Brandis: Drei Jahre Haft für NPD-Kandidaten

Der Brandiser Christian K. ist einem Bericht der Leipziger Volkszeitung zufolge vom Amtsgericht Leipzig wegen vierfacher Körperverletzung, einfacher versuchter Körperverletzung sowie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren ohne Bewährung verurteilt. Das Gericht sah es demnach als erwiesen an, dass der Angeklagte am 24. Oktober 2009 in Brandis während eines Fußball-Bezirksklassespiels aktiv am Überfall Rechtsradikaler auf Anhänger von Roter Stern Leipzig beteiligt war. Zudem gehörte K. am 23. August 2009 zu einer Gruppe Lok-Fans, die nach dem Ortsderby über Zuschauer des FC Sachsen herfiel. Dabei griff K. demnach einen Polizisten tätlich an.

Vorstrafen und NPD-Kandidatur als Bierwette

K. ist dem Bericht zufolge bereits sechsfach vorbestraft. Er kandidierte im Juni 2009 als Nichtmitglied für die NPD bei den Wahlen zum Brandiser Stadtrat. Dies sei aufgrund einer Bierwette in der Kneipe geschehen, erklärte er laut LVZ vor Gericht. In der Kleinstadt sei er „als Mann mit rechtsradikaler Gesinnung und als gelegentlicher Zuschauer auf dem Sportplatz bekannt“.

Geplanter Angriff

Beim Auswärtsspiel des Roten Stern Leipzig (RSL) am 24. Oktober 2009 beim FSV Brandis war es zu einem gewalttätigen Angriff von ca. 50 Personen gegenüber den Spielern, Verantwortlichen und Fans des RSL gekommen. Die Angreifer waren nach Augenzeugenberichten dem neonazistischen Spektrum zuzuordnen. Der RSL betonte in einer Stellungnahme zu den Vorfällen, auf Nachfrage hätten Verantwortliche des FSV Brandis und eingesetzte Polizisten geschildert, dass sie bereits im Vorfeld Erkenntnisse hatten, dass Nazis zum Spiel anreisen wollten. Dennoch konnten die Vereinsordner und die wenigen anwesenden Polizisten nicht die Sicherheit gewährleisten. Im Vorfeld der Partie stattgefundene Gespräche zwischen dem FSV Brandis und der Polizei führten nicht zu einer Aufstockung der Einsatzkräfte.

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Riots beim Spiel Brandis vs RSL (Screenshot Spiegel TV)

Kurz vor Spielbeginn wurden Fans des RSL durch Lautsprecherdurchsagen gebeten, eine Seite des Sportplatzes zu räumen, weil “die Dummen noch kommen”. Auffällig sei in diesem Zusammenhang gewesen, dass ein Brandiser Ordner der angreifenden Personengruppe einen separaten Eingang öffnete, sich daraufhin vermummte und an den Auseinandersetzungen auf Seiten der Nazis teilnahm, so der RSL. Dass Ordner bei Fußballspielen selbst gewaltbereite Rechtsextremisten sind, ist beileibe kein neues Phänomen, aber immer wieder bemerkenswert.

Nach dem unkontrollierten Betreten des Sportplatzes bewaffneten sich die Angreifenden laut RSL mit Eisenstangen, Steinen und Holzlatten, die auf dem Sportplatz deponiert waren. Dieser Umstand lasse auf einen geplanten Angriff schließen. Für eine vorzeitige Planung der Aktion spreche zusätzlich die Teilnahme von einschlägig bekannten Neonazi-Aktivisten. Die politische Motivation des Angriffes sei durch die Rufe der Angreifer „Scheiß Zecken“ und „Scheiß Rote“ belegt.

Mit Anpfiff des Spiels warfen die zum Teil vermummten Personen pyrotechnische Erzeugnisse, Steine und zusätzlich eine Flasche, die mutmaßlich mit einer brennbaren Flüssigkeit gefüllt war, in die Reihen der RSL-Fans, heißt es weiter. Daraufhin sei es zu Jagdszenen gekommen, sofort wurden wahllos die Fans des Roten Sterns mit den bereitgestellten Gegenständen angegriffen. Die Fans wichen zurück, wurden aber in die Enge gedrängt. Im Zuge der Angriffe wurden drei Personen schwer, und weitere Personen verletzt. Durch den Neonazi-Angriff wurde die Partie nach zwei Minuten abgebrochen. Unter anderem wurde der Torwart des RSL schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht. RSL-Sprecherin Claudia Krobitzsch zufolge sind rechte Provokationen mit Hitlergruß etc. und Angriffe bei Auswärtsspielen keine Seltenheit, “in solchen Dimensionen wie diesmal gab es das aber noch überhaupt nicht”.

Siehe auch: Roter Stern Leipzig soll nochmal in Brandis antreten

7 thoughts on “Brandis: Drei Jahre Haft für NPD-Kandidaten

  1. „Sitz du Sau; Du Drecksau; Weil du ein Arschloch bist!“

    Sorry für die Ausdrucksweise, aber es schien mir passend 😉

  2. Es lebe der Rechtsstaat!
    Ob gegen Gewalttäter von links oder rechts.

    Verbrecher gehören ins Gefängnis!

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