Rechtsextremer Soundtrack in Thüringen

Die Mobile Beratung in Thüringen (MOBIT) hat im vergangenen Jahr 27 Rechtsrockkonzerte in Thüringen gezählt, weitere fünf Konzerte wurden im Vorfeld verhindert. Damit fand 2009 an jedem zweiten Wochenende ein Konzert mit rechtsextremem Hintergrund in Thüringen statt. In einer Mitteilung von MOBIT heißt es, im Vorjahresvergleich sei damit zwar die Zahl der durchgeführten Konzerte gleich geblieben. Die Neonazi-Szene habe sich aber stärker auch für Kleidungs- und Musikstile geöffnet, die nicht rechtsextrem geprägten Subkulturen entstammen.

Von Kai Budler für NPD-BLOG.INFO

Ein regionaler Schwerpunkt ist nach Angaben von MOBIT die Ortschaft Kirchheim im Ilmkreis: dort stelle ein Wirt seine Räumlichkeiten immer wieder für Auftritte einschlägig bekannter Rechtsrockband zur Verfügung. Auch das NPD-Fest „Rock für Deutschland“ habe Thüringen als Rechtsrock-Region geprägt: mit rund 4.000 Besuchern war es das drittgrößte rechtsextreme Open air in der Geschichte der Bundesrepublik.

Landesregierung zählt nur zehn Konzerte

Martina Renner von der Thüringer Landtagsfraktion der Partei „Die Linke“ sprach von einem alarmierenden Signal für eine bestehende feste rechte Erlebniskultur. „Von rechtsextremen Konzertveranstaltungen geht die Gefahr der Verfestigung rechter Ideologie aus“, sagte Renner und warnte vor dem Erlebnischarakter als „Einfallstor menschenverachtender Ideologie“. Mit einem Blick auf die Landesstatistik sei es der Rechtsrock-Szene offenbar erfolgreich gelungen, sich der staatlichen Kontrolle zu entziehen. In ihrer Antwort auf eine kleine Anfrage waren der Landesregierung lediglich zehn Konzerte im vergangenen Jahr bekannt. Es sei deshalb eher fraglich, ob der Erlass zur polizeilichen Behandlung von Skinhead-Konzerten konsequent umgesetzt werde. Renner befürchtet, dass sich die Reihe von Konzerten auch im laufenden Jahr fortsetzt: nach ihren Angaben fanden sechs Konzerte statt oder wurden verhindert.

Das Pressefest der Deutschen Stimme im Jahr 2006 (Foto: Kai Budler)
Das Pressefest der Deutschen Stimme im Jahr 2006 (Foto: Kai Budler)

Thüringentag und Pressefest der Deutschen Stimme

Eine begründete Befürchtung, denn bereits jetzt ist für den 12. Juni in Ilmenau der sog. „Thüringentag der nationalen Jugend“ angekündigt, die achte Veranstaltung mit Festival Charakter dieser Art. Im vergangenen Jahr besuchten mehrere Hundert Neonazis den „Thüringentag“ in Arnstadt. Ein weiteres Großereignis soll acht Wochen später in Sachsen stattfinden: dort wollen die Macher der NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“ am 7. August ihr diesjähriges „Pressefest“ durchführen. Damit hat sich auch die Vermutung bestätigt, dass die Veranstalter des sog. „Trauermarschs“ im niedersächsischen Bad Nenndorf ihren Aufmarsch auf den 14. August verschoben haben, um nicht mit dem Pressefest zu kollidieren. Die Veranstaltung der Deutschen Stimme hat sich seit ihrer Prmiere im Jahr 2001 zu einem der größten Treffen der rechtsextremen Szene entwickelt, bei dem neben den NPD-Funktionären und teils aus dem Ausland stammenden Rednern auch zahlreiche Rechtsrockbands und rechtsextreme Liedermacher auftreten.

Siehe auch: Europaweite Verflechtungen des Rechtsrock-Geschäfts

7 thoughts on “Rechtsextremer Soundtrack in Thüringen

  1. Schade, dass nicht die zuständigen Stellen (inkl. der Landtag) über diese „Zustände“ in Kenntnis waren …
    Vielleicht hätte man im Vorfeld mal „checken“ können, was so abläuft, wenn die braunen „Musikanten“ aufspielen. – Leider wußte wieder einmal Niemand Bescheid. *lol* 😉

  2. Dem stimme ich zu, @Demokrat. – Aber es hätte nicht allzu großer Kräfte benötigt, um ein „Nein!“ (bzgl. der Konzerte) hervorzubringen …

    Aber es konnte ja offensichtlich kein „Nein!“ erfolgen, da keine Hinweise vorlagen, WAS seitens der auftretenden Gruppen postuliert wurde und wird … verstehst? :)

    Es gibt Behörden (oder Teile von Behörden), denen selbst die intellektuelle Basis fehlt, um beurteilen zu können, WIE Gewalt entsteht und welcher Mechanismen sich bedient wird, um Gewalt zu produzieren. – Wenn man selbst in Berlin noch Fragen zur Entstehung der Gewalt stellt, und dies angesichts einer bekannten NS-Propaganda und rückblickend auf einen Herrn Goebbels, dann geht es sicherlich in Thüringen noch „Hinterwäldlerisch“ zu…

    http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0324/politik/0054/index.html

    (…)

    „Es ging etwa um die Frage, wann Gruppen von Menschen an einen Punkt gelangen, wo sie Gewalt anwenden, und welche Mechanismen und Faktoren dabei wirken.“ (…)

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