Hoffnungsschimmer: Altermedia ehrt jüdischen Sänger

Die „Bild“-Zeitung des „Nationalen Widerstands“, Altermedia, steht weiterhin fast still*. Nur drei Youtube-Videos schafften es in den vergangenen Tagen auf die Seite: Richard Wagners „Karfreitagzauber“ sowie die Lieder „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“ von Zarah Leander sowie Joseph Schmidt mit dem Lied „Wenn nicht die Hoffnung wär“. Interessanterweise handelt es sich bei Schmidt um einen jüdisch-stämmigen Künstler, der von den Nazis geächtet wurde. Wikipedia schreibt zu Schmidt:

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Briefmarkenausgabe anlässlich des 100. Geburtstages von Joseph Schmidt (Deutsche Post 2004)

Er studierte ab 1924 an der Königlichen Musikschule Berlin bei Hermann Weißenborn Gesang. Der weltweit erfolgreiche Schmidt nahm zahlreiche Schallplatten auf und sang zwischen 1929 und 1933 am Berliner Rundfunk in 38 Rundfunkopern. Mit seinen Rundfunksendungen trug er nicht nur zur Popularität des deutschen Rundfunks bei, sondern wurde selbst ein gefeierter Tenor. Aufgrund seiner geringen Körpergröße von 1,58 m blieb ihm eine Karriere auf der Opernbühne verwehrt. Trotzdem konnte er ab Januar 1939 in Brüssel die Rolle des Rudolf in La Bohème verkörpern, es folgte eine Tournee über Liège, Gent, Antwerpen, Brügge, Courtraus, Ostende und Verviers. Innerhalb eines Jahres spielte er diese Rolle 24 mal.

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten sang er am 20. Februar 1933 zum letzten Mal im deutschen Rundfunk („Der Barbier von Bagdad“). Eine Woche darauf wurde ihm der Zugang zum Funkhaus verwehrt. Nach der Premiere seines Films „Ein Lied geht um die Welt” am 9. Mai 1933 floh er im Dezember vor den Nazis zunächst nach Wien, gastierte 1934 in Palästina und debütierte am 7. März 1937 als Tenor in der New Yorker Carnegie Hall [1]. 1938 führte ihn seine Flucht vom inzwischen annektierten Österreich nach Belgien, im November 1940 nach Frankreich. Hier wurde er als deutscher Jude in Südfrankreich zwangsinterniert. Schmidt gelang im September 1942 nach mehreren missglückten Versuchen die Flucht in die Schweiz. Durch die Flucht geschwächt, brach Schmidt in Zürich auf offener Straße zusammen, wurde erkannt und als illegaler Flüchtling (lt. eines Gesetzes von 1942 galten „Juden in der Schweiz nicht als politische Flüchtlinge“) in das Internierungslager Girenbad „zur Abklärung des Falles“ gebracht. Schon nach kurzer Zeit erkrankte er an einer Halsentzündung und wurde in das Kantonsspital Zürich eingewiesen. Zwar behandelte man dort die Halsbeschwerden, seinem Hinweis auf starke Schmerzen in der Herzgegend wollte man jedoch nicht nachgehen und verweigerte eine weitere Untersuchung. Als offiziell geheilt, wurde Schmidt am 14. November 1942 aus dem Kantonsspital entlassen und musste in das Auffanglager Girenbad zurückkehren. Nur zwei Tage später starb der berühmte Sänger im nahegelegenen Restaurant Waldegg an Herzversagen. Die Lagerärzte konnten wegen mangelnder medizinischer Ausstattung nicht mehr helfen. Eine Gedenktafel ist heute am Restaurant angebracht. Einen Tag nach seinem Tod lag seine Arbeitserlaubnis vor und er wäre frei gewesen.

Joseph Schmidt ist auf dem Israelitischen Friedhof Unterer Friesenberg in Zürich beigesetzt, sein Grabstein trägt die Inschrift Ein Stern fällt – Josef Schmidt, Kammersänger, 1904-1942.

