in Merken kaufen zu wollen. Insider behaupteten später, dies sei vorgetäuscht gewesen. Ohne öffentliches Aufsehen zu erregen hatte kurz darauf der NPD-Kreisvorsitzende in Düren, Ingo Haller, versucht, eine Gaststätte mit Privatwohnung in Niederzier zu pachten. Die Lokalpolitik verhinderte das.

Der Stolberger NPD-Ratsvertreter Kunkel hatte laut Behörden vor Wochen zudem Interesse an einem kleinen Landgasthof am Rande der Kupferstadt geäußert. Stolbergs Bürgermeister Ferdi Gatzweiler vermutete schlicht «Wichtigtuerei» als Grund für Kunkels Auftritt. Nachdem sich der Verkauf zerschlagen hatte, verbreitete die NPD am 31. März, man sei sowieso «nicht an kleineren Objekten interessiert». Es folgte das Hotel in Aachen.

Auffallend ist, dass der stellvertretende Vorsitzende der Bundes-NPD, Frank Schwerdt, am 13. Mai dem Portal tagesschau.de sagte, er habe erst durch dessen Recherchen von dem angekündigten Kauf in Aachen erfahren. Kunkel selbst will schon Anfang Mai «den Landesverbänden» seine Pläne vorgestellt haben, «um die Finanzierung zu sichern». Schwerdt ist nicht nur Vizechef der NPD, sondern auch NPD-Landeschef in Thüringen und müsste Kunkels Vorhaben daher kennen.

Vor rund einem Jahr stand die NPD vor der Zahlungsunfähigkeit, bis heute gilt sie als klamm. Auch die parteieigene Analyse zum Ergebnis der Landtagswahl auf einer Sitzung des NPD-Landesvorstandes am Sonntag ist wenig schmeichelhaft. Die erreichten 0,7 Prozent seien auch mit «der schlechten finanziellen Ausstattung» durch die Bundespartei zu erklären. Ein Wahlkampf sei deswegen nur sehr begrenzt möglich gewesen, schimpft die NPD-NRW – gegen die Bundespartei.

Der Hotelier in Aachen sagte den «Nachrichten», ein weiterer Gesprächstermin mit der NPD über den Verkauf stehe noch aus. Unter Lokalpolitikern scheint man seit Freitag nicht mehr auf einen Dialog mit dem Mann zu setzen. Die Ratsfraktionen hatten vor Tagen der Stadtverwaltung schon empfohlen, ordnungs- und bauordnungsrechtliche Schritte vorzubereiten, um eine Umnutzung des Hotels zu verhindern – falls die NPD denn tatsächlich kaufen will oder kann.

Siehe auch: NPD will mal wieder ein Hotel kaufen