Die Jungs fürs Grobe und das NPD-Thing-Haus

Im mecklenburgischen Grevesmühlen hat die NPD auf einem großen Anwesen ein Bürgerbüro eröffnet. Damit will die Neonazi-Partei ihre Infrastruktur in der Region ausbauen. Tim Bleis von der Opferberatung Lobbi sagte gegenüber der taz, er sei nicht überrascht von den Bemühungen der NPD in der Kreisstadt. „Im Westen Mecklenburg-Vorpommerns versucht die NPD jetzt planmäßig ihre Verankerung auszubauen, die geringer als im Osten des Bundeslandes ist.“ Ganz strategisch wolle sich die NPD im kommunalen Alltag zwischen Vereinsleben und Lokalpolitik etablieren, so Bleis in der taz weiter. Bisher sei die Partei westlich von Schwerin vor allem im Raum Lübtheen stark verankert.

Das neue Büro, das „Thing-Haus“, sei „ein weiterer wichtiger Schritt der Strukturarbeit“, heißt es laut taz auch aus der NPD. Ziel sei es, bestehende Neonazi-Strukturen zwischen Wismar und Waschow einzubinden. Gekauft habe das Anwesen der Neonazi Sven Krüger, der für die Partei im Kreistag sitzt. Im nahen Jamel betreibt er laut taz ein Abrissunternehmen. In dem kleinen Ort am Ende einer Straße gehören dem 37-Jährigen die meisten Häuser. Nach deren Einzug in den Schweriner Landtag näherte er sich offen der NPD an, und die Landesführung schien nicht zu stören, dass der bullige Glatzkopf Haftstrafen und Gerichtsverfahren hinter sich hat. Im Kreistag, berichtete Opferberater Bleis in der taz, kokettierte Krüger gleich bei der ersten Sitzung mit seinen Verurteilungen: „Ich muss ja nicht viel zu mir sagen, sie wissen ja alles von mir“, sagte er. Das Logo der Abrissfirma ziert laut taz der Spruch: „Jungs fürs Grobe“. Ein Mann mit einem Hammer zerschlage etwas, das einem Davidstern gleiche.

Die taz berichtet weiter, einen Tag nach der Eröffnung des NPD-Anwesens unterrichte hinter den vergitterten Fenstern NPD-Bundesordnerchef Manfred Börm eine Gruppe. Ziel des „Grundlehrgangs I“ ist laut interne Einladung, als „Ordner bei allen nationalen Veranstaltungen“ einsetzbar zu sein.

Siehe auch: “Nationale Graswurzelarbeit”

8 thoughts on “Die Jungs fürs Grobe und das NPD-Thing-Haus

  1. Die Frage ist, welcher Bürger sich wohl auf dieses wenig einladende Anwesen traut. Es bestätigt die Einschätzung, dass die NPD in MV außerhalb der militanten Kameradschaftsszene kaum präsent ist.

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