Ex-NPD-Kreisrat wegen Kindesmissbrauchs verurteilt

Fünf Jahre lang saß Dominique Oster für die NPD im Kreistag. Die kommenden Jahre wird der 37-Jährige aus Siegburg im Gefängnis verbringen müssen: Das Bonner Landgericht verurteilte den Angeklagten einem Bericht des General Anzeigers zufolge wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Schutzbefohlenen zu dreieinhalb Jahren Haft. Hinzu kommen den Angaben zufolge sechs Monate wegen Nachstellens, dem sogenannten Stalking. Da er nun auch weitere Vorstrafen absitzen muss, belaufen sich die Freiheitsstrafen insgesamt auf fast vier Jahre und neun Monate.

Zur Anzeige gelangten die Taten erst 2009, nachdem sich das Mädchen einer Psychiaterin anvertraut hatte. Dabei hatten die Vorwürfe bereits Ende 2004 im Raum gestanden, berichtet das Blatt. Damals musste sich der 37-Jährige wegen einer Vergewaltigung vor Gericht verantworten, wurde aber freigesprochen.

Der Kammervorsitzende betonte laut GA im Urteil, dass Oster sich nach dem Erlass eines Haftbefehls selbst gestellt und diesmal ein frühzeitiges Geständnis abgelegt hatte. Dem psychiatrischen Gutachter folgend ging das Gericht von einer vollen Schuldfähigkeit aus. „Nutzen Sie die wenigen Möglichkeiten, die der Vollzug Ihnen bietet“, riet der Richter dem arbeitslosen Angeklagten, der laut General Anzeiger „anscheinend aus Prinzip nicht mehr arbeiten geht“. Weiter sagte der Richter: „Hören Sie auf damit, die Justiz dafür verantwortlich zu machen, was in Ihrem Leben alles schief gegangen ist.“ Allerdings eine typische Eigenschaft für Rechtsextreme (leider aber nicht nur für die) die Verantwortung für Fehler bei anderen zu suchen.

Betreiber von Anti-Antifa-Seiten

Oster war auch im Internet sehr aktiv, unter anderem als Kommentator auf der Neonazi- und NPD-BLOG.INFO-Fan-Seite „Altermedia“ aus Mecklenburg-Vorpommern. Außerdem lief zumindest bis vor Kurzem noch eine Webseite auf seinen Namen, darauf sind unter anderem NPD-Seiten sowie weitere Neonazi-Angebote verlinkt. Mitten unter den Links findet sich auch ein Hinweis auf ein Forum, in dem

“Menschen beiderlei Geschlechts und jeden Alters [schreiben], die eine besondere Affinität zu Mädchen im Kindes- oder Jugendalter haben. Diese Personen bezeichnen sich als Girllover (GL). Meistens ist mit dieser Eigenschaft auch eine sexuelle Anziehung verbunden. Viele haben sich entschieden, diese nicht auszuleben. In der Gesellschaft werden Girllover meistens als “Pädophile” bezeichnet.”

Außerdem bewarb der Neonazi auf der Seite Anti-Antifa-Seiten, welche durch Passwörter geschützt sind – und die auch auf seinem Namen laufen.

In Neonazi-Kreisen wurden nach der Anklage gegen den Kameraden die Vorwürfe in Zweifel gezogen. So hieß es in einem Forum:

Ich glaube der Geschichte kein Wort. Es ist doch inzwischen Methode geworden auf diese Art und Weise seine politischen Gegner loszuwerden. Wenn mit Volksverhetzung nichts zu machen ist, nutzt man eben diese Möglichkeit.

Auf Altermedia schrieb ein Neonazi:

Dennoch sagen mir meine Instinkte, auf die ich mich zu 99% verlassen kann, dass etwas an der Geschichte faul ist.

Ein anderer entgegnte gewohnt „sachlich“:

Das Schwein gehört an die WAND

Neonazis und Rechtsradikale rufen immer wieder lauthals nach drastischen Strafen gegen Kindesmissbrauch. Dies sei allerdings kontraproduktiv für die Opfer, betonte Ursula Enders von der Beratungsstelle Zartbitter im Interview mit NPD-BLOG.INFO.

Durch die Forderung nach drakonischen Sprachen werde es den Opfern erschwert, über das erlebte Leid zu sprechen, sagt Enders. Zurzeit wird oft gefordert, es müsse bei einem Verdachtsfall sofort Strafanzeigen geben. „Wenn wir in Fällen von sexuellen Missbrauch sofort Anzeige erstatten müssen, werden sich viele Opfer uns nicht mehr anvertrauen, weil sie Angst haben, selbst angezeigt zu werden.“ Denn beispielsweise in der Odenwaldschule haben Täter mehrere Kinder in sexuellen Missbrauch verstrickt, daher fürchteten Kinder, sie würden auch bestraft. „Die Täter sagen dann, du hast es ja auch getan“, betont Enders diese besondere Täterstrategie, die zumeist auch erst später aufgedeckt wird – so auch im Fall der Odenwaldschule.

Die meisten Täter kommen aus dem sozialen Nahbereich

Zudem sind drakonische Strafen kontraproduktiv, da Opfer diese nicht verantworten wollen. Die meisten Täter kommen aus dem sozialen Nahbereich der Kinder – wie beispielsweise auch im Fall des Ex-NPD-Kreisrats. Wenn diesen Personen die Todesstrafe drohe, würden viele Opfer schweigen, so Enders weiter.

Siehe auch: Neonazi wegen Verdacht des Kindesmissbrauchs in Haft, Forderung nach Todesstrafe nützt den Opfern nicht