„Sturmvogel – Deutscher Jugendbund“ Thema im Bundestag

Nach rechtsextremistischen Aktivitäten der Jugendorganisation ”Sturmvogel – Deutscher Jugendbund“ hat sich die SPD-Fraktion in einer Kleinen Anfrage (17/830) erkundigt. Unter anderem wollen die Abgeordneten wissen, welche Anhaltspunkte der Bundesregierung über solche Aktivitäten vorliegen und ob sie ein Verbot dieser Organisation prüft. Auch fragt die Fraktion, welche Erkenntnisse der Regierung über rechtsextremistische Orientierungen bei anderen bündischen Jugendorganisationen in Deutschland vorliegen.

Der „Sturmvogel“ gilt bei Experten als mögliche Nachfolgeorganisation von Wiking-Jugend und HDJ, die beide verboten wurden. Die taz schrieb dazu:

Wollen sie laut Gründungsflugblatt doch mit ihrer Jugendarbeit ein „Vorleben“ vermitteln, das gegen den „Ungeist“ steht, „der unser Volk derzeit jeden Atemzug verpestet“. Zum „Neujahrsfest“ ist der „Sturmvogel“ in der Freizeitstätte vom 27. Dezember bis 1. Januar 2010 zusammengekommen. Etwa vierzig Personen, Betreuer, Kinder, aber auch Kleinkinder, nehmen an dem Lager teil, bei dem vermeintlich völkische Traditionen und heidnische Bräuche ausgelebt werden. „Die Bedeutung von solchen Gruppen und ihren Schulungen darf nicht unterschätzt werden“, betont Gideon Botsch, vom „Moses Mendelssohn Zentrum“.

Ihre antidemokratischen Erziehungsideale wirken nachhaltig. „Viele Kader der NPD wurden in Gruppen, wie der ,Wiking-Jugend‘ (WJ) politisiert und sozialisiert“, hebt Botsch hervor. Der NPD-Fraktionschef Udo Pastörs aus Mecklenburg-Vorpommern, aber auch der NPD-Bundesordnerchef Manfred Börm kommen aus der WJ, die wie der „Sturmvogel“ sich um die rechte Gesinnung bei Kindern und Jugendlichen bemühte. Edda Schmidt, die nachweislich beim „Sturmvogel“ agierte, ist heute Vorsitzende der NPD-Frauenorganisation „Ring Nationaler Frauen“. Auch der „Sturmvogel“, sagt Botsch, liefere eine „umfassende Schulung, die eine ideologische Festigung nach sich zieht“.

Der „Sturmvogel“ selbst hat seine Wurzel in der WJ. „Er ist eine radikale Abspaltung“, betont Botsch, der zur bündischen Jugend forscht. 1987 entstand sie aus einem internen Streit. Der ehemalige WJ-Bundesfahrtenführer Rudi Wittig wurde erster Bundesführer des „Sturmvogel“. Nur wenige Jahre später verbot das Bundesinnenministerium die WJ – der „Sturmvogel“ blieb davon unberührt. In einem der Gründungsflugblätter stellten sie ihre Intention allerdings eindeutig dar: Sie seien „volkstreu eingestellte Deutsche“. In einem ihrer Jahreskalender 2006 offenbaren sie, wo die Grenzen Deutschlands verlaufen: „Auf unseren Wanderungen lernen wir Deutschland kennen“, von „Schleswig-Holstein bis nach Tirol, von Elsass bis ins Memelland“.

Linktipp: Das Blog „Rechte Jugendbünde“

4 thoughts on “„Sturmvogel – Deutscher Jugendbund“ Thema im Bundestag

Comments are closed.