St. Pauli: „Rechtsradikale Rostocker“ sorgen für Ärger

Vor dem Zweitligaspiel FC St. Pauli gegen Hansa Rostock am 28. März 2010 hat St. -Pauli-Präsident Littmann für Aufregung gesorgt. An der Ostsee schlagen die Wellen hoch, da Littmann ein angebliches Zitat eines Hansa-Funktionärs herausgehauen hat. Nach Angaben des Hamburger Abendblatts sagte Littmann: „Wenn uns Verantwortliche von Hansa Rostock achselzuckend sagen, dass ein Drittel ihrer Fans rechtsradikal sind, dann frage ich mich, weshalb man die noch ins Stadion lässt.“ Die Hansa-Funktionäre weisen diese Aussage allerdings brüsk zurück: „Der F.C. Hansa prüft rechtliche Schritte, wie er gegen diese populistische, polemische und beleidigende Aussage vorgehen kann.“, heißt es  in „Bemerkungen“ des FC Hansa zu den Littmann-Aussagen.

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Hansa-Fans vor dem Spiel FC St. Pauli - Hansa Rostock in der Saison 2008/2009. (Screenshot Youtube)

Schon bemerkenswert, wie schnell und deutlich man bei Hansa reagieren kann, wenn man sich angegriffen fühlt. Interessant wird es, wie Littmann sich weiter in dieser Sache verhält. Möglicherweise benennt er den angeblichen Funktionär, der diese Aussage getätigt haben soll. Dann müsste Hansa gegen einen eigenen Mitarbeiter rechtliche Schritte prüfen…

Nachtrag 22. März, 18:25 Uhr: FC St. Pauli-Präsident Corny Littmann hat mittlerweile bekräftigt, dass die Aussage “ein Drittel der Hansa-Fans ist rechtsradikal” von einem Verantwortlichen von Hansa Rostock stammt. Auf Anfrage erklärte St. Pauli-Pressesprecher Christian Bönig, Littmann habe dies bestätigt und der Verein werde in Kürze dazu eine Erklärung veröffentlichen.

DFL will nicht zum Feindbild gemacht werden

Aber auch die DFL ist böse auf Littmann. Denn der hatte sich über die Ansetzung des Hinspiels auf einen Montagabend beklagt. Er habe keine Antwort vom DFL bezüglich einer Verlegung erhalten, so Littmann laut Abendblatt. Doch nun polterte DFL-Geschäftsführer Holger Hieronymus ebenfalls im Abendblatt, dies sei eine „Unverschämtheit. Wir haben von St. Pauli gar keine Anfrage erhalten, sondern alle Aussagen den Medien entnommen.“

Außerdem hatte Littmann die Entscheidung, lediglich 500 personalisierte Tickets nach Rostock zu vergeben, als fanfreundlichen Kompromiss bezeichnet. Dazu Hieronymus: „Herr Littmann wollte erreichen, dass die DFL ihn anweist, keine Tickets an Rostock-Fans abzugeben; wir haben ihm aber klar gemacht, dass er die 500 Sitzplätze bereitstellen muss. Bei der Verteilung von Stehplätzen könne er dagegen von seinem Hausrecht Gebrauch machen. Wir halten für eine Null-Ticket-Entscheidung nicht den Kopf hin und machen uns zum Feindbild sämtlicher Fußballfans.“

Kritik aus der Fanszene

Tatsächlich sorgt dieser Eingriff in die Fanrechte für viel Ärger. So erklärte der ständige Fanausschuss des FC St. Pauli, man habe „fanseitig eindringlich auf die Türöffnerfunktion für künftiges restriktives Vorgehen bei der Kartenvergabe für Auswärtsspiele hingewiesen“. Daraufhin sei ein Kompromiss gefunden worden, welcher einen Dialog mit Vertretern von Hansa Rostock mit dem Ziel eines friedlichen Spieles bei gleichzeitiger Abkehr von einer Reduzierung des Gästekontingentes vorgesehen habe. Dieses Gespräch fand am 9. März unter Beteiligung der Vereinsführungen, Fanprojekte sowie von Vertretern der Fans beider Vereine statt. Ergebnis des Gesprächs war ein von allen Beteiligten getragener Kompromiss, welcher neben konkreten Regelungen zur An- und Abreise u.a. ein Gästekontingent von 1400 Karten vorsah. Explizit angekündigt wurde laut Fanausschuss vom Präsidium des FC St. Pauli, mit juristischen Mitteln gegen einen drohenden Ausschluss der Gästefans vorzugehen. Weiter schreibt das Gremium:

Mit großer Verwunderung mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass das Präsidium des FC St. Pauli von dieser gemeinsam getroffenen Entscheidung abgerückt ist. Es ist nicht hinnehmbar, dass auf Druck der Hamburger Polizei von der mit der eigenen Fanszene und Vertretern des FC Hansa Rostock gemeinsam getroffenen Vereinbarung abgewichen wird. Geradezu skandalös ist es, eine solche Regelung noch als „weitestgehend mögliche Wahrung von Fanrechten“ zu bezeichnen.

