Zehntausende gegen Neonazis auf den Straßen

In mehreren deutschen Städten sind Tausende Menschen gegen Neonazi-Aufmärsche auf die Straßen gegangen. In Schweinfurt sind es mindestens 5000 Bürger, einige Quellen sprechen sogar von 8000; in Berlin mehrere Tausend, in Rostock einige Hundert. Insgesamt sind Neonazi-Märsche in sieben Städten geplant gewesen.

In Berlin schien es für die Rechtsextremen zunächt erneut ein Desaster zu geben. Dort wollten eigentlich 3000 Rechtsextreme marschieren, am Vormittag waren nach Polizeiangaben 36 Neonazis am Treffpunkt. Hunderte Neonazis sollten sich aber noch auf der Anreise befinden, etwa 300 stiegen aus der S-Bahn aus und liefen Richtung Ku-Damm, die Polizei stellte sich ihnen entgegen, 250 Rechtsextreme wurden in Gewahrsam genommen, ihnen wird Medienberichten zufolge schwerer Landfriedensbruch vorgeworfen. Zudem liefen rund 250 Neonazis unangemeldet durch die Stadt, sie wurden in Gewahrsam genommen, weil sie Passanten angepöbelt und die Polizei mit Flaschen und Steinen beworfen hatten. Unter ihnen sollen mehrere NPD-Funktionäre gewesen sein.

Im Stadtteil Prenzlauer Berg blockierten Tausende Menschen die geplante Demonstrationsroute der Neonazis.  Die Veranstalter sprachen von mehr als 10.000 Menschen, die in dem Stadtteil unterwegs waren.

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Bundestagsvize Thierse bei einer Blockade in Berlin. (Quelle: twitpic.com/photos/othertimes)

Am Nachmittag konnte dann ein Neonazi-Zug losmarschieren, der SPD-Politiker Thierse setzte sich vor den Rechtsextremen auf die Straße. An dem Aufmarsch der Neonazis nahmen nach Medienberichten etwa 500 Personen teil. Nach 800 Metern in Mäuseschritten war aber wieder Schluss – und die Polizei schickt die Nazis wieder zurück auf Start. Gegen 17.00 Uhr wurde die Veranstaltung dann aufgelöst.

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Kinder statt Nazis auf der Straße in Berlin

In Rostock konnte die NPD mit etwa 400 Anhängern weitestgehend ungehindert laufen, zuvor hatten Demonstranten versucht, die Strecke zu blockieren, die Route wurde aber kurzerhand – oder möglicherweise schon im Vorfeld – abgeändert. Redebeiträge hielt unter anderem der NPD-Fraktionschef Udo Pastörs, der am 6. Mai in Saarbrücken wegen Volksverhetzung vor Gericht steht. Nach Angaben der Ostseezeitung versuchten einige Neonazis durch die Polizeiketten zu brechen, was allerdings misslang.

Das Rostocker Bündnis „1. Mai nazifrei“ zeigte sich zufrieden mit dem Tag. Mehr als 700 Personen beteiligten sich an den Blockaden. „Unser Konzept der friedlichen Massenblockaden ging auf. Die NPD konnte nicht wie geplant durch Lütten Klein marschieren“, erklärte Christine Lehnert vom Bündnis laut taz. Sie betonte: „Aber wir haben neben den lachenden Auge auch ein weinendes Auge. Wir waren zu wenig um auch on Groß Klein die neue Route zu blockieren“. Zudem hat die Polizei aber auch genau dort versucht keinen Gegenprotest hinkommen zu lassen.

NPD-Demo abgebrochen

In Erfurt nahmen etwa 350 NPD-Anhänger an einer Demonstration teil. In der Innenstadt hatten laut MDR mehrere Hundert Menschen gegen den Neonazi-Aufmarsch protestiert. Sie hielten an verschiedenen Orten, unter anderem im Hauptbahnhof, Sitzblockaden ab. Eine Sitzblockade auf der Strecke des genehmigten NPD-Aufzugs wurde aufgelöst. Demonstranten seien nach mehrfacher Aufforderung weggetragen worden, sagte eine Polizeisprecherin. Das sei ohne größeren Widerstand geschehen. Nach Angaben von Radio FREI wurde die NPD-Demo am Nachmittag aber aufgelöst. Die Neonazis wollten dann eine Spontandemo durchführen.

In Solingen brachte die NPD nach eigenen Angaben gut eine Woche vor der einzigen Landtagswahl des Jahres etwa 50 „Kameraden“ auf die Straße.

Hier gibt und gab es aktuelle Informationen zu den Aufmärschen: Taz-Ticker, Tagesspiegel-Ticker: Proteste gegen Neonazi-Demo in Prenzlauer Berg,B.Z.-Ticker: 320 Nazis laufen auf dem Kudamm, Berliner Morgenpost mit Ticker, Ostsee-Zeitung zum Aufmarsch in Rostock,Vorbericht zu Erfurt beim MDR. Live-Ticker zu Erfurt bei Radio FREI. NPD-BLOG.INFO twittert. Twitter zum 1. Mai.

14 thoughts on “Zehntausende gegen Neonazis auf den Straßen

  1. @Richard

    I. http://de.wikipedia.org/wiki/Arithmetik *lol*

    II. Es gab` eine angemeldete Demo … und die kam nicht weit; anschließend marodierte der NS-Mob durch die sog. „neue Reichshauptstadt“. – Bevor der Mob festgesetzt wurde, marschierte er „natürlich“ … you know? 😉

    … Und alles zusammengezählt, waren es durchaus 10.000 Gegendemonstranten, die letztendlich die NS-Aufmärsche (bzw. deren Versuche) blockierten. Den restlichen braunen Mob fischte dann die Polizei von der Straße.

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