Mügeln: Nazi-Parolen gegen Roter Stern Leipzig

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Riots beim Spiel Brandis vs RSL (Screenshot Spiegel TV)

Noch immer leidet ein Opfer an den Folgen der Neonazi-Attacke Spieler auf Spieler und Fans von Roter Stern Leipzig in Brandis, da legen die Rechtsextremen bereits nach. Dieses Mal in Mügeln, wo es bekanntlich eigentlich gar keine rechte Szene gibt – zumindest wenn man dem Bürgermeister und Fußballpräsident Deuse glauben möchte. Allerdings fällt dies angesichts folgender Berichte nicht gerade leicht. So wurden die Leipziger nach eigenen Angaben von über 50 Neonazis in Empfang genommen. Fanclub-Sprecherin Ulla Fröbisch sagte dem MDR: „Die haben von der ersten Minute an antisemitische und homophobe Sprüche gerufen. Als das ‚U-Bahn-Lied‘ gesungen wurde, machte der Schiri Schluss.“ Laut Fröbisch schritt die Polizei bei den antisemitischen Gesängen nicht ein, weil alles gefilmt worden sei. Die Polizei teilte später mit, dass die Auswertung von Videomaterial in den kommenden Tagen erfolgen werde. Die Identität einer Person, die den Hitlergruß gezeigt hat, sei bereits festgestellt worden.

SV-Präsident Deuse hatte für den Spielabbruch laut MDR jedoch kein Verständnis. „So lange ich beim Spiel war, habe ich keine Nazi-Sprüche gehört.“ Er habe unter den insgesamt etwa 400 Zuschauern, darunter 150 Leipziger, auch keine Neonazis gesehen. Dies erklärt auch, warum Mügeln seiner Ansicht nach keine rechte Szene habe.

Video beim MDR zu den Vorfällen

Zu den rechtsextremistischen Vorkommnissen beim Fußballspiel SV Mügeln gegen Roter Stern Leipzig erklären Miro Jennerjahn, Rechtsextremismusexperte der Landtagsfraktion und Monika Lazar, Bundestagsabgeordnete und Sprecherin für Strategien gegen Rechtsextremismus von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN:

„Erneut kam es zu massiven rechtsextremistischen Ausfällen bei einem Fußballspiel gegen Spieler und Fans des Roten Stern Leipzig. Es ist nicht hinnehmbar, dass Innenminister Markus Ulbig und der Präsident des sächsischen Fußballverbands Klaus Reichenbach nun versuchen, daraus eine Konfrontation zwischen ‚links‘ und ‚rechts‘ zu machen. Die Realität insbesondere im ländlichen Raum ist eine andere. Hier haben sich Neonazi-Strukturen im Fußball fest etabliert. Ich erwarte von Herrn Ulbig und von Herrn Reichenbach, dass dieses Problem endlich beim Namen genannt wird.“

„Laut Augenzeugenberichten provozierten das ganze Spiel über Angehörige der rechtsextremen Szene auch mit strafrechtlich relevanten Inhalten, wie z. B. dem so genannten ‚U-Bahn-Lied‘. Hier muss der Innenminister dringend klären, warum die Polizei dies nicht früher unterband“, fordert Miro Jennerjahn.

„Seit Jahren kommt es vielfach unwidersprochen zu rassistischen, antisemitischen, homophoben und anderen menschenverachtenden Vorkommnissen auf Sachsens Fußballplätzen. Dem Verein ‚Roten Stern Leipzig‘ gebührt Anerkennung, dies nicht hinnehmen zu wollen. Nicht umsonst wurde der Rote Stern Ende letzten Jahres mit dem Sächsischen Förderpreis für Demokratie ausgezeichnet“, erklärte Monika Lazar.

Beide Abgeordnete kündigten weitere Bemühungen an. Frau Lazar wird sich mit einem Schreiben an Landespolizeipräsident Bernd Merbitz wenden, Miro Jennerjahn Kleine Anfragen an die Sächsische Staatsregierung stellen.

Siehe auch: Brandis: Drei Jahre Haft für NPD-Kandidaten, Antirassismus unerwünscht: Kritik an Mügelns Bürgermeister Deuse, Erneuter Überfall in Mügeln: Grüne kritisieren Bürgermeister Deuse

7 thoughts on “Mügeln: Nazi-Parolen gegen Roter Stern Leipzig

  1. Bürgermeister Deuse verhält sich zu Nazis so ähnlich wie ein Spiegel zu Vampiren…

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