Vorreiter für restriktive Maßnahmen

Der FC St. Pauli, bzw. dessen Fanszene, war Vorreiter für zahlreiche Verbesserungen in deutschen Fußballstadien, besonders was Antirassismus aber auch Fan-Rechte angeht. Derzeit könnte der Verein aber eine höchst unrühmliche „Vorbild“-Funktion einnehmen. Daher fordert der St. Pauli-Fanausschuss das Präsidium des FC St. Pauli auf, „unverzüglich zur gemeinsam beschlossenen Linie zurückzukehren und alle erforderlichen Rechtsmittel gegen die polizeiliche Verfügung“ einzulegen. „Andernfalls werden wir auf verschiedenen Wegen deutlich machen, dass wir diese massive Einschränkung elementarer Fanrechte nicht unwidersprochen hinnehmen.“


In St. Pauli-Fan-Kreisen wird derweil über ein Boykott des Spiels diskutiert. Aus Hansa-Fankreisen ist zu vernehmen, dass trotz des geringen Kontingents angeblich weit mehr als Tausend Anhänger nach Hamburg anreisen wollen.

Anordnung oder Bitte?

Wie der rechtliche Hintergrund der Geschichte derweil aussieht, ist bislang vollkommen unklar. Auf Sportswire sagte der Münchner Rechtsanwalt Thomas Stadler dazu, die Frage sei „zunächst, ob die Polizei- oder Sicherheitsbehörden das verbindlich angeordnet haben – also förmlich durch Verwaltungsakt – oder ob es sich nur um einen “Ratschlag” an den Verein gehandelt hat“. Wenn es eine förmliche Anordnung gewesen wäre, hätte der Verein sich vor dem Verwaltungsgericht dagegen wehren müssen, so Stadler. Solange es nur eine “Bitte” der Polizei gewesen war, „war das für St. Pauli auch nicht verbindlich“.

Siehe auch: Fußball, identitärer Lokalpatriotismus und Gewaltfetisch, Heimatschutz in Mecklenburg-Vorpommern, Hansa Rostock vs FC St. Pauli: “Volksgemeinschaftliche Abwehrreaktion” (Update)

9 thoughts on “St. Pauli: „Rechtsradikale Rostocker“ sorgen für Ärger

  1. Dieser Artikel ist nicht von letztem Jahr, auch nicht von vorletztem Jahr und auch nicht von dem davor.

    http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,488802,00.html

    Gedächtnisverlust galore?

    Der Zeitpunkt seiner Äußerung war sicher alles andere als diplomatisch günstig und daß keiner der zitierten Hansa-Verantwortlichen das zugeben würde, dürfte angesichts der jüngsten Stürmungsversuche der Hansa-Örtlichkeiten niemanden wundern, das käme einem Selbstmordversuch gleich.

    Schön, für den DFB, dass er einen Ersatzsündenbock gefunden hat, mit dem er seine Handlungsunfähigkeit der Vergangenheit kaschieren kann.

    Ich sehe das nicht als Einschränkung elementarer Fanrechte, sondern als Einschränkung von Fanrechten, die von diesen Fans respektive dem geduldeten Umfeld seit Jahren mit den Füßen getreten werden.

  2. St. Pauli soll sich doch erstmal an die eigene Nase fassen. Man pflegt eine Fanfreundschaft mit dem ultrakatholischen irisch-nationalistischen
    Celtic-Papisten aus Glasgow.
    Die IRA war real im Ersten und Zweiten Weltkrieg mit Deutschland verbündet. Deshalb geht der Deutsche ja auch so gerne in den Irish Pub
    und singt IRA-Lieder gegen die bösen Engländer.
    Und bei St. Pauli auch: Bloody Sunday-IRA-Version
    Provo-Lieder….
    Nazi-Lieder !!!!!!!!!

