Hohe Ziele, tiefer Fall – Gesamtrechts zerfällt

Hohe Ziele, tiefer Fall – so fällt die Bilanz des Internet-Portals Gesamtrechts aus, welches nicht weniger als die Modernisierung sowie Fusion der zersplitterten extrem rechten Parteien in Deutschland vorantreiben wollte. Nun zieht sich einer der Initiatoren – nämlich der, der sich „organisator“ nennt – zurück und räumt das Scheitern des Projekts offen ein:

Da ich nicht weiss, wie es nach meinem Abschied von diesem Portal mit demselben weitergeht, möchte ich an dieser Stelle darauf verzichten, weiter auszuholen und mich in Details zu verlieren. Stattdessen bedanke ich mich bei allen Mit-Autoren und geneigten Lesern für die zwar weitgehend erfolglose, aber dennoch höchst interessante Zeit und wünsche der deutschen Rechten insgesamt, dass sie eines Tages wenigstens annähernd begreift, was sie mit ihrer Streitsucht, Betriebsblindheit, Verblendung, auch Käuflichkeit und dem beharrlichen Ignorieren von Talenten in den eigenen Reihen und in der Folge wohlverdienter Bedeutungslosigkeit unserer geliebten Heimat angetan hat.

gesamtrechts
Abrechnung im Abschiedsbrief auf Gesamtrechts

Gesamtrechts ging vor rund zwei Jahren zunächst als „Patriotisches Forum Süddeutschland“ online, später benannten es die Macher in Gesamtrechts um. Das Projekt gilt als DVU-nah, so soll DVU-Pressesprecher Andreas Molau Einfluss auf das Portal gehabt haben. Auch DVU-Chef Matthias Faust stand mit dem Projekt offenbar in Verbindung, immerhin war die Domain gesamtrechts.tk vorübergehend auf seinen Namen registriert. Faust wies dies allerdings zurück; er habe das Projekt lediglich vor „Scherzkeksen“ schützen wollen, habe daher die Domain registriert.

Auf Gesamtrechts fanden sich Teile der extremen Rechten zusammen, die eine Modernisierung von NPD und DVU forderten; so verbreitete Gesamtrechts beispielsweise Video-Podcasts diverser rechtsextremer Funktionäre – auch aus der NPD. Das Projekt grenzte sich zudem deutlich von der Krawall-Neonazi-Seite Altermedia ab, auf der Psychopathen regelmäßig ihre Gewaltfantasien ausbreiten.

Doch damit hat man beim „Nationalen Widerstand“ offenbar keine Chance, denn „organisator“ schreibt:

„Für was wir uns auf diesem Feld stark gemacht haben und was wir damit erreicht haben, steht nicht einmal annähernd in einem halbwegs vertretbaren Aufwand/Nutzen-Verhältnis.“

Interessanterweise erfolgt der Absprung des „organisator“ fast parallel zum möglichen Abschied von Molau als Pressesprecher der DVU. So wurde aus verschiedenen Quellen berichtet, Molaus Vertrag laufe im Frühjahr 2010 aus. Eine Verlängerung erscheint auf Grund der finanziellen Lage der DVU sowie der dürftigen Ergebnisse der Partei als eher unwahrscheinlich.

In dem Abschiedsbrief auf Gesamtrechts fällt die Bilanz Molaus auf jeden Fall äußerst positiv aus. Sogar zum deutschen Nick Griffin hätte es vielleicht gereicht, heißt es dort:

Molau war in unseren Augen genau der Richtige für dieses Amt: Bis 2004 als Lehrer beschäftigt, konnte er auf eine Vita verweisen, die sich nicht seit Jahrzehnten auf das inzestuöse Dasein im Hamsterlaufrad des rechten Ghettos beschränkte. Entsprechend klar konnte er – wie wir – auch analysieren, an welchen beiden primären Problemen die deutsche Rechte krankt: An der Uneinigkeit und an der Unwählbarkeit. Was gab er, der er als Grunddevise seines politischen Handelns angab, “alle Rechten, Konservativen, Nationalen, Nationalkonservativen usw. gedanklich an einen Tisch zu bringen”, im Wahlkampf zum Parteivorsitz also zum Besten? Logisch: Er wollte Gespräche mit allen Gruppierungen rechts der CDU, also auch der in Nordrhein-Westfalen starken pro-Bewegung, führen und sich von Elementen trennen, die Gewalt als Mittel der parteipolitischen Auseinandersetzung anwenden oder zumindest billigen – und unterschätzte damit das gerüttelt´ Maß an Idiotie, das in dieser Partei offensichtlich die Mehrheit stellt.

In einer „beispiellosen Kampagne seitens des Nazi-Flügels der Partei“ habe man ihm noch vor dem Duell auf dem Parteitag selbst den Garaus gemacht, indem man

Voller Einsatz bei der DVU, doch die Resonanz ist überschaubar (Foto: Maik Baumgärtner)
Voller Einsatz bei der DVU, doch die Resonanz ist überschaubar (Foto: Maik Baumgärtner)

ihn mit dem Gegenstück der Nazi-Keule, der Juden-Keule, politisch totschlug: Ein Onkel von Molau war im Dritten Reich als “Mischling” von der Schule verbannt worden. […] Damit wurde eine riesige Chance vergeben, aus dem, was an rechten Gruppen vorhanden war, die vereinigte, wählbare Rechtspartei zu schmieden, die sich mit Sicherheit gefunden hätte, hätte Molau die Partei damals entnazifiziert und die so entstehenden Lücken mit fähigen Leuten aus jenen Parteien aufgefüllt, mit denen er über kurz oder lang ins Gespräch getreten wäre. Molau wäre sicher kein zweiter Haider gewesen – aber er hätte der deutsche Nick Griffin werden können, der aus einer hoffnungslos ewiggestrig erscheinenden Ghetto-Folkloretruppe eine Partei geschmiedet hätte, die innerhalb weniger Jahre zur realen Gefahr für das etablierte Parteienkartell geworden wäre.

Auch die Abrechnung mit der DVU fällt deftig aus, so schreibt „organisator“:

Bei der DVU gab es zwischenzeitlich auch einen Führungswechsel, der Hoffnung machte. Diese war aber nur von kurzer Dauer, da sich herausstellte, dass ihr früherer Vorsitzender sie nur als Gelddruckmaschine in Form von zahlender Kundschaft für seine Druckerzeugnisse und Weltkriegsdevotionalien benutzt hatte und nach seinem altersbedingten Abtritt offensichtlich keine Sekunde daran dachte, mit seinen Millionen politisch – zuallererst bei der Rechten selbst – etwas zu verändern zugunsten seines Vaterlandes, für das er sich stets tapfer einzusetzen vorgab.

Auch die Reps bekommen noch ihre Abreibung in dem Brief – und so beendet der offenbar herb enttäusche „organisator“ seinen Rundumschlag mit verbalen Backpfeifen an seine Leserschaft und beklagt sich über

eine Kommentarspaltenmentalität, die an eine Kreuzung aus “Schreibt gefälligst mal über dieses Thema – Und dieses, und dieses und dieses”, aus Faulheit zum eigenständigen Gastartikel-Verfassen über genannte Themenbeispiele und aus einer gleichzeitigen “Geiz ist geil”-Mentalität erinnert, diverse andere Enttäuschungen, die am grundsätzlichen Vorhandensein einer gewissen Grundvernunft im rechten Lager mehr als erheblich zweifeln lassen sowie zuletzt mangelnde Einsatzbereitschaft einiger anderer Autoren trotz zigfacher anderslautender Absprachen und daraus resultierende “Überstunden” für mich – der ich trotz zwangsläufig gegebener Computernähe auch ein nicht vernachlässigbares Leben abseits der virtuellen Welt habe – haben mich zu dem Schluss kommen lassen, dass der Zeitpunkt zum Aufhören gekommen ist.

Das Scheitern von Gesamtrechts könnte ein weiterer Hinweis auf das nahe Ende der DVU sein, denn selbst wenn das Projekt nichts direkt mit der Partei zu tun hatte, unterstützte es doch zweifelsohne den Kurs von Molau und Faust – während beispielsweise Altermedia keine Chance auslässt, auf diese einzudreschen. Spekulationen über eine mögliche Fusion der Parteien werden somit vorerst aber auch nicht verstummen, allerdings sinkt der „Preis“ der DVU von Woche zu Woche weiter.

Siehe auch: Schrecken ohne Ende bei der DVU, “Wilde Sau” bei der DVU: Aufstand gegen Faust, DVU: “Es gibt keinen Machtkampf”

9 thoughts on “Hohe Ziele, tiefer Fall – Gesamtrechts zerfällt

  1. „(…) an welchen beiden primären Problemen die deutsche Rechte krankt: An der Uneinigkeit und an der Unwählbarkeit.“

    Das sind keine „primären Probleme“ aller rechten Parteien (Ausnahmen gibt es natürlich) – das sind die Konsequenzen, die sich aus den politischen Kursen und „Angeboten“ und Denkrichtungen ihrer unterbelichteten Mitglieder und Anhängerschaft ergeben.

    Ansonsten ist es gut zu sehen, dass dieses Portal kurz vor dem Ableben steht, denn niemand braucht es. Allerdings wird mit den Ausführungen des „(ex)organisators“ auch die Heterogenität im rechten Lager deutlich, wodurch klar wird, dass es „die“ Strategie im Kampf gegen „das“ Braunbatzenzum nicht gibt.

  2. Hi, ist ja echt interessant, aber woher wisst ihr denn, dass „organisator“ Andreas Molau persönlich ist? Nur eine Vermutung?

    Wo wird das denn behauptet bzw. vermutet?

  3. Die Zeit der DVu ist leider zu Ende. Dieses haben nun die Mitglieder unseres Kreisverbandes zum Anlass genommen, um aus der DVU auszutreten und bei den Republikaner einzutreten. Ein Mitwirken bei der NPD ist für uns ausgeschlossen, da der Kurs dieser Partei nicht mit unserer politischen Meinung übereinstimmt und Paktbrecher keine Unterstützung von uns erfahren. Es ist davon auszugehen, dass unserem Schritt noch viele der verbliebenen DVU-Mitglieder folgen werden und bei den REP ihre neue Heimat finden.

  4. Ich weiß nicht, ob es wirklich jemanden gibt, der den Platz des „deutschen Haiders“ noch besser besetzen könnte als Westerwelle.

  5. Nebelhorn, ich hätte gerne einmal gewusst, wo denn der Kurs der NPD sich von der DVU unterscheidet? Vielleicht bei der Rekrutierung krimineller Straßenschläger für Parteiämter oder mit welcher Strategie man am effektivsten alle Ausländer aus Deutschland vertreibt?
    Jedenfalls wird es vielen DVU-Mitgliedern bestimmt nicht passen, dass sich die nicht weniger rechsextremen Republikaner (zumindest in der Parteispitze und oberflächlich) von der Verehrung von Führer und Drittem Reich distanzieren.

  6. @ Nebelhorn :
    Am besten für alle wäre es , wenn sämtliche DVU-,NPD-usw-Anhänger oder
    Mitglieder in geschlossenen Anstalten ihre neue Heimat finden würden !!

  7. Das stand zunächst in diesem Artikel, wurde aber dann wieder geändert. Aber… ist der „organisator“ denn Molau, oder nicht???

    Was stand da? Sie müssen schon erklären, was Sie meinen!

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