Sezession: Hoffen und Harren hält manchen zum Narren

Aber manchmal wird das Warten natürlich auch belohnt. Und so kann Götz Kubitschek heute auf “Sezession im Netz” über die “Konservative Aktion Stuttgartberichten. Diese Aktionisten, “ruhige, tatenfrohe, beharrliche junge Männer“, haben “gestern abend die zweite Aktion durchgezogen.” Über die erste “durchgezogene” Aktion hatte ich hier geschrieben und auch sonst fand die Aktion Beachtung in den Medien.

Von Florian Röpke

Nebenbei bemerkt: Hier zeigt sich sehr schön der Spagat zwischen der notwendigen Jammergrundlage des Totgeschwiegen-Werdens und der Notwendigkeit, hin und wieder doch mal wahrgenommen zu werden. Totschweigen ist demnach typisch und zugleich Bestätigung, linker Zeitgeist eben. Erwähnt werden ist die Ausnahme und ebenfalls Bestätigung, man hat die “Schweigespirale” durchbrochen. Gewinner ist man also immer.

Nun aber doch kurz zur zweiten Aktion, ich zitiere einfach mal Götz Kubitschek, im Original Kursives habe ich in einfache Anführungszeichen gesetzt: “Ziel der kas (“Konservative Aktion Stuttgart”, Anm. Florian) war der Auftritt Janka Kluges, die Mitglied in der linksextremen ‘Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten’ (VVN-BDA) ist. Kluge durfte im Rahmenprogramm einer Ausstellung zum Thema „Rechtsextremismus“ über die „rechte Musikszene“ referieren. Die ‘konservative aktion stuttgart‘ trat als „Fanclub Janka Kluge“ auf, versehen mit Augenklappen und damit auf dem linken Auge blind.

Quelle: Konservative Aktion Stuttgart, Homepage

Irgendwie finde ich das ungeschickt, warum “stört” man ausgerechnet einen solchen Vortrag? OK, weil man rechts ist, aber es hat doch schon einen Beigeschmack, wenn man einen Vortrag über menschenverachtende Hassmusik unter dem Vorwand stört, die Vortragenden seien auf dem linken Auge blind. Wem nützt es? Zumindest ist mir keine rechte Aufklärung über solche Musik bekannt, die zudem in der Lage wäre die dortige Aufklärung zu ersetzen. Es gibt also nicht einmal ein Gegenangebot, was allerdings wohl in der Natur der rechten Sache liegt.

Was ich aber viel interessanter finde, Kubitschek hofft und wartet noch immer auf weitere Nachahmer seiner “konservativ subversiven Aktion“, so schreibt er: “Mal sehen, wanns in München, Frankfurt, Bonn und Hamburg losgeht …“. Doch selbst wenn sich dort einige Verwirrte finden, die sich mit Augenklappe und selbstgebastelten Plakaten irgendwo hinstellen und sich ins doppeldeutige rechte Licht setzen, einen echten Durchbruch wird es nicht geben. In Bezug zum Buch “Leitbegriffe” hatte ich schon diverse Anmerkungen gemacht, die in die gleiche Richtung gehen. Es “mischt sich (…) ‘Gegenrealität’ mit dem Zweckoptimismus eines rechten Verlegers” – daran hat sich nichts geändert, auch nicht mit neuem Motto.

Siehe auch: Zwischen hirnlos und elitär: Vom Umgang mit der Neuen Rechten

2 thoughts on “Sezession: Hoffen und Harren hält manchen zum Narren

  1. das Problem ist ja, dass der Begriff „rechte Hassmusik“ im Grunde ein Chiffre ist, mit dem jede Form nicht-linkspolitischer Musik (exklusive Schlager, Pop und Rap) gemeint ist. So fällt unter „rechte Hassmusik“ auch immer die eine oder andere Neofolkgruppe, deren „Verbrechen“ im Unklaren bleiben oder zusammenphantasiert werden. Zu nennen ist VON THRONSTAHL, die zwar „rechts“ sind (trotz Punkwurzeln), die in ihren Texten jedoch nicht zum Hass aufrufen, auch nicht zur Gewalt. Trotzdem sind sie immer dabei.
    Eine dezidierte und stringente Auseinandersetzung mit Bands, die a) konkret (also wirklich in den Texten nachweisbar) zu Gewalt gegen Andersdenkende aufrufen und b) dezidiert fremdenfeindlich sind und Ausländer verunglimpfen wäre auch mir recht.
    Aber darum geht es nicht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Vortragende aus dem linksextremen Milieu den Begriff bis zur Unkenntlichkeit ausdehnen. Und hier hört die Aufklärung auf und die Politikmache fängt an. Leider hinterfragt das der Artikel nicht. Die Forderung nach einer „rechten Aufklärung“ des Rechtsrocks ist unfreiwillig komisch. Ich kenne auch keine linke Auseinandersetzung mit Punkbands, die derb in ihren Texten „draufhauen“ („Polizei-SA-SS“ ist mir noch aus Jugendtagen im Ohr usw.). Das wird auch geduldet und mit Achselzucken quitiiert. Also man sollte nicht von der gegnerischen Seite etwas fordern, was man selbst nicht zu unternehmen bereit ist.

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