Hitler tat alles, um seine erbärmliche Existenz zu verlängern

Am 20. April 1945 hatte der „Führer“ Geburtstag. Sein Pilot Hans Baur, der Flugstaffel „Reichsregierung“ leitete, notierte: „Der letzte Geburtstag Hitlers verlief traurig und trübe.“ Die noch vorhandenen Flugzeuge wurden vor allem dafür gebraucht, dass die letzten Getreuen sich absetzen konnten, z.B. in das sichere Salzburg, das von den aktuellen Fronten relativ weit entfernt war. Auch dem größten Illusionisten musste inzwischen klar sein, dass dieser Krieg nicht mehr zu gewinnen war.

Von Ernst Piper für NPD-BLOG.INFO

Am 19. März 1945 hatte Adolf Hitler den „Nero-Befehl“ erlassen. Alles sollte zerstört werden, was dem Feind bei seinem Vormarsch dienlich sein konnte. Das sollte die gesamte Infrastruktur betreffen, vor allem Brücken, aber auch Versorgungsleitungen und Vorräte an Nahrungsmitteln. Es sollten alle Möglichkeiten genutzt werden, der Schlagkraft des Feindes „den nachhaltigsten Schaden zuzufügen“. Zur Begründung sagte der Befehl: „Der Feind wird bei seinem Rückzug uns nur eine verbrannte Erde zurücklassen und jede Rücksichtnahme auf die Bevölkerung fallen lassen.“

Adolf Hitler im Jahr 1933 in Zivilkleidung auf Schreibtisch sitzend (Porträt)
Adolf Hitler im Jahr 1933 in Zivilkleidung auf Schreibtisch sitzend (Porträt)

Dieser Satz ist eine klassische Projektion. In Wahrheit war es nicht der Feind, sondern die deutsche Wehrmacht, die sich auf dem Rückzug befand und nach Hitlers Wunsch nur verbrannte Erde zurücklassen sollte. Glücklicherweise wurde dieser Befehl weitestgehend missachtet, woran wohl auch Albert Speer ein Verdienst zukommt. Eine der bekanntesten Zerstörungen, zu denen es dennoch kam, war die Sprengung des Nord-Süd-Tunnels der Berliner S-Bahn unter dem Landwehrkanal, die auch zu einer Flutung der U-Bahn führte. Hitler tat alles, seine erbärmliche Existenz zu verlängern. Die Flutung würde den Vormarsch der Sowjets mehrere Stunden aufhalten, so dass er seinen Selbstmord noch hinauszögern konnte. Der Preis dafür war, dass Tausende von Ausgebombten, die in dem Tunnel Zuflucht gesucht hatten, ertranken. Aber Hitler war vom deutschen Volk, das den Sieg in diesem Krieg nicht zu erkämpfen vermocht hatte, ohnehin enttäuscht. Da kam es ihm auf ein paar Tausend Tote mehr oder weniger nicht an.

Am 16. April 1945 hatte die Schlacht um Berlin begonnen. Dieser militärisch völlig sinnlose Häuserkampf, bei dem die Sowjets Straßenzug um Straßenzug eroberten, führte nicht nur zu einer starken Zerstörung der Stadt, er kostete auch noch einmal 700.000 Menschen das Leben. Hitlers Reich, das einst große Teile Europas umfasst hatte, war auf wenige Quadratkilometer zusammengeschrumpft. Von seinem „Führerbunker“ aus befahl er Armeen, die nur noch in seiner Phantasie existierten, Entlastungsangriffe. Seine Entourage hatte bereits das Weite gesucht. Nur wenige Getreue, namentlich Goebbels, der sogar seine Familie in den Bunker geholt hatte, harrten bei ihm aus.

Am 28. April 1945, inzwischen war die Rote Armee schon bis zum Brandenburger Tor vorgerückt, wurde bekannt, dass Heinrich Himmler versucht hatte, Verbindung mit den Westalliierten aufzunehmen, die sein Kapitulationsangebot aber abgelehnt hatten. Hitler bekam einen der schlimmsten Tobsuchtsanfälle seines Lebens und schäumte über den „schamlosesten Verrat der deutschen Geschichte“. Himmler wurde aus der Partei ausgeschlossen und aller Ämter enthoben. Sein Stellvertreter im Führerhauptquartier, der mit der Schwester von Eva Braun verheiratete SS-Oberführer Hermann Fegelein, wurde als angeblicher Mitwisser standrechtlich erschossen. Nachdem selbst sein „treuer Heinrich“ ihn verlassen hatte, traf Hitler in der folgenden Nacht die endgültige Entscheidung, seinem Leben ein Ende zu setzen. Sein faschistischer Kampfgefährte Benito Mussolini war zu diesem Zeitpunkt schon tot. Er war am 28. April, gemeinsam mit seiner Freundin Clara Petacci, in der Nähe des Comer Sees von Partisanen aufgegriffen und ohne große Umstände erschossen worden. Die Leichen hatte man an den Füßen aufgehängt, und eine erregte Menschenmenge hatte sie bespuckt und mit Steinen beworfen. Doch Hitler wollte auf keinen Fall „Feinden in die Hände fallen, die zur Erlustigung ihrer verhetzten Massen ein neues, von Juden arrangiertes Schauspiel benötigen“. Ihn trieb die Angst um, „dass meine Leiche von den Russen in einem Panoptikum ausgestellt wird.“ Deshalb hatte er vorgesehen, sich zu erschießen, und seine Untergebenen verpflichtet, die Leiche zu verbrennen.

