Rechtes Hooligankonzert in Ruhpolding geplant

Nach Angaben des Antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München (a.i.d.a.) soll am kommenden Samstag (22.05.10) die im neonazistischen Spektrum verankerte Hooliganband „Kategorie C“ (KC) in Ruhpolding auftreten. Die infogruppe rosenheim befürchtet, dass damit innerhalb weniger Wochen eine dritte Nazi-Veranstaltung im Raum Berchtesgaden / Traunstein ungestört über die Bühne gehen könnte.

Die Gruppe schreibt über das geplante Konzert: KC-Frontmann Hannes Ostendorf war 1991 selbst an einem Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Bremen beteiligt. 2006 trat er auf einer von Eckart Bräuniger (NPD) angemeldeten Solidaritäts-Demo mit Konzert für den inhaftierten Michael „Lunikoff“ Regener, Sänger der als kriminelle Vereinigung bewerteten Rechts-Rock-Band „Landser“, auf. Mit von der Partie waren dort unter anderem mit das Nazi-Liedermacher-Duo Annett und Michael Müller.

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Die NPD sucht aktiv den Anschluss an die Rechtsrock-Szene, um sich als junge Partei zu präsentieren. (Foto: Marek Peters)

Welches Klientel Ostendorfs Band KC auch ansonsten anspricht, wird bei näherer Betrachtung der Gruppe deutlich. 1999 beteiligten sich die Band mit einem Lied am Sampler „Die Deutschen kommen II“, auf dem neben den erwähnten „Landser“ auch Rechtsrock-Bands wie „Stahlgewitter“, „Kraftschlag“ und „HKL“ vertreten sind. 2004 erschien die CD „Bootboys Bremen“ des Bandprojekts Adrenalin, an dem sowohl Bandmitglieder von Kategorie C als auch von der Neonaziband „Endstufe“ beteiligt waren. Auf dem im Juli 2006 „wegen Verdacht der öffentlichen Aufforderung zu Straftaten sowie Gewaltdarstellungen“ eingezogenen extrem rechten „Fußballsampler“ mit dem Titel „Zu Gast bei uns“ war die Band mit dem Stück „Deutschland dein Trikot“ vertreten. In diesem Lied beklagt KC, dass schwarze Spieler in die Fußball-Nationalmannschaft aufgenommen wurden und spricht ihnen ab, deutsch sein zu können. Ferner sei Deutschland, für das die Band einstehen wolle, nicht die BRD, sondern „der Schlachtruf“1. Diese martialischen und völkischen Formulierungen werden in der Szene als positiver Bezug auf das Deutsche Reich interpretiert.

Das für kommenden Samstag in Ruhpolding geplante Konzert wird wie viele andere Rechts-Rock-Events nicht öffentlich beworben, sondern konspirativ geplant. Auf der Homepage der Band ist nur in Erfahrung zu bringen, dass es am besagten Tag im Raum Südbayern stattfinden wird. Von einem nicht bekannt gegebenen Treffpunkt aus sollen die Besucher_innen mit einem Shuttlebus zum Konzert gebracht werden. Dort wird neben KC auch die Band „Elbroiber“ aus Magdeburg auftreten. Auch diese wird von Szenekenner_innen dem Rechts-Rock-Milieu zugeordnet2. Durch Recherchen des a.i.d.a.-Archivs konnte jedoch das Ruhpoldinger Lokal „Fire&Ice“ als Veranstaltungsort ausfindig gemacht werden. In dem von Sascha Theis (34) betriebenen Club könnten sich nach Einschätzung von Antifaschist_innen am kommenden Samstag rund 200 gewaltbereite Hooligans und Nazis einfinden. Konzerte der Band konnten in der Vergangenheit allerdings schon in vielfältiger Weise eingeschränkt oder auch verhindert werden. Im April letzten Jahres war es KC nicht möglich, in München aufzutreten, weil mehrere Veranstalter sie nach antifaschistischen Interventionen wieder ausluden3.

Wenige Wochen darauf wurde ein Konzert in Rostock polizeilich verboten4. Im Herbst verweigerte die Bezirksverwaltung Treptow-Köpenig (Berlin) eine notwendige Genehmigung5. Wie in Internetforen diskutiert wird, hat die Gemeinde Ruhpolding dem Veranstalter angeblich angeboten, eine Konditionalstrafe zu übernehmen, wenn er das KC-Konzert absagt. Doch Theis gibt sich bislang offenbar uneinsichtig.

Die infogruppe rosenheim zeigt sich in diesem Zusammenhang besorgt: In Bad Reichenhall fand am 8.Mai ein SS-Gedenken statt und für den vergangenen Samstag hatte die NPD eine Veranstaltung zum Hitlerstellvertreter Hess im Landkreis Traunstein angekündigt. „Wenn innerhalb so kurzer Zeit eine dritte rechte Veranstaltung ungestört über die Bühne gehen sollte, droht die Region Traunstein und Berchtesgadener Land zu einem bevorzugtem Aktionsgebiet von Nazis zu werden.“ bewertet Michael Kurz, Pressesprecher der Antifaschist_innen aus Rosenheim, die Lage und fährt fort: „Die Erfahrungen aus Halsbach im Landkreis Altötting zeigen aber, dass Gaststättenbetreiber_innen, die ihre Lokalitäten Rechten überlassen, auch in ländlichen Gebieten erfolgreich unter Druck gesetzt werden können.“ Der Münchner Nazi-Kader Norman Bordin hatte versucht sich dort in einem Wirtshaus einzunisten um darin Rechts-Rock Veranstaltungen durchzuführen. Ein angedrohter Verkauf der Immobilie an die NPD kam am Ende allerdings nicht zu Stande.

1) Originaltextauszug: „Deutschland dein Trikot / Das ist schwarz und weiß / Doch leider auch die Farbe deiner Spieler / In München, Rom und Bern, da gab?s noch echte Deutsche / solche Jungs und diese Siege hätten wir jetzt gerne wieder! […] Deutschland ist der Schlachtruf / Für Deutschland stehen wir alle ein / Doch Deutschland ist nicht die BRD / Deutschland ist der Schlachtruf“.
2) Oire Szene (2010): „Elbroiber“ (Magdeburg). http://is.gd/ccTgh
3) Robert Andreasch (2009) / AIDA Archiv: Rechtes Konzert von München nach Kaufbeuren verlegt. http://is.gd/ccSgz
4) npd-blog.info (2009): Rechtsrock-Konzert in Rostock verboten. http://is.gd/ccSmy
5) Andreas Kopietz (2009) / Berliner Zeitung: Köpenick untersagt Nazi-Konzert. http://is.gd/ccSp9

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