149 Tote durch rechte Gewalt

Die Amadeu Antonio Stiftung hat eine neue Zählung der Todesopfer rechtsextremer und rassistischer Gewalt seit 1990 veröffentlicht. Seit der deutschen Wiedervereinigung im Oktober 1990 bis Ende 2009 sind nach Recherchen der Redaktion Mut gegen rechte Gewalt und des Opferfonds CURA der Amadeu Antonio Stiftung 149 Menschen durch die Folgen menschenfeindlicher Gewalt ums Leben gekommen. Die Liste ist immer wieder durch die Stiftung mit neuen Fällen ergänzt worden, wenn glaubhafte Beweise für einen rechtsextremen oder rassistischen Hintergrund vorliegen. Alle Todesfälle wurden gründlich recherchiert. Die Liste kann so eine hohe Genauigkeit beanspruchen.

„149 rechtsextreme und rassistische Todesfälle führen uns das ganze Ausmaß der rechtsextremen Bedrohung in Deutschland vor Augen. Die Todesfälle sind der traurige Höhepunkt rechtsextremer Gewalt, die in vielen deutschen Städten alltäglich ist. Leider bleiben viele Fälle in diesen offiziellen Statistiken der Bundesregierung unerwähnt oder sind in der einen präsent, während sie in der anderen fehlen“, so Timo Reinfrank, Geschäftsführer der Amadeu Antonio Stiftung.

Rassistische Motive berücksichtigt

Oft waren die Täterinnen und Täter in rechtsextremen Gruppen organisiert und sind mit ihrer Tat einer menschenfeindlichen, rassistischen, homophoben oder obdachlosenfeindlichen Gesinnung gefolgt. Manchmal haben sie aber auf den ersten Blick keinen offensichtlichen rechtsextremen Hintergrund, sondern handelten auf der Grundlage einer rassistischen Einstellung oder eines rechtsextremen Weltbilds. Aufnahme in diese Liste fanden folglich alle Mordfälle, die nach gründlicher Sichtung der Quellen aus rechtsextremen und rassistischen Motiven (hierzu zählt auch der Hass auf ‚Andersartige‘, ‚Fremde‘ oder ‚Minderwertige‘) erfolgten oder wenn plausible Anhaltspunkte für diese Annahme bestehen.

Die Todesopfer rechter Gewalt sichtbar machen

„Es müssen auch die Taten hinzugezählt werden, denen rassistische Motive zu Grunde liegen, ohne dass Täterinnen oder Täter auf den ersten Blick als Rechtsextreme zu erkennen wären“, so Reinfrank.  „Denn auch sie sind Opfer menschenfeindlicher Gewalt und wir wollen nicht, dass sie vergessen werden.“ Ein solcher Fall ist auch der Mord an dem Namensgeber der Amadeu Antonio Stiftung. Amadeu Antonio wurde am 24. November 1990 in Eberswalde von einem Mob rassistischer Jugendlicher zu Tode geprügelt. Diese Tat löste bundesweit Bestürzung aus. Kiowa ist eines der ersten Todesopfer rechtsextremer Gewalt nach der Wiedervereinigung. Seit ihrer Gründung bemüht sich die Stiftung die Todesopfer rechtsextremer und rassistischer Gewalt nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Die vollständige Liste und Informationen zur Quellenlage:

www.mut-gegen-rechte-gewalt.de/news/chronik-der-gewalt/149-todesopfer

Siehe auch:  Kommentar: Mutwillige Vereinfachung, Polizei bestätigt vier Todesopfer von Neonazi-Schlägern