Revolution im Web: Hier kommen die Nazis 2.0

Die NPD ruft ihre Mitglieder und Anhänger auf, in den Sozialen Netzwerken für die Neonazi-Partei zu werben. Humor sei mit das wichtigste, verrät die NPD 2.0 – und gibt daher einige Kostproben, wie man den Leser am Bildschirm zum Lachen bringen kann. Der Verfassungsschutz warnt derweil vor der „Unterwanderung“ der sozialen Netzwerke durch Neonazis…

Die NPD gibt ihren Mitgliedern und Anhängern Ratschläge für die „niedrigschwellige“ Verbreitung von völkischer Propaganda im Netz – konkret in sozialen Netzwerken. Und das klingt in der Parteizeitung „Deutsche Stimme“ dann so:

Der erste Schritt ist das Anlegen eines interessanten, detailreichen und sympathischen Profils, nachdem ihr euch angemeldet habt.

Nochmal, ganz langsam: ERST anmelden, DANN das Profil anlegen. Verstanden? Gut. Weiter im Text:

Anonyme Nationalisten und in gesellschaftlicher Selbstisolation verharrende Kameraden werden hier nicht benötigt. Das Profil sollte möglichst einen offenen Menschen beschreiben, einen Menschen mit Humor, Beruf, Hobbys, ernstzunehmenden Interessen, Literatur- und Musikgeschmack.

Also keinen Nazi.

Ihr solltet schon einiges über euch verraten. Nur das bindet andere an euer Profil, schafft Sympathien, bringt einen ins Gespräch, lädt zum Lachen oder Nachdenken ein. Humor ist in dieser virtuellen Welt, auf diesen sozialen Plattformen, mit am wichtigsten.

Das hat die NPD offenbar verinnerlicht. Kompliment.

Bei der Beschreibung von Eigenschaften, Hobbys und Interessen sollte also nicht bissig, klischeehaft oder wortkarg vorgegangen werden. Auch Fotoalben von Feiern, Freizeitaktivitäten, Haustieren und Familie sollten hochgeladen werden. Bedenkt, daß die Leute von heute etwas sehen wollen.

Genau, die jüngsten Bilder vom Aufmarsch beispielsweise. Das schafft Sympathien und belegt die Offenheit des Profilinhabers eindrucksvoll.Tolerante Typen, die die Einführung der Todesstrafe in Deutschland fordern oder NS-Verbrecher verehren, kommen einfach immer gut.

Und so trickreich will die NPD dann neue Mitglieder an die Partei heranführen:

affe

Im ‚VZ‘ wird gegruschelt, was in der virtuellen Welt nichts anderes ist als das ‚Hallo‘ oder Zwinkern im realen Leben. Es gibt auch Möglichkeiten für den Live-Chat. Auf jeden Fall solltet ihr alle entstandenen Kontakte sorgsam pflegen, Nachrichten beantworten und diese Kontakte immer weiter ausbauen – soweit bis aus unorganisierten Freunden im Portal auch Interessenten, DS-Abonnenten und Parteimitglieder werden.

Wichtig sind auch die Gruppen, analysiert das NPD-Blatt weiter:

Werdet beispielsweise Mitglied in Gruppen wie ‚Arno Breker – Prophet der Schönheit‘, ‚Deutschland verblödet‘, ‚Drogen machen dumm!‘, ‚Deutsche Bundeswehr kämpft für fremde Interessen! Wir sagen NEIN!!!‘ oder ‚Scheiß Deutschland? – Warum lebst du dann hier?‘ und tut dann eure Meinung kund, die wiederum andere anspricht und so wiederum Kontakte schafft. Für eure Stadt oder Region gibt es immer auch viele Gruppen, etwa ‚Kirmes Oberammergau‘, ‚Stadtfest Berlin‘ und ähnliches.

Nun kann also nix mehr schief gehen und die NPD fordert daher:

Also raus aus den Hinterzimmern, raus auf die Straße, aber auch rein in die neuen sozialen Netzwerke des Internet.

Offen ist nun nur noch, wann der erste Artikel in einem größeren Medium erscheint – mit der Überschrift: „Achtung! NPD startet Offensive in Social Communities.“ Bekanntermaßen gibt es nichts, was es nicht gibt.

Nachtrag 08. April 2010: Heute ist es soweit, die neue Strategie der Neonazis startet ihren Siegeszug durch die deutschen Medien. Der Verfassungsschutz warnte vor der „Unterwanderung“ von Sozialen Netzwerken – und  großen Medien (Welt, ntv, Focus, Berliner Morgenpost, ) folgen brav und geben dies wider – ohne auch nur einen Blick auf den Artikel der NPD geworfen zu haben – und ohne zu überlegen, dass Neonazis ohnehin in Sozialen Netzwerken unterwegs sind. Aber das scheint genauso ausgeflippt zu sein wie die Tatsache, dass Neonazis auch das Internet allgemein benutzen – da es Neonazis einfach gibt – und es eher eine Meldung wäre, wenn diese NICHT das Internet und Soziale Netzwerke benutzten.

Siehe auch: “Damit hilft Google der NPD”, “Heimattreue” Medienoffensive

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