„Katholischer Fundamentalismus mit einer militant rechten Gesinnung“

Die Linksfraktion in Sachsen hat der CDU erneut eine fehlende Abgrenzung nach Rechts vorgeworfen. Die Abgeordnete Kerstin Köditz erklärte, die Aufregung um das Interview des CDU-Fraktionspressesprecher Reelfs in der rechtsextremen „National-Zeitung“ des ehemaligen DVU-Vorsitzenden Gerhard Frey habe sich noch nicht gelegt, der Streit um die Einladung des örtlichen NPD-Stadtrats zur Mitarbeit im „Bündnis gegen Extremismus“ durch den CDU-Landtagsabgeordneten Hippold halte noch immer an, da demonstriere die sächsische CDU „schon wieder, dass sie sich nach rechts immer weiter öffnet“.

Konkret bezieht sich Köditz auf eine Sachverständigenanhörung vor dem Sozialausschuss des Landtages am 15. März 2010. Diesmal ging es demnach im Ausschuss um einen Antrag der Linksfraktion. Diese fordert die Förderung eines Kompetenzzentrums für Gender Mainstreaming. Ein solches Zentrum sei bereits vom Sächsischen Sozialministerium im Jahr 2003 angeregt worden, sei aber bis heute noch nicht in Angriff genommen worden, kritisiert die Linksfraktion. Der Landesfrauenrat Sachsen teile diese Forderung. Ziel sei es, den Gesetzesauftrag zur Gleichstellung von Frau und Mann endlich in Sachsen qualifizierter zu erfüllen.

Zu den von der CDU zu der Anhörung eingeladenen Sachverständigen gehört nach Angaben der Linksfraktion die Publizistin Gabriele Kuby, die zum Katholizismus konvertiert sei und sich im Umfeld der Fatima-Aktion e.V. bewege, die so genannte „wundertätige Medaillen“ verteile. Bei Kuby verbinde sich ein „katholischer Fundamentalismus mit einer militant rechten Gesinnung“, sagte Köditz. Dass Kuby vehement gegen die beliebte Kinderbuchserie „Harry Potter“ polemisiere, könne man noch mit einem Stirnrunzeln und einem sarkastischen Lächeln hinnehmen. Im Gender Mainstreaming sehe sie den Versuch, „die Geschlechtsidentität von Mann und Frau aufzulösen“ und „die Familie zu zerstören“. Ziel ist laut Kuby ein „sexueller Totalitarismus“, der bereits im Kindergarten ansetzt.

So schrieb Kuby nach Angaben der Linksfraktion in Sachsen im Juli 2009 in einem Kommentar in der extrem rechten Wochenzeitung „Junge Freiheit“ und griff damit in deren Kampagne gegen Gender Mainstreaming ein, das angeblich die Männer entmännliche und die Frauen entfrauliche. „Fast identisch argumentiert übrigens die NPD“, so Köditz.

Weiter heißt es, dies sei nicht der erste Beitrag von Kuby in diesem rechtsaußen angesiedelten Wochenblatt gewesen. Auch als Interviewpartnerin stand sie der „Jungen Freiheit“ schon zur Verfügung. Beim „Berliner Kolleg“ des „Instituts für Staatspolitik“, einer Art Denkfabrik der „Neuen“ Rechten, kritisierte sie den Angaben zufolge, der Nachwuchs werde „in Kindergarten und Vorschule einer perfiden Frühsexualisierung“ unterzogen. Letztlich, so sagt sie im Interview mit der „Jungen Freiheit“, sei Gender Mainstreaming der letzte Schritt vor der Straflosigkeit der Pädophilie.

Köditz warf Kuby zudem Schwulenfeindlichkeit vor: „Wer dann die Homepage der Autorin aufsucht, wird weitere erstaunliche Erkenntnisse finden. Nach der bisherigen Schilderung versteht es sich von selbst, dass Frau Kuby extrem homophob – oder auf gut deutsch: schwulenfeindlich – eingestellt ist. Frau Kuby weitet ihren Angriff jedoch auf alle aus, die Homosexualität nicht als widernatürlich ansehen. Der US-amerikanische Präsident Barak Obama wird bei ihr zum „Homo-Aktivisten“. Der simple Grund: Er hatte sich im vergangenen Juni in einer Rede für gleiche Rechte für alle ausgesprochen und versprochen, die Homosexuellen „vor Drangsalierung zu schützen“, damit sie „ihre Leben mit Würde und Respekt leben zu können“. Eine Aussage, die überfällig ist und die übrigens auch der deutschen Gesetzeslage entspricht.“ Zudem habe Kuby die ehemalige CDU-Familienministerin Ursula von der Leyen als „Radikalfeministin“ einsortiert.

