Nürnberg: Neonazi-Opfer weiterhin im Krankenhaus

In Nürnberg hat ein Neonazi einen 17-Jährigen halb tot geprügelt. Nach fünf Tagen gelang es den Ärzten laut taz, den Schreinerlehrling aus dem künstlichen Koma aufzuwecken. „Er spürt sein linkes Bein nicht mehr,“ sagt eine Freundin von B. An diesem Freitag wollen die Ärzte entscheiden, ob der Jugendliche noch einmal am Herzen operiert werden soll. Der Angreifer war den Angaben zum Tatzeitpunkt auf Bewährung – er war wegen schwerer Körperverletzung verurteilt worden, weil er bei einer Kundgebung des „Freien Netz Süd“ zwei Gegendemonstranten angegriffen hatte. Die Polizei verschwieg diese Tatsachen zunächst gegenüber der Familie des Opfers und der Öffentlichkeit – sie sprach nur von einem „Flüchtigen“. Man fürchtete wohl einen Mobilisierungsschub für die angemeldete Revolutionäre 1. Mai-Demo in Nürnberg.

Erst am Mittag des 1. Mai, am dritten Tag nach R.s Verhaftung gab sie bekannt, dass R. „der rechtsextremistischen Szene zugeordnet werden“ könne. Dass sich das Opfer „in der linksextremistischen Szene aufhält“ hielt die Polizei offenbar für noch bedeutsamer als den Hintergrund des Täters: Diese Info stellte sie in ihrer Mitteilung jedenfalls voran. Der Leiter der Polizeiinspektion Fürth, Roman Fertinger, sagte laut taz kurz darauf, ein „Rechter und ein Linker“ seien „aneinander geraten“.

Der Raum Nürnberg/Fürth sei eine Hochburg der militanten Kameradschaftsszene, berichtet die taz weiter. In den letzten Jahren verübten Neonazis hier zahlreiche Anschläge auf Wohnungen, Autos, linke Treffpunkte und Gewerkschaftsbüros.

Siehe auch: Nürnberg: Neonazi verletzt Jugendlichen schwer