Nazi-Fans lohnen nicht: Mügeln – RSL 0:2

Für den Präsidenten des SV Mügeln wird diese Entscheidung wohl eine weitere ungerechte Benachteiligung sein, in Leipzig sorgte die Entscheidung des zuständigen Sportgerichts hingegen für Jubel. Das Spiel SV Mügeln gegen Roter Stern Leipzig wird mit 0:2 gewertet. Die Partie wurde abgebrochen, nachdem das ganze Spiel über immer wieder Nazi-Parolen gerufen worden waren. SV-Präsident Deuse, der übrigens auch als Bürgermeister von Mügeln bereits erstaunliche Einschätzungen von sich gegeben hatte, wollte jedoch nichts davon gehört haben.

Eigentlich erscheint das Urteil in Sachen Mügeln wie eine Selbstverständlichkeit. Ist es aber nicht: Das Spiel FSV Brandis gegen RSL musste wiederholt werden – und dort hatte sogar ein Mob von 50 Neonazis Spieler und Fans aus Leipzig angegriffen und teilweise schwer verletzt.

Beim Spiel SV Mügeln gegen Roter Stern Leipzig wurden Parolen wie “Frei, sozial und national!” oder “Eine Ü-Bahn [gemeint ist eine U-Bahn] bauen wir, von Auschwitz bis nach …” gebrüllt. Dies belegen Film- und Tonaufnahmen rund um das Spiel, welches nach 80 Minuten abgebrochen wurde. Hier ein Video (gefunden bei Sportswire):

SV-Präsident Deuse hatte für den Spielabbruch allerdings kein Verständnis. “So lange ich beim Spiel war, habe ich keine Nazi-Sprüche gehört.” Er habe unter den insgesamt etwa 400 Zuschauern, darunter 150 Leipziger, auch keine Neonazis gesehen, sagte er dem MDR. Dies erklärt auch, warum Mügeln seiner Ansicht nach keine rechte Szene habe.

Zu den rechtsextremistischen Vorkommnissen beim Fußballspiel SV Mügeln gegen Roter Stern Leipzig erklären Miro Jennerjahn, Rechtsextremismusexperte der Landtagsfraktion und Monika Lazar, Bundestagsabgeordnete und Sprecherin für Strategien gegen Rechtsextremismus von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:

“Erneut kam es zu massiven rechtsextremistischen Ausfällen bei einem Fußballspiel gegen Spieler und Fans des Roten Stern Leipzig. Es ist nicht hinnehmbar, dass Innenminister Markus Ulbig und der Präsident des sächsischen Fußballverbands Klaus Reichenbach nun versuchen, daraus eine Konfrontation zwischen ‘links’ und ‘rechts’ zu machen. Die Realität insbesondere im ländlichen Raum ist eine andere. Hier haben sich Neonazi-Strukturen im Fußball fest etabliert. Ich erwarte von Herrn Ulbig und von Herrn Reichenbach, dass dieses Problem endlich beim Namen genannt wird.”

“Laut Augenzeugenberichten provozierten das ganze Spiel über Angehörige der rechtsextremen Szene auch mit strafrechtlich relevanten Inhalten, wie z. B. dem so genannten ‘U-Bahn-Lied’. Hier muss der Innenminister dringend klären, warum die Polizei dies nicht früher unterband”, fordert Miro Jennerjahn.

“Seit Jahren kommt es vielfach unwidersprochen zu rassistischen, antisemitischen, homophoben und anderen menschenverachtenden Vorkommnissen auf Sachsens Fußballplätzen. Dem Verein ‘Roten Stern Leipzig’ gebührt Anerkennung, dies nicht hinnehmen zu wollen. Nicht umsonst wurde der Rote Stern Ende letzten Jahres mit dem Sächsischen Förderpreis für Demokratie ausgezeichnet”, erklärte Monika Lazar.

Beide Abgeordnete kündigten weitere Bemühungen an. Frau Lazar wird sich mit einem Schreiben an Landespolizeipräsident Bernd Merbitz wenden, Miro Jennerjahn Kleine Anfragen an die Sächsische Staatsregierung stellen.

Siehe auch: Mügeln: Nazi-Parolen gegen Roter Stern Leipzig

Mehr zu Mügeln: Mügelns Bürgermeister will die NPD nicht ausgrenzen, Antirassismus unerwünscht: Kritik an Mügelns Bürgermeister Deuse

6 thoughts on “Nazi-Fans lohnen nicht: Mügeln – RSL 0:2

  1. Erneute Ausschreitungen in der Bezirksklasse Leipzig: Nach dem Spiel zwischen dem TSV 1862 Schildau und Roter Stern Leipzig lieferten sich Anhänger des Gastgebers Auseinandersetzungen mit der Polizei. Wie die Polizei mitteilte, wurden zwei Beamte leicht verletzt, neun Straftäter vorläufig festgenommen.

    Einige der 150 „Schildauer Jungs“ [Anm.: Nazi-Kameradschaft] griffen die Beamten, die nach Abpfiff des Spieles ein Aufeinandertreffen beider Fanlager und ein Übersteigen der Zäune verhindern wollten, an. Die Beamten wurden mit Faustschlägen und Fußtritten attackiert und mit Bierbechern beworfen. Fans von Roter Stern Leipzig sind laut Polizei nicht an den Auseinandersetzungen beteiligt gewesen. Neun Rowdies wurden vorläufig festgenommen, alle sind mittlerweile aber wieder auf freiem Fuß. „Die Angriffe richteten sich nur gegen die Polizei. Wir ermitteln weiter“, sagte Einsatzleiter Freund auf MDR-Anfrage.

    Aggressive Stimmung während des Spiels

    Während des Spiels (Roter Stern gewann übrigens 1:0) war die Stimmung auf und neben dem Platz bereits aufgeheizt. Dabei versuchten Anhänger der Gastgeber, die der rechten Szene zuzuordnen waren, mit Fangesängen zu provozieren. „Wir kriegen euch alle“, skandierten sie und spannten ein Transparent: „Love Football – Hate Roter Stern“ auf.

    Erst vor wenigen Wochen war ein Spiel von Roter Stern Leipzig in Mügeln abgebrochen worden, weil es zu verbalen und handfesten Auseinandersetzungen kam. Schwere Ausschreitungen hatte es auch am 24. Oktober 2009 bei dem Bezirksklassespiel zwischen dem FSV Brandis und Roter Stern Leipzig gegeben: Etwa 50 Neonazis hatten damals das Spielfeld gestürmt und Fans sowie Spieler der Leipziger Mannschaft angegriffen. Dabei wurden mehrere Menschen verletzt.

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