  3. „Ich sehe das nicht als Einschränkung elementarer Fanrechte, sondern als Einschränkung von Fanrechten, die von diesen Fans respektive dem geduldeten Umfeld seit Jahren mit den Füßen getreten werden.“

    Stimmt Anonymus. Schließich waren es beim letzten Spiel auf St.Pauli die Rostocker, die sich nach Spielende stundenlang Straßenschlachten mit der Polizei lieferten!
    Bleib so objektiv und gib wenigstens zu, dass beide Fangruppen ihren Beitrag geleistet haben. Wieder alles an den Rostockern festzumachen, ist zwar die einfachste Lösung. Aber eben auch die Dümmste!

    „Der Zeitpunkt seiner Äußerung war sicher alles andere als diplomatisch günstig und daß keiner der zitierten Hansa-Verantwortlichen das zugeben würde, dürfte angesichts der jüngsten Stürmungsversuche der Hansa-Örtlichkeiten niemanden wundern, das käme einem Selbstmordversuch gleich.“

    Rostocks Fanszene immer noch nachzusagen, dass sie einen großen Anteil Rechtsradikaler mit trägt, so wie nun von Corny L. wieder mal getan, ist einfach nur unreflektierte Hetze! Wer Ahnung hat und mal nen Blick riskiert, wird sehen, dass dies Altbacken ist und nur zur Aufrechterhaltung eines Feindbildes dient! In Rostocker Fankreisen haben sich mittlerweile viele bunte „Vögel“ untergemischt, aller Hautfarben und Etnien!

    Mal ganz davon abgesehen, ist das Klientel, was sich rund um den letzten Auftritt der Rostocker in den Pauli Fankreisen rumgetrieben hat, keineswegs besser anzusehen, als die Schwachmaten, die letzte Saison in Rostock ihre Dummheit neben dem Gästeblock preisgegeben haben!

    „Schön, für den DFB, dass er einen Ersatzsündenbock gefunden hat, mit dem er seine Handlungsunfähigkeit der Vergangenheit kaschieren kann. “

    Er ist nicht der Sündenbock! Er ist tatsächlich der Idiot, der ALLEN Fanszenen in Deutschland mit seinen absurden Forderungen und dummen Aussagen einen Bärendienst erwiesen hat.
    Natürlich kann man Littmann mit aller Konsequenz in Schutz nehmen. Oder man erkennt ganz einfach an, dass er ein Lügner ist, der nur versucht sein ins wanken geratene Bild vor der Fanszene St.Pauli zu bewahren und seinen persönichen Kleinkrieg mit dem Verein F.C. Hansa Rostock und deren Fans auträgt.

    Beste Grüße

  4. Es hat nie jemand bestritten -ich jedenfalls nicht- dass das Verhalten einiger St. Pauli-Anhänger beim letzten Gästeauftritt in Rostock ebenfalls inakzeptabel war, ebenso ist die Straßenschlacht mit der Hamburger Polizei letztes Mal nicht mit Rostocker Beteiligung gelaufen. Ihr hattet dafür Eure eigene mit Eurer Polizei…

    Ich habe nur eine Frage an Dich: hast Du den verlinkten Artikel überhaupt gelesen? Da geht es nicht nur um die letzten zwei Spiele und nicht nur um Hansa und St. Pauli, aber da wird ja gern gepflegt drüber weg gelesen.

    Das nehme ich übrigens den St. Pauli-Chaoten extrem übel, dass insbesondere durch den letzten Auftritt in Rostock die Argumente, die auch von Dir benutzt werden, um den Eigenanteil zu verniedlichen, frei Hause geliefert wurden.

    Ihr habt es trotz Fanprojekt nicht geschafft, Eure Gewaltbereiten n den Griff zu kriegen, es ist so krass, dass Eure eigenen Leute hinter Glasscheiben stehen, durch die der Mob durchbrechen möchte und ihnen dabei der A**** auf Grundeis geht. Sind das die friedlichen Hansa-Fans, von denen Du hier überzeugen willst?

    Ich verabscheue die Randalierer auf beiden Seiten, aber alles andere an „Maßnahmen“ blieb bisher wirkunglos, da hätten die, die jetzt auf Fanrechte pochen, sich auch vorher um ihre Pflichten kümmern sollen.

  5. Geb Karotte zu 100 % recht.

    Aber jetz mal eine ganz andere Frage…was soll dieser Beitrag im NPD.Blog??? sorry aber das muss mir einer erklären.

