NPD bei Fahrt ins Drogenchaos „unentbehrlich“

Die NPD sorgt sich mal wieder um die deutsche Jugend. So warnt die NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“ vor einer Fahrt „Mit Vollgas ins Drogenchaos“. In diesem Artikel beklagt sich NPD-Funktionär Ronny Zasowk bittlerich über die Zustände in Deutschland:

Ein Brief des Münsteraner Polizeipräsidenten offenbart wieder einmal, wie verkommen und gestört viele Funktionsträger der Bundesrepublik mittlerweile sind. Polizeichef Wimber hat in einem Schreiben an den Deutschen Hanf-Verband zum Ausdruck gebracht, daß er angesichts verfehlter staatlicher Repression und politischer Unbeweglichkeit weitere Strafverfolgungen von Drogenkonsumenten für sinnlos erachte.

Offenbar ein Skandal, findet Zaskow, und wittert sofort eine Verschwörungstheorie gegen das deutsche Volk: Es sei

so ungeheuer wichtig, mit lauter Stimme gegen die gezielte Verwahrlosung unserer Jugend zu protestieren. Ein Volk im Vollrausch läßt sich leicht lenken und manipulieren.

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NPD-Plakat für den Wahlkampf in NRW. Prosit!

Im Vollrausch lenken – genau damit sorgte jüngst die EKD-Vorsitzende Käßmann für Schlagzeilen, was ihr konsequenterweise auch das Amt kostete – das begrüßte die NPD übrigens lauthals . Doch nur kurze Zeit zuvor sorgte auch Tino Müller von der NPD-Fraktion in Mecklenburg-Vorpommern regional für Aufsehen, als er alkoholisiert am Steuer erwischt worden war. Ein Jahr zuvor war bereits der Verkehrsexperte der NPD-Fraktion, Birger Lüssow, offenbar alkoholisiert am Steuer angehalten worden. Wie die Osseezeitung aus Kreisen erfahren hatte, war der Atemalkoholwert so hoch, dass sich daraus „deutliche Fahruntüchtigkeit“ vorlag. Zeugen zufolge soll die Polizei wegen dessen auffälliger Fahrweise überhaupt erst auf Lüssow aufmerksam geworden sein.  Lüssow gehört im Landtag ausgerechnet dem Ausschuss für Verkehr an.

Dass sich das „Volk im Vollrausch“ leichter manipulieren lässt, darauf baute aber auch die NPD in Hessen, als man im Frühjahr 2009 ausschenken und ein NPD-Bier auf den Markt bringen wollte.

Aber Haschisch ist natürlich eine ganz andere Liga, findet die NPD. Und so spreche die NPD „sich unbeirrt gegen jegliche Art von Drogenmißbrauch aus“. Denn:

In Zeiten, in denen Drogentote und Beschaffungskriminalität in vielen deutschen Großstädten an der Tagesordnung sind, Kinder und Jugendliche immer früher Substanzen mit Suchtpotential konsumieren, aber Parteien wie die Linke und die Grünen offensiv die Legalisierung von Drogen fordern und die anderen Systemparteien, angefangen bei der vermeintlich konservativen CDU/CSU, wegschauen, ist eine Anti-Drogenpartei wie die NPD unentbehrlich.

Zumindest, wenn man weiterhin mehr Aufhebens um illegale Drogen machen will (etwa 1500 Todesopfer 2009) als um die mehr als 100.000 Toten durch Tabak und Alkohol pro Jahr. Prost!

Siehe auch: Revolution im Web 2.0: Hier kommen die lustigen Nazis, Integre Gut-Nazis gegen unmoralische Kirche, Anti-Islam-Kampagne: “Schnabulieren statt Burka”, Nordhessische NPD schenkt aus, Rechtsextreme Erlebniswelt: Badestrand, Saufen & Maschinenpistole

5 thoughts on “NPD bei Fahrt ins Drogenchaos „unentbehrlich“

  1. Der Vergleich im letzten Satz zeigt nur allzu deutlich die künstliche Skandalisierung seitens der NPD. Denn während die NPD bei jedem Joint den Niedergang der deutschen Jugend (s.o.) lautstark beweint und „das System“ dafür verantwortlich macht, ist exzessiver Alkoholkonsum in der rechten Szene ja eher Regel als Seltenheit – und vor allem kein Problem. Man denke nur daran, wie oft Nazis nach Gewalttaten vor Gericht angeben, unter Alkohol gestanden zu haben. Leider wird ihnen das auch noch strafmildernd und nicht starfverschärfend ausgelegt. Schade. Dies wäre aber hingegen ein aufrichtiger Anlass für die selbsternannte „Anti-Drogenpartei“, „gegen die gezielte Verwahrlosung unserer Jugend zu protestieren.“ Bloß darf es natürlich nicht sein, dass so ein „Nationalist“, „Arier“ und notorischer Gedenkmarschierer genauso „verkommen und gestört“ ist wie „viele Funktionsträger der Bundesrepublik“. Merke:
    Was schon die Germanen tankten, bringt keinen Kamerad ins Wanken….

    Außerdem wäre es interessant, wieviel Alkohol denn auf NPD-Parteitagen konsumiert wird. Wahrscheinlich ähnlich viel wie bei der CSU.

  2. Die NPD in Sachsen haut zeitgleich in dieselbe Kerbe: Schuld an den Drogen ist – natürlich – „das System“ und nicht etwa der einzelne Drogenkonsument. Diesem schade nur die „Perspektivlosigkeit und der Wegfall der Grenzkontrollen“. Eigenverantwortliches Handeln? Unvorstellbar für die NPD.
    Außerdem kämen die Drogen selbstverständlich aus Tschechien. Sie könnten zwar auch aus westlichen Ländern nach Sachsen gelangen, aber mit denen hat Sachsen ja keine Grenze. Darum muss der bösen Osten herhalten für Vehikel für die Parole „Grenzen dicht!“

    Außerdem ist die NPD sich sicher: „Der rasante Anstieg der Autodiebstähle und jetzt der Drogenkriminalität in der Grenzregion ist für Experten keine Überraschung.“
    Welche Experten das sind und was sie meinen, erfahren wir leider nicht. Schade.

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