Mehr als eine rechte Gewalttat pro Woche in Thüringen

Der Thüringer Hilfsdienst für Opfer rechtsextremer Gewalt (THO) hat nach eigenen Angaben 83 rechts-motivierte Gewaltdelikte mit 150 direkt Betroffenen für das Jahr 2009 in Thüringen registriert. Damit bleibe die Zahl rechter Gewalttaten im Vergleich zum vorherigen Jahr nahezu unverändert hoch, heißt es. Wöchentlich ereignete sich demnach in Thüringen mindestens ein rechts-motivierter Angriff. Darüber hinaus müsse von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden. Dazu erklärt Christina Büttner vom THO:

„Viele rechts-motivierte Gewaltdelikte werden sowohl vom sozialen Umfeld als auch von staatlichen Institutionen nicht als solche erkannt. Dies kann zu einer Relativierung der Gefahr führen. Betroffene fühlen sich dann allein gelassen mit ihrer berechtigte Angst vor einem erneuten Angriff. Um das zu verhindern, ist eine enge Zusammenarbeit zwischen verschiedenen zivilgesellschaftlichen Akteuren, Initiativen und staatlichen Institutionen wichtig.“

Angriffe auf politische Gegner

Besonders häufig betroffen seien „nicht Rechte“ gewesen – wie zum Beispiel alternative Jugendliche (89) oder „politisch Aktive“ (34). Weiterhin spielte Rassismus (18) als Tatmotiv eine Rolle. In den meisten Fällen handelte es sich dabei um Körperverletzungen (85). „Das Wahljahr und der damit verbundene aggressive Wahlkampf der NPD in Thüringen rückte den politischen Gegner verstärkt in den Fokus der Neonazis. Politischer Gegner ist hierbei bereits der, der sich gegen ihre menschenfeindliche Ideologie ausspricht – ob Bürgermeister, Abgeordneter oder engagierter Bürger“, so Büttner.

Der THO veröffentlicht seit 2005 seine erhobenen Daten, wobei der Fokus auf Gewalttaten liegt. Nicht erfasst werden dem THO zufolge Propagandadelikte. Die Statistik orientiere sich an der Erhebungsweise der Landeskriminalämter zur „politisch motivierten Kriminalität – rechts“. Differenzen zu den polizeilichen Angaben ergäben sich durch die unterschiedliche Bewertung von Tathintergründen sowie durch die Kenntnis von Angriffen, die auf Wunsch der Betroffenen nicht bei der Polizei angezeigt werden.

Hier noch die Statistik des THO: Statistikvergleich_2005-2009

Siehe auch: Die NPD und die Sorge um die innere Sicherheit, 149 Tote durch rechte Gewalt

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