Abwehr von rassistischer Attacke: Freispruch für Familienvater

Mit Erleichterung und Freude hat Musa E. auf das Urteil des Landgerichts Potsdam reagiert. Richter, Staatsanwaltschaft und Verteidigung einigten sich nach Angaben der Opferperspektive am 26. April 2010 wegen Mangel an öffentlichem Interesse und der Geringe der Schuld auf eine Einstellung des Verfahrens ohne jede Auflage. Die Verfahrenskosten werden demnach von der Staatskasse übernommen.

Vorausgegangen war eine mehrstündige Verhandlung, in der E. mithilfe seines Anwalts begründet hatte, warum er auf einen Freispruch hoffe bzw. allenfalls einer Einstellung des Verfahrens ohne jede Auflage zustimmen würde. E. war im Februar 2009 vor dem Potsdamer Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung zu fünf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Gegen dieses Urteil hatten Herr E. Berufung eingelegt.

Die Vorsitzende Richterin und der Vertreter der Staatsanwaltschaft zeigten in weiten Teilen ein grundsätzliches Verständnis für die Vorgehensweise von E. Er war zusammen mit seiner Ehefrau und seine zwei kleinen Kinder am 18. März 2007 in ihrer Potsdamer Wohnung von einer Gruppe Jugendlicher rassistisch beschimpft und massiv bedroht worden. „Ich hielt diese Situation nicht mehr aus. Ich musste meine Familie verteidigen.“ Mit diesen Worten begründete Herr E. vor Gericht, warum er unter diesen Umständen ein Tischbein zur Hand genommen, die Tür geöffnet und die Jugendlichen verjagt hatte. Dass er dabei einen der Angreifer an Rücken und Schulter verletzt haben soll, daran konnte sich der Familienvater nicht erinnern.

Auch das Strafverfahren gegen den Jugendlichen, der die Gruppe angeführt haben soll, war eingestellt worden.

Siehe auch: Familienvater nach rassistischer Attacke erneut vor Gericht