Neonazis wollen am 1. Mai in Berlin marschieren

Der Berliner Polizei liegen nach Angaben des RBB bislang drei Anmeldungen für Demonstrationen der rechtsextremen Szene für den 1. Mai 2010 vor. Demnach handelt es sich bei den Anmeldern um zwei nicht näher genannte Privatpersonen sowie den Berliner Landesverband der NPD. Gegen diese drei Veranstaltungen wurden  dem Bericht zufolge insgesamt 18 Gegenkundgebungen angemeldet, unter anderem von der SPD, den Grünen, der Linken und mehreren Einzelpersonen.

Neonazis marschieren durch Berlin - gegen "linke Gewalt" und für den "nationalen Angriff"
Neonazis marschieren durch Berlin - gegen "linke Gewalt" und für den "nationalen Angriff"

Im vergangenen Jahr waren Neonazis unter anderem in Berlin und Dortmund auf die Straße gegangen, um für die Homogenität einer NS-Volksgemeinschaft und gegen gleiche Rechte für alle Arbeitnehmer zu demonstrieren. In Dortmund griffen Hunderte Neonazis eine DGB-Veranstaltung und Polizisten an. Zurzeit stehen deswegen zwei mutmaßliche Rädelsführer vor Gericht.

Aus der Neonazi-Szene in NRW verlautete, der Angriff sei genau geplant gewesen.  Es sei bereits am Bahnhof gesagt worden, die Gruppe solle den DGB und die Polizei angreifen, berichtete ein Neonazi gegenüber NPD-BLOG.INFO. Bei den Attacken hätten sich dann die Initiatoren im Hintergrund gehalten.

Zuletzt waren Neonazis im Herbst 2009 durch Berlin marschiert. Als Vorwand nutzten sie eine Attacke auf eine rechte Szene-Kneipe, die von rechtsextremer Seite ohne Beweise Antifaschisten in die Schuhe geschoben wurde – obwohl die Tat nicht danach aussah. Kurz vor dem Aufmarsch wurde bekannt: Es handelte sich um eine Streitigkeit, die im rechten Trinkermilieu zu lokalisieren war. Dennoch gingen die Neonazis gegen „linke Gewalt“ auf die Straße und riefen zu „Rache“ und zum „Nationalen Angriff“ auf. Sie verlasen Namenslisten politischer Gegner und drohten offen mit Gewalt.

NPD ruft zum „Zecken jagen“ auf

Bei der Berliner Demo wurde nichts über verletzte Gegendemonstranten bekannt. Doch die NPD hatte offensichtlich nichts dagegen, genau dies zu ändern. Über Twitter rief die NPD Marburg dazu auf, in Berlin noch „munter Zeckenjagen“ zu gehen. Der Beitrag wurde gelöscht, doch er zeigt deutlich den Hass auf alle, die nicht in das Weltbild der Neonazis passen. Die Kollegen von redok stellen zu den Ereignissen der vergangenen Woche treffend fest: “Innerhalb weniger Tage hat sich in der vergangenen Woche die militant-nationalsozialistische Szene selbst einen Quantensprung verordnet. Mit dem ausdrücklichen Rückgriff auf “Weimarer Verhältnisse” wird nun zwar ohne aktuelle Opfer, dafür aber mit umso mehr herbeigefühlten Rachephantasien der Umschwung vom “Nationalen Widerstand” zum “Nationalen Angriff” erklärt. Dass dabei gleich noch die heutige Teilnehmerzahl in manchen Kreisen mit “2.500 Deutsche Bürger” ins Uferlose phantasiert wurde, unterstreicht den derzeitigen Realitätsverlust in Teilen der extremen Rechten. Diese Mischung aus eingebildetem Opfer-Status und überzogener Vorstellung eigener Stärke könnte in nächster Zeit ein gefährliches Gebräu werden.”

Siehe auch: Angriff auf Gewerkschafter: Neonazi-Rädelsführer vor Gericht, Die Nazis und der 1. Mai: Homogenität statt Egalität, Die Nazis und der 1. Mai: Von Niedriglöhnen und dem Ende der Gewerkschaften

6 thoughts on “Neonazis wollen am 1. Mai in Berlin marschieren

  1. „(…) zwei nicht näher genannte Privatpersonen sowie den Berliner Landesverband der NPD, Uwe Meenen.“

    Zwar ist die Berliner Landesverband der NPD recht überschaubar, ein paar Menschen mehr als nur der olle Meenen sind es dann aber schon… :)

    Hey, danke, da habe ich gepennt.

  2. „Wir fordern daher, daß Arbeit ein Grundrecht, aber auch eine Pflicht für jeden Volksgenossen sein muß.“, Zitat Ende – http://87.230.8.161/demo-berlin/

    … Also marschieren ja erneut „Volksgenossen“ auf!

    http://www.nw-berlin.net/index.php?section=artikel&t=aktuelles&id=267
    http://www.nw-berlin.net/index.php?section=verweise

    … Und wo sollen sich die „Volksgenossen“ austauschen und vernetzen: http://topliste.widerstand.info/ ?

    Wie Verhaltensgestört müsste man schon seien, um bei diesen Netzwerken und Angeboten einen Aufmarsch zu mutmaßen, dessen Ziele verfassungswidrig seien … Heutzutage sind „Volksgenossen“ eben doch nur „national gesinnte Jugendliche im Streben nach dem nationalen Sozialismus – Jetzt!“ *lol* 😉

    Kann man die URL bitte alle stehen lassen.

  3. „Über Twitter rief die NPD Marburg dazu auf, in Berlin noch „munter Zeckenjagen“ zu gehen.“

    Unter den zahlreichen Belegen für den Kampf der NPD gegen die demokratische Grundordnung ist dies nur ein weiterer Baustein. Und vermutlich reicht auch dieser wieder nicht für ein NPD-Verbot aus, weil es offiziell – wie so oft – bestimmt nur „revalisierende Jugendbanden“ sind, die sich da prügeln. Und die NPD in Marburg ist selbstverständlich auch gar nicht repräsentativ für die gesamte Partei. Dafür reicht schon eine platte Forderung der Partei wie: „Wiederherstellung von Recht und Gesetz!“

    Interessanterweise erkennt die NPD selbst: „Grundlage für eine Ordnung ist daher ein Konsens über Verhaltensnormen und Wertvorstellungen. Dieser befindet sich aber in einem Zustand der Auflösung.“

    Richtig, und wer könnte das wohl kompetenter beurteilen als die NPD ?

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