Rechtsextremismus in der Einwanderungsgesellschaft

Rechtsextremismus unter Migranten? Über dieses brisante Thema wurde in Deutschland bislang geschwiegen. Dabei haben rechtsextremistische Migranten Schulen, Treffpunkte und Freizeitstätten längst als Rekrutierungs- und Agitationsfeld für sich entdeckt.

Für Sanem Kleff, Leiterin der Bundeskoordination von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, ist dies ein unhaltbarer Zustand. Kleff ist davon überzeugt: „Ein glaubwürdiger Einsatz für Vielfalt und Toleranz ist nur möglich, wenn allen Ideologien der Ungleichwertigkeit mit der gleichen Entschiedenheit entgegengetreten wird – unabhängig davon, wer sie vertritt.“

schuleohnerassismus

Die vorliegende Broschüre „Rechtsextremismus in der Einwanderungsgesellschaft“ schließt eine Lücke. Erstmals beschäftigt sich in Deutschland eine Publikation umfassend und ohne ideologische Scheuklappen mit den menschenverachtenden Ideologien, die ihren Ursprung in den Herkunftsländern der vier größten Einwanderergruppen haben: Rechtsextreme und ultranationalistische Gruppierungen türkischer, russischer, exjugoslawischer und polnischer Herkunft.

Der Migrationsexperte Professor Dr. Klaus Bade schreibt in seinem Geleitwort zur Bedeutung der Publikation: „Einwanderung ist keine fröhliche Rutschbahn in ein buntes Paradies, die Einwanderungsgesellschaft kennt auch düstere Bereiche. Der organisierte Rechtsextremismus unter Migranten ist eine dieser noch wenig bekannten Dunkelzonen. Diese Schrift eröffnet in kritischer Bestandsaufnahme und Problemanalyse Wege zur Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus im Migrantenmilieu.“

Die Autoren der Broschüre untersuchen die rechtsextremen Szenen von Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland im Kontext der jeweiligen Einwanderungsgeschichte und der politischen Kultur in der Herkunftsgesellschaft. Dabei stellen sie auch die wichtigsten Symbole und jugendkulturellen Elemente vor, die in den rechtsextremen Gruppen eine Rolle spielen.

In Kapitel 1 – „Jugo-Kult und Ethno-Irrsinn“ – zeigt der Politikwissenschaftler Sead Husic auf, wie eng ultranationalistische Ressentiments und Einstellungen unter den Migranten aus den Staaten des ehemaligen Jugoslawiens bis heute mit dem Auflösungsprozess des Vielvölkerstaates und den Balkankriegen verbunden sind. Er geht unter anderem der Frage nach, welchen Einfluss die musikalischen Vertreter des kroatischen oder serbischen Turbofolks haben, die auch hierzulande populär sind und gut besuchte Konzerte geben und deren Songtexte vor Nationalismus und Chauvinismus nur so triefen.

In Kapitel 2 – „Deutscher als die Deutschen?“ – geht die Journalistin, Slavistin und Literaturwissenschaftlerin Barbara Kerneck auf den Einfluss von Rechtsextremen im Milieu der Russlanddeutschen ein. Sie gewährt spannende Einblicke in die Gefühlswelten deutsch-russischer Jugendlicher und zeigt, wo es für deutsche Rechtsextreme Anknüpfungspunkte gibt.

In Kapitel 3 – „Träume von Turan“ – beschäftigt sich der Islamwissenschaftler und Publizist Daniel Bax mit dem türkischen Rechtsextremismus in Deutschland. Organisationen wie die „Grauen Wölfe“ verfügen seit Jahrzehnten über eine gut entwickelte Infrastruktur und treue Anhänger. Bax beschreibt, wie türkische Rechtsextreme äußerst erfolgreich unter deutsch-türkischen Jugendlichen werben, auch an den Schulen.

In Kapitel 4 – „Nationalbewußt und reaktionär“ – beschreibt der Journalist Uwe Rada die rechtsextreme Szene in Polen und unter Polen in Deutschland. Er führt aus, inwiefern die gelungene Integration von Polen in der Bundesrepublik dazu beiträgt, dass Rechtsextreme mit ihren menschenverachtenden Parolen isoliert im Abseits stehen.

Die Herausgeberin Sanem Kleff: „Die Broschüre soll all jene bei ihrer Arbeit unterstützen, die nicht tatenlos zusehen wollen, wenn Rechtsextreme den inneren Frieden unserer Gesellschaft gefährden.“

„Rechtsextremismus in der Einwanderungsgesellschaft. Exjugoslawen, Russlanddeutsche, Türken, Polen“ richtet sich an Jugendliche, Sozialpädagogen, Lehrerinnen und Lehrer und Universitäten sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von kommunalen Einrichtungen und Ordnungsbehörden.

Auszüge aus der Broschühre

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Siehe auch: Kommentar: Die Crux eines jeden Chauvinismus

2 thoughts on “Rechtsextremismus in der Einwanderungsgesellschaft

  1. Hmm, also ich wusste bis jetzt nichts von rechtsextremen Migranten, schätze mal da besteht wirklich Aufklärungsbedarf.

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