NPD 2.0: Neonazis bieten „Verbandsserver“ an

Seit einigen Wochen betreibt die NPD einen eigenen Webhosting-Service. Dahinter steckt der utopische Wunsch nach einer virtuellen Autarkie, Gelder sollen möglichst innerhalb der Partei zirkulieren.

Von Maik Baumgärtner, zuerst veröffentlicht im Störungsmelder

In einem aktuellen Rundbrief kündigt der „Amtsleiter Öffentlichkeitsarbeit“ der Bundes-NPD Jörg Hähnel seinen Kameraden einschneidende Änderungen für das Webhosting unzähliger Internetseiten der Partei an. Bis Ende Juni müssen alle NPD-Seiten auf einen neuen Server umziehen, da die Berliner Firma „Straight EDV“ den „Verbandsserver“ zum 30.06. abschalten wird. Nach Informationen des Störungsmelders, war „Straight EDV“ seit 2007 für die Bereitstellung von Webspace für die NPD verantwortlich.

Um den „reibungslosen Betrieb der Weltnetzseiten“ gewährleisten zu können, wird von der Parteizentrale seit Anfang April ein eigener „Netzdienst“ angeboten. Die „Netzwarte“ (Webmaster) der NPD können auf einem dem Rundschreiben Hähnels angehangenem „Bestellformular für Weltnetzangebote“ zwischen verschiedenen Tarifen und Serviceangeboten wählen.

netzdienst

Verantwortlich für den Netzdienst ist der Fachinformatiker Sven-Gunnar Haverlandt (Jg. 1978), der seit über 15 Jahren in der Neonazi-Szene aktiv ist. Haverlandt ist nicht nur Kreisvorsitzender des NPD-Kreisverband Dahmeland, er sitzt auch als Abgeordneter im Kreistag Dahme-Spreewald. Neben dem „Netzdienst“ betreut er den „Materialdienst“ der Bundes-NPD.

Für die NPD hat der „Netzdienst“ einen besonders „positive(n) Nebeneffekt“. Das Geld, welches einmal im „Parteikreislauf“ zirkuliert, wird „nicht mehr so stark an externe Unternehmen weitergereicht“. Damit, so hofft Hähnel, kann einer „geplanten finanziellen Ausblutung der NPD“ durch die Innenminister der Länder entgegengewirkt werden.

Inwieweit Haverlandt und seine Gesinnungskameraden das technische Know-how besitzen, den „Netzdienst“ dauerhaft betreiben zu können, ist unklar. Auf regionaler Ebene gab es in den vergangenen Jahren immer wieder Versuche ähnliche Projekte zu etablieren. So betrieb der NPD-Aktivist Ralf Wohlleben (Jena), ebenfalls Fachinformatiker, den Webhostingdienst „Netzspeicher24“, der immer wieder das Ziel von – zum Teil erfolgreichen – Hackerangriffen war und schließlich eingestellt wurde.

Siehe auch: Wegen des großen Erfolgs – NPD 2.0 legt nach, Easter-Bunny-Gate: NPD veröffentlicht Email-Verkehr, Wikileaks will 37.000 Emails der NPD veröffentlichen

2 thoughts on “NPD 2.0: Neonazis bieten „Verbandsserver“ an

  1. Na ist doch schön.. wenn man sich die durchschnittliche technische Kompetenz in der Szene anschaut, hat man da dann ein paar schöne Server, wo sich das Hacken richtig lohnt..

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