„Ein leuchtendes Sinnbild deutschen Heldentums“

Mitte April war Eva Braun nach Berlin gekommen. Jeder wusste, was das zu bedeuten hatte: Die Geliebte wollte mit ihrem Adolf das Ende teilen. Am 29. April traten beide vor einen herbeigeholten Gauamtsleiter, der in einer improvisierten Zeremonie die standesamtliche Trauung durchführte. Das Protokoll vermerkte, Adolf Hitler und Eva Braun seien rein arischer Abstammung und frei von Erbkrankheiten,. Trauzeugen waren Martin Bormann und Joseph Goebbels.

Der Wehrmachtsbericht meldete am 30. April: „Das heroische Ringen um das Zentrum der Reichshauptstadt hält mit unverminderter Heftigkeit an. In erbitterten Häuser- und Straßenkämpfen halten Truppen aller Wehrmachtsteile, Hitlerjugend und Volkssturm den Stadtkern. Ein leuchtendes Sinnbild deutschen Heldentums.“ Versprengte Soldaten, kaum bewaffnete Hitler-Jungen und Volkssturm-Männer sowie von Dönitz herbeigeschaffte Matrosen waren zur Verteidigung Berlins angetreten, alles in allem etwa 100.000 Mann. Ihnen standen zweieinhalb Millionen gut ausgerüstete sowjetische Soldaten gegenüber, die von Tausenden von Geschützen, Panzern und Flugzeugen unterstützt wurden. Darüber, wie dieses „heroische Ringen“ ausgehen würde, war kein Zweifel möglich.

Um 15 Uhr 15 verabschiedete Hitler seinen Kammerdiener: „Linge, ich werde mich jetzt erschießen. Sie wissen, was sie zu tun haben.“ 15 Minuten später war er tot. Das sinnlose Sterben auf den Schlachtfeldern ging noch zehn Tage weiter, bis das neue Staatsoberhaupt Großadmiral Dönitz die Kraft zur Kapitulation fand.

Der Historiker Ernst Piper lehrt an der Universität Potsdam. Von ihm erschien zuletzt eine “Kurze Geschichte des Nationalsozialismus – Von 1919 bis heute”.

Siehe auch: Auschwitz: Das präzedenzlose Verbrechen, Vom Ursprung deutschen Reichtums: Die Schaeffler AG, Ermittlungen gegen Ex-Angehörige der “Sonderbrigade Dirlewanger”, The Nazis and the “Final Solution” (Episode 5/5), The Nazis and the “Final Solution” (Episode 4/5), The Nazis and the “Final Solution” (Episode 3/5), The Nazis and the “Final Solution” (Episode 2/5), The Nazis and the “Final Solution” (Episode 1/5), Ausstellung: Züge in den Tod, Erinnerungspolitik: Kunst vs Pädagogik?, “Verstehen, was Menschen zu Tätern werden lässt”, “Geschichtspornografie” im ZDF: “Ein bisschen Nazi spielen”, Täterforschung im globalen Kontext: Blick auf moralische Umformatierung richten, Fundstück: Reichspogromnacht antisemitisch?, Militärgeistlicher: “Heß nannte Neonazis immer wieder Dummköpfe”, Nazis planen “Zentrum des Widerstandes” im Fichtelgebirge, Bayern: Rieger will angeblich “Heß-Gedenkverein” gründen, Voigt schlägt Hitler-Stellvertreter als Friedensnobelpreisträger vor, Neonazis marschieren in Bayern gegen Nürnberger Prozesse

13 thoughts on “Hitler tat alles, um seine erbärmliche Existenz zu verlängern

  1. Der Abschnitt im Wiki Artikel ist zumindest nicht mit Quellen belegt. Das ist sehr schade. Wenn sich hier jemand wirklich an die Recherche macht, wäre es schön den Abschnitt entsprechend zu verifizieren und wenn nötig zu verändern.

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