Ob der mutmaßliche Altermedia-Betreiber A.M. wegen Halsschmerzen die Seite derzeit nicht betreiben kann – oder ob er sich nur etwas interessant machen will – oder künftig das Andenken an von den Nazis verfolgte jüdische Künstler ehren möchte, ist bislang unbekannt.

Die Neonazi-Krawall-Seite Altermedia aus Mecklenburg-Vorpommern steht seit mehr als einer Woche fast still. Dies ist ungewöhnlich, die Seite wird sonst regelmäßig aktualisiert, oft mit mehreren Blog-Einträgen täglich. Gibt es technische Probleme oder eine Auszeit, wird dies zumindest kurz angekündigt. Auch die Kommentare auf Altermedia werden seit dem 22. März 2010 nicht mehr freigeschaltet. Im unmoderierten Altermedia-Forum macht man sich daher seit Tagen große Sorgen um den mutmaßlichen Betreiber der Seite aus Stralsund. Besonders eine geschmacklose Falschmeldung auf Indymedia, wonach der Mann mit den passenden Initialen A.M. bei einem Autounfall ums Leben gekommen sei, sorgte bei den Anwesenden für Aufregung. Auf anderen Neonazi-Seiten wurde mittlerweile berichtet, M. lebe, weitere Informationen lägen aber nicht vor.

Im Altermedia-Forum sorgen die neuen Videos derweil für noch mehr Unruhe. Zurzeit steht eine Verschwörungstheorie, wonach Betreiber A.M. vom Staatsschutz inhaftiert wurde, am höchsten im Kurs. Auch die Begriffe Mossad und CIA dürfen in diesem Zusammenhang nicht fehlen.

*Nachtrag 04. April 10:20 Uhr: Mittlerweile wird Altermedia wieder aktualisiert, offenbar wurden die neuen Beiträge nur nicht veröffentlicht, da es durchgehend frische Artikel gab. Was genau dahinter steckt, bleibt unklar. Offenbar wollte man sich wirklich nur wichtig machen.

Siehe auch: Rechtsextreme sorgen sich um Altermedia

6 thoughts on “Hoffnungsschimmer: Altermedia ehrt jüdischen Sänger

  1. Die „Agency“ und der MOSSAD …!? – Ach du Schreck: dann laufen sicher bald Warner-Cartoons über Altermedia! :) *freu* Mit Daffy Duck, und Coyote Carl, und .. und … dem Roadrunner *miep,miep!* – Und Bugs Bunny („Was liegt an, was liegt an!?“), und dem armen Silvester, dessen Zähne immer als Klaviertasten ausfallen. *lol*

    http://www.bcdb.com/cartoons/Warner_Bros_/Characters/index.html

    Wahrscheinlich hat der Hippety Hopper den NS-Altermedia-Freak herausgekickt, like http://www.youtube.com/watch?v=0Sj8kpto7bA

    Wenigstens mal etwas Lustiges in den unlustigen Zeiten. :)

  2. Joseph Schmidt intersiert doch keinen. Wer war das überhaupt?

    Mich intersiert viel mehr, wann Altermedia wieder erreichbar ist und die BRD-Stasi die Sperre aufhebt.

  3. @Harras

    Harras, kommst du dir nicht etwas Lächerlich vor, dir den Namen aus einem Käutner-Film zu einem Zuckmayer-Stück zu geben…? – Da merkt man wieder einmal, wie blöd` ihr seit. *lol*

  4. @Harras: Pssst, vorsicht! Die BRD-STASI überwacht auch diese Seite und wenn Du nicht still bist, dann wirst Du in deren geheimen Lagern interniert! Also still halten und abwarten, bis Deine Lieblingsseite wieder online ist. Ansonsten kannst Du es auch mit einer Lobotomie versuchen, das wirkt auf Dauer ähnlich wie AM.

  5. Ich habe verwundert keine Stellungnahme in eigener Sache zu dem Ausfall finden können. Dies und die Geschichte oben lässt mich spekulieren, dass jemand anderes Zugriff auf den Server erhalten und den ursprünglichen Autor eine Weile ausgesperrt haben könnte. Das wäre immerhin peinlich genug, darüber lieber zu schweigen….

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