    Zu Anonymus: Hast natürlich in teilen recht aber bitte was haben diese einschränkungen der Fans mit den Geschehnissen außerhalb des Stadions zu tun? Es ist doch den etwas informierten Leuten bewusst, das dieses Spiel von verdammt vielen einfach als Plattform benutz wird, um seine politischen interessen nachzugehen. Die kümmern sich alle einen scheiß um Hansa oder St.Pauli. Schaal um und das reicht denen dann. Seh nicht ein warum andere durch solche eingeschränkt werden sollen.

    Und die Geschehnisse beim Ahlenspiel mit denen bei St. Pauli zu vergleichen ist völliger Schwachsinn! Da sind emotionen so hochgekocht und „Übergelaufen-jedoch nur aus LIEBE UND AUNGST um SEINEM VEREIN“ das da schnell mal im affekt und ohne zu überlegen 5 min bischen aggressiv aufgetreten wurde. ( Keine sach oder personen-schäden !!)

    Guten Tag!

  6. Fußballfans können also ihre Emotionen nicht kontrollieren? Ich dachte immer genau das wäre der Unterschied zwischen Mensch und Tier… aber passt ja auch eigentlich ins Bild, wenn ich immer die vollgepissten und vollgekotzten Sonderzüge sehe… Aber das gehört in einen anderen Blog!

  7. Auch ich kann Karotte nur zustimmen! Ich möchte zudem den letzten Satz von Demokrat aufgreifen: „Aber das gehört in einen anderen Blog!“
    Damit man mich richtig versteht, ich lese diesen Blog seid langem, immer mit großem Interesse und werde dies auch weiter tun, aber es enttäuscht mich sehr, dass hier mittlerweile ein Fußballverein mit dem Begriff „Heimatschutz in Mecklenburg-Vorpommern“ betaggt wird. Was genau bezweckt der Autor eigentlich mit diesen Artikeln? Klicks absahnen? Hat er doch eigentlich gar nicht nötig. Oder ist es tatsächlich nur der Fakt, dass der Autor St. Pauli Fan ist?
    Jetzt mag der Autor sich einer gewissen Informationspflicht ausgesetzt wähnen (warum auch immer), aber dann frage ich mich, was das hier soll: „Schon bemerkenswert, wie schnell und deutlich man bei Hansa reagieren kann, wenn man sich angegriffen fühlt.“ Ist das noch objektiv?
    Bei den Suchbegriffen Hansa und NPD liegt dieser Blog ganz weit vorne bei google. Ich gratuliere dazu. Für jeden Hansa-Fan, der regelmäßig und auch gegen Ahlen oder so ins Ostseestadion geht, ist das jedoch ein Schlag ins Gesicht.
    Vielleicht fragt man sich mal, ob es nicht auch sein kann, dass der FC St. Pauli gerade ein entsprechendes Klientel anzieht. Dies ist kein Angriff, lediglich eine differenzierte Sichtweise. Denn diese Nazis, die Herr Littmann meinen mag, habe ich am letzten Freitag bspw im Ostseestadion nicht gesehen und schon gar nicht in der Menge. Es ist unerhört, dass immer wieder mit dem Finger nur auf einen Verein gezeigt wird. Was bitte unterscheidet den FC Hansa hinsichtlich seiner Fan-Heterogenität von Vereinen wie dem BVB, FC Köln oder Kaiserslautern etcpp? Klar hängt in Köln eine riesiges Banner „FC-Fans gegen Rassismus“, aber wie weit her ist es damit und wem ist damit geholfen, wenn im Block trotzdem etliche Thor Steinar Klamotten getragen werden? Antifaschismus, Antirassismus und Antisexismus gehören nach meiner Auffassung in jeden Sportverein. Aber kein Sportverein sollte sich über den anderen erheben und über den anderen urteilen. Dieses Gebaren ist gelinde gesagt zum Kotzen.
    Das gilt für Offizielle genauso, wie für Fans, die durch ein ansonsten ausgezeichnetes Projekt wie das vorliegende eine äußerst hohe Reichweite haben.

    Machen sie also bitte hinsichtlich ihrer aufklärerischen Arbeit weiter, versuchen aber bitte beim Thema Hansa-St.Pauli eine differenzierte Sichtweise oder, wenn das nicht geht, entsprechende Maßnahmen.

    Der Antifaschismus ist in Rostock sehr lebendig und das mitunter auch im Ostseestadion!

    MfG,

    ein Rostocker.

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