„Sturmvogel“: Regierung verweist auf 15 Jahre alte Antwort

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Die Bundesregierung verweist auf eine Antwort, für die man tief ins Archiv eintauchen muss.

Für eine rechtsextremistische Ausrichtung der Gruppierung ”Sturmvogel – Deutscher Jugendbund“ liegen laut Bundesregierung auch nach aktueller Bewertung keine Anhaltspunkte vor. In ihrer Antwort (17/1002) auf eine Kleine Anfrage der SPD-Fraktion (17/830) verweist die Bundesregierung zugleich auf ihre frühere Antwort (13/1461) vom Mai 1995 (!). Danach wies eine Gruppierung ”Sturmvogel – Deutscher Jugendbund“ Ende der 1980er Jahre Anhaltspunkte für rechtsextremistische Bestrebungen auf. Sie habe als Jugendorganisation des ”Arbeitskreises Junge Familie“ gegolten. Beide Gruppierungen seien Abspaltungen der inzwischen verbotenen ”Wiking-Jugend e.V.“ gewesen, hieß es in der damaligen Regierungsantwort. Weiter schrieb die Regierung 1995, dass seit etwa 1990 keine Erkenntnisse über weitere Aktivitäten vorlägen.

Schon die Antwort der Bundesregierung aus dem Jahr 1995 kann allerdings als dürftig bezeichnet werden. So beantwortete die damalige Koalition mehrere Fragen mit „dazu liegen keine Erkenntnisse vor“. Dies betraf unter anderem die Mitgliederzahl, die inhaltlich Ausrichtung sowie Aufnahmekriterien und Mindestalter für die Mitglieder.

Zudem verwies die Bundesregierung im Jahr 1995 auf die Antwort auf Frage 19 in der Bundesdrucksache 12/1636 aus dem Jahr 1994. Dabei ging es allerdings um den „Bund heimattreuer Jugend“, den die Bundesregierung nach damaligen Angaben nicht mehr als rechtsextremistisch einstufte.

Außerdem wird in der aktuellen „Antwort“ auf die SPD-Anfrage noch auf die Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs Dr. Ole Schröder vom 18. Januar 2010 verwiesen, er hatte auf eine Anfrage von Monika Lazar von den Grünen reagiert. Der hatte im Bundestag betont,  die Bundesregierung werde an den Bewertungen aus den Bundesdrucksachen von 1994 und 1995 festhalten – obwohl man seit 1990 – also seit geschlagenen 20 Jahren – überhaupt keine Erkenntnisse hat und Fragen kaum beantworten kann.

Der “Sturmvogel” gilt bei einigen Experten allerdings als mögliche Nachfolgeorganisation von Wiking-Jugend und HDJ, die beide verboten wurden. Die taz schrieb dazu:

Wollen sie laut Gründungsflugblatt doch mit ihrer Jugendarbeit ein “Vorleben” vermitteln, das gegen den “Ungeist” steht, “der unser Volk derzeit jeden Atemzug verpestet”. Zum “Neujahrsfest” ist der “Sturmvogel” in der Freizeitstätte vom 27. Dezember bis 1. Januar 2010 zusammengekommen. Etwa vierzig Personen, Betreuer, Kinder, aber auch Kleinkinder, nehmen an dem Lager teil, bei dem vermeintlich völkische Traditionen und heidnische Bräuche ausgelebt werden. “Die Bedeutung von solchen Gruppen und ihren Schulungen darf nicht unterschätzt werden”, betont Gideon Botsch, vom “Moses Mendelssohn Zentrum”.

Ihre antidemokratischen Erziehungsideale wirken nachhaltig. “Viele Kader der NPD wurden in Gruppen, wie der ,Wiking-Jugend’ (WJ) politisiert und sozialisiert”, hebt Botsch hervor. Der NPD-Fraktionschef Udo Pastörs aus Mecklenburg-Vorpommern, aber auch der NPD-Bundesordnerchef Manfred Börm kommen aus der WJ, die wie der “Sturmvogel” sich um die rechte Gesinnung bei Kindern und Jugendlichen bemühte. Edda Schmidt, die nachweislich beim “Sturmvogel” agierte, ist heute Vorsitzende der NPD-Frauenorganisation “Ring Nationaler Frauen”. Auch der “Sturmvogel”, sagt Botsch, liefere eine “umfassende Schulung, die eine ideologische Festigung nach sich zieht”.

Der “Sturmvogel” selbst hat seine Wurzel in der WJ. “Er ist eine radikale Abspaltung”, betont Botsch, der zur bündischen Jugend forscht. 1987 entstand sie aus einem internen Streit. Der ehemalige WJ-Bundesfahrtenführer Rudi Wittig wurde erster Bundesführer des “Sturmvogel”. Nur wenige Jahre später verbot das Bundesinnenministerium die WJ – der “Sturmvogel” blieb davon unberührt. In einem der Gründungsflugblätter stellten sie ihre Intention allerdings eindeutig dar: Sie seien “volkstreu eingestellte Deutsche”. In einem ihrer Jahreskalender 2006 offenbaren sie, wo die Grenzen Deutschlands verlaufen: “Auf unseren Wanderungen lernen wir Deutschland kennen”, von “Schleswig-Holstein bis nach Tirol, von Elsass bis ins Memelland”.

Siehe auch: Braune Kulturwelt

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