„Braune Karte“ für Kampnagel und „Performance III“

Der „Braune Mob“ hat die „Braune Karte“ vergeben. Dazu erklärte die Organisation:

Wenn man liest, dass das Tanz- und Choreografie-Ensemble Jenny Beyer, Anja Müller und Christoph Leuenberger mit ihrer Performance „III“ „einmal die eigene Farbe“ wechseln und „in die fremde Haut eines Tanzkollegen schlüpfen und dessen Ausdrucks- und Bewegungssprache erforschen, aufmischen – und vielleicht auch etwas davon für sich klauen“ will, horcht man auf. Sind Bewegungsformen der schwarzen Kultur nicht längst im Kanon des Modern Dance aufgegangen? Gibt es heutzutage nicht in jeder deutschen Kleinstadt Workshops für afrikanischen Tanz?

Beim Anblick des Pressefotos wird die böse Ahnung bestätigt: drei weiße Menschen in schwarzer Bemalung, die Lippen grellrot geschminkt, die Zähne fletschend, blicken dem Betrachter mit weit aufgerissenen Augen in grotesker Kostümierung entgegen. Blackface in Reinkultur! Ob die drei Tänzer_innen sich mit ihrer Choreografie bewusst in die Tradition dieser zutiefst rassistischen Bühnenkultur einreihen, um diese satirisch zu überhöhen und mit Ironie zu brechen, wie ein Artikel im Hamburger Abendblatt andeutet, erübrigt sich.

Wer sich das Repräsentationsrecht Schwarzer Menschen aneignet und dabei auch noch auf Darstellungsformen zurückgreift, mit der Schwarze Menschen von angemalten Weißen seit jeher karikiert und lächerlich gemacht wurden, reproduziert überkommene Rassismen, verliert jede künstlerische Legitimation und erhält vom Braunen Mob die Braune Karte!

Ihre Wissenslücken über die rassistische Darstellungstradition des Blackface können Sie unter anderem durch Lektüre des dazugehörigen Wikipedia-Artikels und seiner Links schließen: http://de.wikipedia.org/wiki/Blackface oder durch die Lektüre des beigefügten Briefes einer Diversity-Dozentin an die Choreografin.

Bei der „Braunen Karte“ handelt es sich um einen tatsächlich duftenden „Wunderbaum“ im Kartenformat, der die Forderung für ein besseres (zwischenmenschliches) Klima besonderen Nachdruck verleihen soll.

braunekarte

Siehe auch: Homepage des „Braunen Mobs„, Interview mit Noah Sow – „Ein angemalter Weißer ist kein Schwarzer“, Buchtipp: “Deutschland Schwarz Weiß – Der alltägliche Rassismus”, `Brauner Mob` startet `schwarzen Blog`

13 thoughts on “„Braune Karte“ für Kampnagel und „Performance III“

  1. @G-amin

    …nee echt, ich kann sowas nicht ab. Da wird provoziert als wenn´s kein Morgen gibt. Und wenn´s dann klappt, dann heißt es „Oh… die arme Kunst, die will doch nur das Beste und der Künstler, ja der ja sowieso….“ Natürlich darf man die Kunst kritisieren und den Künstler gleich mit, denn dieser macht die Kunst. Die Kunst ist kein heiliger Geist, der unberührbar im Raum schwebt. Die Kunst ist die Menschen und immer nur genau so gut und böse wie sie. Und die Kunst wird so kritisiert, wie sie es wünscht und nicht anders.(von wegen „Stück noch nicht gesehen“)

    Und zu deinem Skandalisierungs-Vorwurf: Soweit ich das sehen kann, wurde hier bisher nichts skandalisiert. Der Einzigste, der unsachlich wird, bist du.

    P.s. Ich bin kein Kunstfeind, im Gegenteil

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