„Neue“ NPD-Strategie: Alles wird besser

Knapp fünf Monate nach dem Strategietreffen der NPD in Berlin hat Parteichef Voigt die Ergebnisse ausführlich präsentiert. In der Parteizeitung „Deutsche Stimme“ legte er Ideen vor, die in weiten Teilen zuvor bereits von Kadern in Positionspapieren verbreitet worden waren. Zentrale Strategie soll dabei eine „seriöse Radikalität“ sein, die NPD will ihr Außenbild verbessern, da man – vollkommen zu Unrecht, wie man natürlich meint – als Schlägerpartei gelte.

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Bei der NPD soll alles besser werden... (Foto: Hans Mecon)

„Dies fängt natürlich bei der Kleidung an und hört bei der Wortwahl in der Argumentation auf“, meint die NPD – und dürfte damit auch auf das vermehrte Auftreten der „Autonomen Nationalisten“ anspielen, zu denen die Partei bis heute noch keine klare Position gefunden hat – vielmehr eiert die NPD seit Jahren herum, was kein Wunder ist, da sie nicht auf diese Kräfte verzichten kann, gleichzeitig deren Auftreten aber verheerend für das Außenbild der Pseudo-Biedermänner ist.

Die Kommission betonte laut Voigt aber generell die Wichtigkeit von Aufmärschen zur „Durchbrechung der Schweigespirale“. Diese sollten aber „künftig weniger auf vergangenheitsbezogene Themen“ bezogen sein. Dummerweise konnte die NPD aber mit den rückwärtsgewandten Themen stets die meisten Teilnehmer mobilisieren (siehe Dresden).

Keine Solidarität mit dem Pizza-Bäcker provozieren

Zudem wolle man künftig, wie von NPD-Funktionär Safet Babic bereits angeregt, nicht mehr generell „Ausländer raus!“ fordern, da der nette Pizzabäcker von nebenan eben so nett ist – und sich das daher nicht kommunizieren lässt. Obwohl aber auch viele „Kameraden“ gerne Döner futtern, will die NPD künftig

„weniger von Ausländern, sondern mehr von Fremden sprechen, denn für den Wähler reduziert sich das Ausländerproblem auf ein Türken- und Araberproblem. Wenn wir von Ausländern allgemein sprechen, dann gibt es unter den Bürgern einen Solidarisierungseffekt mit dem Pizza-bäcker oder Griechen an der nächsten Ecke, auf den sie nicht verzichten wollen.“

Außerdem will sich die Partei dem angeblich wegbrechenden rechten Flügel der Union anbieten sowie gegenüber anderen „patriotischen“ Kräften respektvoll benehmen. Außerdem soll ohnehin alles besser werden: Mehr Einigkeit, bessere Öffentlichkeitsarbeit und mehr Selbstbewusstsein.

Alles linke Spießer – außer Mutti!

Die Kommission empfiehlt zudem der NPD, „endlich eine eigene Demoskopieforschung und Wählerumfragen in Auftrag zu geben oder zu organisieren“. In der Tat scheint dies angebracht, denn die gesellschaftlichen Analysen sind auch in dieser Kommission ziemlich mau. So heißt es im Zusammenhang mit der Zielgruppe der NPD:

Wen soll die NPD in erster Linie ansprechen: Unzufriedene und sozial Entrechtete oder die sogenannte Mitte der Gesellschaft? Bürgertum, Jugend oder Senioren oder beide? Hier bestand weitestgehend Übereinstimmung darin, daß das Bürgertum heute im wesentlichen aus neureichen 68ern, linken Lehrern und Erziehern sowie karrieregeilen Grünen besteht und daher für uns zunächst nicht ansprechbar ist.

Wer hat es noch nicht festgestellt, die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland besteht aus Lehrern und/oder Grünen.  Sieht man ja auch an den Wahlergebnissen deutlich… Ähnlich konfus klingt übrigens die Definition des Begriffs „revolutionär“. Denn die geht so:

Angesichts der immer mehr um sich greifenden Bildungsfeindlichkeit von nach Migranten ausgerichteten Einheits- und Gesamtschulen ist unser Bekenntnis zum dreigliedrigen Schulsystem mit Trennung von Ausländern und Deutschen schon revolutionär, belegt aber, daß wir das Gute und Bewährte aus der Vergangenheit in eine bessere Zukunft tragen wollen.

Der Reihe nach: Die Schulen in Deutschland werden laut NPD also immer bildungsfeindlicher, weil sie „nach Migranten ausgerichtet“ werden. Bislang waren die Schulen also nach NPD-Auffassung offenbar okay. Nur komisch, dass eben noch über linke Lehrer und Erzieher abgehetzt wurde. Haben die nun doch einen guten Job gemacht?

Parteichef Udo Voigt schließt dieses Sammelsurium von Absichtserklärungen und Ungereimheiten mit folgenden Worten:

Erwähnt werden muß auch noch die hervorragende Zusammenarbeit innerhalb der Strategiekommission, welche allen Teilnehmern vermittelte, was wir erreichen können, wenn wir endlich wieder alle an einem Strang ziehen. Wenn es uns gelingt, die Dynamik einer solchen Tagung auf die gesamte Partei zu übertragen, dann werden wir Magnet einer neuen vereinigten Rechten sein können.

In der Tat – Dynamik pur. Kaum sind fünf Monate vergangen – und schon legt die NPD den zweiten Teil des Positionspapiers vor. Wie man die Ziele aber konkret erreichen will, das geht aus dem Papier nicht wirklich hervor. Immerhin: Die Kommission einigte sich nach längeren Debatten darauf, die NPD solle künftig den Namenszusatz „Die soziale Heimatpartei“ tragen – so wie es in Sachsen schon länger der Fall ist.

Übrigens ist das alles ohnehin nicht neu, was Voigt hier in der DS ausbreitet, denn die NPD-Fraktion in Sachsen hatte die Ergebnisse der Beratungen ohnehin im Januar umgehend veröffentlicht. Auch eine Aussage.

Siehe auch: NPD-Stratege fordert ausländerfreundliches Image, Sächsische NPD feiert “Erfolg für sächsischen Weg”

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