Köditz betonte abschließend, das Gender Mainstreaming, das Gabriely Kuby so vehement bekämpfe, sei seit 1999 entsprechend den Vorgaben der EU „Leitprinzip und Querschnittsaufgabe“ der deutschen Politik.

NPD zitiert Kuby

Auch die NPD greift übrigens Kubys Thesen auf. So berief sich Stefan Köster, Landesvorsitzender des NPD-Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern, am 7. März 2007 in seiner Rede vor dem Landtag auf Kubys Artikel „Auf dem Weg zum neuen Menschen“ in der Jungen Freiheit aus dem Jahr 2007. Er zitierte sie Kronzeugin der NPD-Kritik an Programmen des Gender Mainstreaming.

 

In dem Buch Angriff von Rechts heißt es zu diesem Thema:

Während der Ring Nationaler Frauen in den Monaten nach seiner Gründung zunächst noch für etwas Aufsehen gesorgt hatte, wurden die Frauen zuletzt zunehmend ruhiger – und folgen der Linie, die unter anderem der NPD-Fraktionschef im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern, Udo Pastörs, vorgibt:

Verbiegen wir Männer und Frauen – sie nennen es Emanzipation – töten wir aber in den Frauen ein Stück ihrer Weiblichkeit und blockieren bei den Männern die Entfaltung ihrer Männlichkeit.

Angesichts dieses glasklaren und doch so verstaubten Frauenbilds in der rechtsextremen Bewegung fällt es den Frauen schwer, die rückwärtsgewandten Ideen als postfeministisch zu verkaufen. Vor allem, da der Markt mit ähnlichen Parolen schon übersättigt scheint, nicht umsonst versuchte die NPD aus dem Rummel um die Ex-Tagesschau-Sprecherin Eva Herman Profit zu schlagen. In einer Pressemitteilung schrieb Gitta Schüßler, RNF-Aktivistin und familienpolitische Sprecherin der NPD-Fraktion im Sächsischen Landtag, „der Aufstand der Frauen“ könne durch den Rauswurf Hermans nicht gestoppt werden. Und weiter:

Der Rauswurf von Frau Herman zeigt aber auch, daß längst ein breiter, von Frauen getragener Aufstand gegen das von oben verordnete Leitbild des sogenannten `Gender Mainstreaming` im Gange ist.

„Gender Mainstreaming“ bedeutet laut Definition des Familienministeriums übrigens, „bei allen gesellschaftlichen Vorhaben die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern von vornherein und regelmäßig zu berücksichtigen“. Ein anschauliches Beispiel dafür, dass auch hier eine Bezeichnung, die von jedem verstanden wird, hilfreicher und weniger angreifbar wäre. Denn Gender Mainstreaming hört sich tatsächlich unverständlich und kryptisch an, wenn Mann und auch Frau wenig Ahnung von der Materie hat. Verständliche Begriffe und Formulierungen sind auch immer demokratisch – da jeder sie verstehen kann. Zudem nutzt die NPD die Möglichkeit, durch die Kritik an diesem Begriff zu verschleiern, dass aus ihrer Sicht Menschen nicht als Individuen in ihren jeweiligen Lebensumständen betrachtet werden sollen, sondern nach Geschlecht oder Nationalität klassifiziert werden und dementsprechend funktionieren müssen.

4 thoughts on “„Katholischer Fundamentalismus mit einer militant rechten Gesinnung“

  1. „Beim „Berliner Kolleg“ des „Instituts für Staatspolitik“, einer Art Denkfabrik der „Neuen“ Rechten, kritisierte sie den Angaben zufolge, der Nachwuchs…“ – exzellent! 😉

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