Trebnitz: Braune Schlosseigentümer

Neonazis haben die Kaufsumme für das alte Wasserschloss Trebnitz in Sachsen-Anhalt bezahlt – das Anwesen wird bereits als Treffpunkt der braunen Szene genutzt. Das berichtet Andrea Röpke beim Fachdienst blick nach rechts. Wie die Pressestelle des für die Zwangsversteigerung zuständigen Landgerichtes in Magdeburg demnach verlauten ließ, wurde „eine außergerichtliche Befriedigung der Gläubiger“ hergestellt, sprich: die Kaufsumme von rund 80 000 Euro ist demnach von NPD-Vorstandsmitglied Thomas Wulff und dem ehemaligen Wiking-Jugend-Funktionär Axel Schunk aus Stockstadt gezahlt worden.

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Das Schloss war zwischenzeitlich bei Ebay zum Kauf angeboten worden.

Das Schloss werde bereits als Treffpunkt der Szene genutzt, erklärte der Pressesprecher des Innenministeriums in Sachsen-Anhalt, Martin Krems, laut bnr. Eine „Truppe“ um Kameradschaftsaktivist Jens Bauer aus Klein Wanzleben, sei jeden Tag vor Ort, berichten Anwohner. „Die grüßen immer freundlich“, erzählt den Angaben zufolge eine Trebnitzerin, aber engeren Kontakt wolle sie nicht. Der existierte doch zum „Vorgänger“ Steffen Hupka, der seit dem Erstkauf 2001, gemeinsam mit Altnazi Rolf Hanno und Uwe Meenen, aus dem ehemaligen Altersheim ein nationales Schulungszentrum machen wollte. Das Projekt scheiterte. Der in Marbella lebende Hanno zerstritt sich mit Hupka und forderte zuletzt sein Geld zurück.

Nach einer Frist von zwei Wochen können laut bnr Wulff und Schunk nun ihre Eintragung ins Grundbuch beantragen. Über ihre Pläne mit dem alten Wasserschloss sei bisher nichts bekannt. Die ehemalige Wasserburg Trebnitz, im 17. Jahrhundert vom Markgrafen Gero errichtet, liegt zwar idyllisch an der Saale, am Ende einer Sackgasse, doch der riesige graue Klotz ist angeblich stark renovierungsbedürftig.

Bei Schlossnutzer Jens Bauer, ehemaliges Landesvorstandsmitglied der NPD, handelt es sich nach eigenen Aussagen um einen bekennenden „Nationalsozialisten“, der bereits das „Winterfest“ in Sotterhausen organisierte. Auch Käufer Schunk gehörte zur NS-orientierten „Wiking Jugend“, die aufgrund ihrer Verfassungsfeindlichkeit verboten wurde. Thomas Wulff ist erst kürzlich verurteilt worden, weil er in das offene Grab eines verstorbenen Kameraden eine Hakenkreuzfahne gelegt hatte.

Echtes Interesse wird nicht öffentlich geäußert

Damit erweisen sich einmal mehr nicht alle Immobilienprojekte von Neonazis als Masche, um möglicherweise Geld zu kassieren. Was allerdings mit den Immobilien dann auch tatsächlich geschieht, ist noch unklar.

Siehe auch: Angebliche Immobilienkäufe: Verfassungsschutz spricht von Trick