Integre Gut-Nazis gegen unmoralische Kirche

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Falsch zitiert: Udo Pastörs im Kreise seiner Kameraden. Foto: Rechere-Ost.com

Der NPD-Fraktionsvorsitzende im Schweriner Landtag, Udo Pastörs, hat den katholischen Erzbischof Werner Thissen wegen Verwendung eines falschen Zitats verklagt. Das Amtsgericht Ludwigslust bestätigte laut einem Bericht der taz, dass Pastörs eine Klage gegen den auch für Mecklenburg zuständigen Hamburger Erzbischof erhoben habe. Zwar hatte Thissen den Angaben zufolge bereits ein falsches Zitat in einer Presseerklärung eingeräumt. Den von Pastörs geforderten Entschädigungsanspruch halte das Erzbistum Hamburg aber für unberechtigt. Die NPD-Fraktion habe stattdessen die juristische Auseinandersetzung breit öffentlich gemacht.

Der Erzbischof habe sich aus Versehen auf eine nicht glaubwürdige Quelle berufen“, erklärte das Erzbistum Hamburg, zu dem auch Mecklenburg gehört, laut taz. Bereits Ende 2009 habe der Erzbischof eine Unterlassungserklärung unterzeichnet, heißt es weiter. Die NPD indes hege an den Aussagen Thissens keine Zweifel. Die Partei fühle sich geschädigt und wolle eine finanzielle Wiedergutmachung. „Die verbreiteten Unwahrheiten reihen sich nahtlos ein in die breit angelegten Diffamierungskampagne“, sagte Pastörs laut taz.

Am 6. Mai muss sich Pastörs selbst vor Gericht verantworten. Bei einer NPD-Veranstaltung 2009 hatte er gegen die „Judenrepublik“ und türkische Männer mit ihren „Samenkanonen“ gewettert. Vor laufenden Fernsehkameras sagte er denn auch, dass gegen Ausländer vorgegangen werden müsse – „mit dem Wort und wenn nötig auch mit der Hand“.

Die vorgetragene Empörung des NPD-Politikers dürfte nicht zuletzt durch das christliche Engagement gegen die NPD verursacht worden sein, meint das Blatt. Denn seit dem vergangenen Jahr sprechen sich die christlichen Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommern verstärkt gegen die rechtsextreme Partei aus. In vereinzelten ländlichen Regionen stelle die Kirche oft die einzige zivilgesellschaftliche Institution dar, erklärt Kathrin Oxen, Pastorin der Reformierten Kirche im mecklenburgischen Bützow.

Gut-Nazis beklagen Doppelmoral

Wie tief der Groll gegen die Kirche bei der NPD sitzt, zeigte auch deren Stellungnahme zur Causa Käßmann. Während  bereits durchsickerte, dass Käßmann von ihrem Amt zurücktreten wird, verschickte die NPD-Fraktion im sächsischen Landtag noch eine Pressemitteilung, in der ausgerechnet die NPD der Bischöfin Doppelmoral vorwarf. Selbstredend blieb der Kalauer „Wasser predigen, Wein saufen“ nicht aus und auch das Engagenement der Kirch gegen den Rechtsextremismus ist sofort Thema:

Fast genau neun Monate ist es her, da posaunte die Landesbischöfin von Hannover und jetzige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, beim 32. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Bremen eine wahrhaft „originelle“ Forderung hinaus: Die NPD müsse verboten werden. Es sei, so Käßmann, „unverständlich“, daß man eine Partei nicht auflösen könne, die derart „fremdenfeindliche“ Parolen von sich gebe.

Damit gibt sich die NPD aber noch nicht zufrieden, die moralischen Ansprüche der Neonazi-Partei gehen noch deutlich weiter. So kommentiert der NPD-Landtagsabgeordnete Johannes Müller:

„Frau Käßmann predigt, daß nur Gott eine einmal geschlossene Ehe scheiden könne, doch sie ist selbst geschieden. Das ist per se auch bei einem kirchlichen Würdenträger nicht auszuschließen und in unserer heutigen Gesellschaft leider fast schon eher der Regelfall als die Ausnahme. Man kann sich zudem so einer Scheidungssituation auch nicht einseitig entziehen. Allerdings disqualifiziert dies Frau Käßmann schon von vornherein nicht nur für das oberste Hirtenamt der EKD, sondern für alle Ämter im Kirchendienst, in denen man eben diese besonders hohen moralischen Ansprüche – „bis daß Gott durch den Tod euch scheidet“ – gegenüber den Gläubigen glaubwürdig durch eigenes Vorbild repräsentieren muß. Ich denke, die Entscheidung der russisch-orthodoxen Kirche, nach der Wahl Käßmanns den Kontakt zur EKD abzubrechen, hat sich als richtig erwiesen.“

Amen.

Siehe auch: Krummnasen und Samenkanonen: Pastörs im Mai vor Gericht

2 thoughts on “Integre Gut-Nazis gegen unmoralische Kirche

  1. Ein solcher Vorwurf in vollem Ernst ausgerechnet von der NPD erhoben, ist auch durch Satire gar nicht mehr zu schlagen:

    “Die verbreiteten Unwahrheiten reihen sich nahtlos ein in die breit angelegten Diffamierungskampagne”.

    Was könnte man zu diesem Thema nicht alles der NPD vorwerfen: Dann müsste ja schon jeder Ausländer durch eine Entschädigung die NPD in den Ruin treiben können. Wie war das noch, als ausgerechnet der „gekränkte“ Pastörs von der „Knesset an der Spree“ (dem Bundestag) sprach und von den „Samenkanonen“ der Äusländer, als er Frotpflanzung meinte?

    Und dass sich die NPD, deren Mitlgieder gerne „Odin statt Jesus“ propagieren, zu Kirchenangelegenheiten äußert, ist – wie so oft – nichts als billiger Wichtigtuerei geschuldet.

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