Neumann: „Vertriebene Opfer des von Hitler angezettelten Krieges“

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) wies Bedenken zurück, die Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung könne sich von ihrem Ursprungskonzept entfernen. In der Sitzung des Ausschusses für Kultur und Medien am Donnerstagnachmittag betonte er: ”Es geht um quantitative Veränderungen, deshalb kann ich damit leben.“ Entscheidend sei, dass an dem Konzept der Stiftung qualitativ nichts geändert werde, fügte er hinzu. Neumann bezog sich damit auf die Tatsache, dass der Bund der Vertriebenen (BdV) nach dem Rückzug von dessen Vorsitzender Erika Steinbach (CDU) künftig drei Sitze mehr im Stiftungsrat besitzt. Der Staatsminister bekräftigte zugleich sein Ziel, den wissenschaftlichen Beirat der Stiftung von neun auf 15 Mitglieder zu erweitern. ”Wir wollen, dass die Bandbreite der behandelten Themen so breit wie möglich ist“, betonte er.

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Beim BdV dürfte man zufrieden sein: Drei weitere Sitze im Stiftungsrat, kritische Wissenschaftler sind weg - und Neumann trägt das Ganze mit.

Zur inhaltlichen Ausrichtung der Stiftung erklärte Neumann, die Vertriebenen seien Opfer. Aber sie seien Opfer des von Hitler angezettelten Krieges. Er äußerte zugleich sein Bedauern über den Rückzug von drei renommierten Historikern aus dem wissenschaftlichen Beirat und zeigte sich optimistisch, dass das Thema Flucht und Vertreibung dennoch bald in einer Ausstellung angemessen dargestellt werde. Mit anderen Worten. Schade, aber kann man halt nichts machen. Auf die Frage, wie viele Mitglieder der BdV eigentlich hat und was die Untersuchung zur Vergangenheit des Verbandes taugt – und warum sie nicht veröffentlicht wurde – zu all diesen Fragen sagte Neumann offenbar nichts.

Zuvor hatten ein Drittel der Mitglieder des wissenschaftlichen Beraterkreises unter Protest ihren Rücktritt erklärt, darunter Historiker aus Polen und aus der Tschechischen Republik. Einem im Beraterkreis verbliebenen Historiker zufolge hätten Polen und die Tschechoslowakei die NS-Verbrechen nur als Anlass genutzt, um schon lange verfolgte Vertreibungspläne zur Schaffung “ethnisch homogener” Nationalstaaten zu realisieren. Dem Stiftungsdirektor Manfred Kittel wird vorgeworfen, eine aus Steuermitteln finanzierte Studie betreut zu haben, die schwerster Verbrechen schuldige NS-Täter in Schutz nimmt. Eine Umstrukturierung scheint unumgänglich, um das arg ramponierte Ansehen der Stiftung aufzupolieren, meint German foreign policy.

Siehe auch: 100.000 Euro für umstrittene BdV-Studie, Experten verlassen “Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung”