„Bezopftes Spatzenhirn“: NPD freut sich über Broder-Mail

Die NPD hat eine Mail von dem Publizisten Henyrk Broder erhalten. Dies freut die neonazistische Partei so sehr, dass man diese gleich per Mitteilung verbreitet. Weil der Inhalt der Nachricht für die NPD aber weniger schmeichelhaft ist, gibt sich die Partei überbetont gelassen, die NPD-Funktionärin Katrin Köhler habe „über diese jüdische Haßmail herzhaft lachen“ müssen, so die Neonazi-Partei.

Hintergrund der Geschichte ist eine andere Pressemitteilung der NPD, die versucht hatte, Broders Polemik für ihre Zwecke zu benutzen. Dazu schrieb Broder den Angaben zufolge an Köhler:

„frau köhler,
im pressedienst der halbkriminellen vereinigung, der auch sie angehören, war gestern zu lesen: ‚Chemnitzer NPD-Stadträtin applaudiert Broders Überfremdungskritik'(http://www.npd-sachsen.de/index.php?s=9&aid=700).
sie waren bei meiner lesung nicht dabei. dafür bin ich ihnen dankbar. allein die vorstellung, im selben raum mit ihnen zu sein, lässt mir das essen von gestern hochkommen. ihre abwesenheit hat sie freilich nicht davon abgehalten, sich zu meinem auftritt zu äußern. nach der lektüre ihres statements könnte man sich fragen, ob sie dumm oder bösartig sind. ich finde, sie sind beides. das wort ‚überfremdung‘ gehört zu ihrem vokabular, nicht zu meinem. es ist weder während der lesung noch in der anschliessenden diskussion gefallen. ich habe weder implizit noch explizit gegen diejenigen ‚gewettert‘, die in ihren kranken phantasien die hauptrollen spielen, also ausländer, migranten und andere nicht-deutsche.

und ich sage es ihnen gerne noch einmal, so klar und unmissverständlich, dass es sogar ihr bezopftes spatzenhirn begreifen sollte: wenn es die möglichkeit gäbe, sie und das rechtsradikale pack, das sie repräsentieren, gegen ausländer – egal welcher provenienz – auszutauschen, würde ich mich sofort dafür aussprechen. ob sie meine bücher gelesen haben, weiß ich nicht. es ist mir auch wurscht. selbst wenn sie es getan haben, haben sie nichts verstanden. meine forderung nach mehr intoleranz richtet sich nicht nur gegen die terrorversteher von links, sie richtet sich auch gegen das gesindel, das ihre politische heimat ist. ich habe in chemnitz meine bewunderung und meinen respekt für die dresdner bürger artikuliert, die am jahrestag der bombardierung den öffentlichen raum besetzt und der npd den weg versperrt haben. ich habe auch angeregt, dass alle bürger mit migrationshintergrund – vom türkischen müllfahrer bis zum indischen arzt – einen tag lang streiken, um der fremdenfeindlichkeit die grundlage zu entziehen. das alles sind nicht ihre positionen. dass sie sich nun hinter einem ‚jüdischen leitintellektuellen‘ verstecken, zeugt nur von ihrer schamlosigkeit im umgang mit dem, das sie irrtümlich für politik halten. es ist aber nur die pflege von ressentiments. für ihre versuche, jemand zu finden, der ihre schweinereien für koscher erklärt, stehe ich nicht zur verfügung. wenn sie es noch einmal machen, komme ich bei ihnen vorbei und ziehe ihnen die zöpfe lang. versprochen und grusslos. b.“

Noch zu erwähnen wäre, dass Broder die Mail bereits am 04. März in seinem Blog veröffentlicht hatte – die zur Schau gestellte Gelassenheit der NPD am Folgetag kommt daher noch etwas unglaubwürdiger rüber. Die NPD hätte in diesem Zusammenhang wohl formuliert: „Eine schallende Ohrfeige für Köhler!“

Siehe auch: Zwischen hirnlos und elitär: Vom Umgang mit der Neuen Rechten, Broder und die Holocaust-Leugnung: (K)ein Interview

5 thoughts on “„Bezopftes Spatzenhirn“: NPD freut sich über Broder-Mail

  1. Tja! Ich wäre auch sauer, wenn mein undifferenziertes Gegen-alles-treten um den Preis der maximalen Provokation auf einmal Applaus von Leuten bringt, die ich anspreche obwohl ich es nicht will.

  2. Naja er schreibt und formuliert fast wie die Nazis…die beleidigungen müssen nicht sein,er sinkt immer weiter im Niveu

  3. Herr Broder muss sich nicht über den Applaus der NPD wundern und grad er schon gar nicht ihr „Spatzenhirn“ ansprechen. Der Aufruf „keine islamische Machtsymbolik in unseren Städten“ könnte durchaus auch auch seinem Kopf entstammen.

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