Neonazis in Sachsen: Schrei nach Liebe

Der Aufmarsch der Neonazis zum Elbe-Day in Sachsen ist irgendwie nicht so der Knaller gewesen. 170 Kameraden brachte man auf die Straße – damit lassen sich Russen und Amis 65 Jahre nach Kriegsende nicht mehr rückwirkend zurückschlagen. Daher wolle man im kommenden Jahr langfristiger mobilisieren, verkünden NPD und Neonazis. Außerdem versucht das „Aktionsbüro Nordsachsen“ noch etwas böses Blut zu stiften und ein wenig Aufmerksamkeit zu erhaschen, indem man behauptet, es habe bei einer Veranstaltung gegen den Elbe-Day noch eine „Überraschung des Tages“ gegeben.

Der Stadtrat Jens Kretzschmar (Die Linke) habe sich „unmittelbar zu den Transparent haltenden Deutschen“ gestellt und somit seine Solidarität für die „nationalen Freiheitskämpfer“ bezeugt, behaupten die Neonazis. Genauso habe es sich mit Mitarbeitern des NDK Wurzen verhalten. Dieser vermeintliche Aufreger wird denn auch gleich über die üblichen Internet-Vertriebswege der Bewegung herausposaunt – einzig ist auch hier einmal mehr der Wunsch Vater des Gedanken – nämlich nach gesellschaftlicher Anerkennung und einer „Querfront“. Und so schwärmen Kommentatoren in Neonazi-Foren bereits:

Es wäre zu schön um wahr zu sein! Nationalismus und Sozialismus vereinen sich! Das ist echte Volksherrschaft!

Möglicherweise hatten die Neonazis spekuliert, nach der Geschichte von Ex-NPD-Funktionär Janik, der heute bei der Linkspartei aktiv ist, könne man etwas Aufregung verursachen. Doch weder der Stadtrat Kretschmar noch die Vertreter des NDK haben an der Nazi-Demo teilgenommen. Hintergrund der Geschichte war viel mehr, dass bei der „Robertson-Patrouille“ eine Reihe von städtischen Neonazis mit Transparent auftauchten. Kretschmar und einige Vertreter des NDK stellten sich vor das Transparent, um es zu verdecken. Kretzschmar sagte noch zu den Neonazis, sie sollen mit ihrer Geschichtsverdrehung aufhören – was die Rechtsextremen auch noch in ihrem Sinne verdrehten. Denn das können die Herren Kameraden, keine Frage.

Siehe auch: Elbe-Day: NPD kündigt alljährlichen Aufmarsch an