Wecker, Westerwelle und die Wut der NPD

Die Sächsische Zeitung berichtet über einen Brandanschlag auf einen Linkspartei-Politiker in Pirna: „Ein brennender Stoffballen am Hinterrad. Direkt darüber befindet sich der Tankdeckel. „Als ich zum Auto kam, war der Brand schon so weit fortgeschritten, dass ich ihn nicht mehr löschen konnte“, berichtet Lutz Richter, dessen VW Passat in der Nacht zum Donnerstag in Pirna abgefackelt wurde. Der Kreisgeschäftsführer der Linken im Landkreis steht noch immer unter dem Eindruck dieses Anschlags.“ Richter sei sich sicher, heißt es weiter, dass die Brandstiftung von Neonazis verübt wurde. Ein ihm bekannter Rechtsextremist habe am 12. Februar sein Grundstück und sein Fahrzeug fotografiert. „Ein Zusammenhang zwischen dem Fotografieren am Haus und meinem Auto und dem Brandanschlag fünf Tage später kann allerdings von mir nicht bewiesen werden — erscheint aber wahrscheinlich“, sagt Richter laut SZ.

Seit dem 13. Februar, dem Jahrestag der Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg, scheine es eine Häufung rechtextremistischer Übergriffe in Pirna zu geben. Am Abend des 13. Februar demolierte der rechte Mob nach einem gescheiterten Marsch in Dresden das SPD-Büro in Pirna. Und in der Nacht zum Mittwoch wurde ein ehemaliger Kreistagskandidat der Linken, Christian Jähnichen, auf der Klosterstraße angegriffen.

Die NPD im Landkreis rechtfertigt den Angaben zufolge den Übergriff auf das Parteibüro. „Betroffenheit über eine zerstörte Scheibe ist fehl am Platz. Die SPD kann von Glück ausgehen, dass sie nicht die gleiche Wut der Bürger traf wie 1989 die Zentrale der Staatssicherheit“, schreibt die Kreis-NPD auf ihrer offiziellen Internetseite. Die Polizei ermittelt weiter zu allen drei bekannten Vorfällen. Zum Anschlag auf das SPD-Büro ermittelt die Soko-Rex. Nach SZ-Informationen will das Landeskriminalamt alle drei Sachverhalte in einem Zusammenhang untersuchen. „Wir beobachten aufmerksam die NPD-Seiten im Internet“, bestätigt überdies Jörg Weyand, Sprecher der Polizeidirektion Oberes Elbtal-Osterzgebirge.

Hetze gegen Wecker

Unterdessen setzt die NPD weiter auf offene Hetze gegen einzelne Personen. Der NPD-Kreisverband Meißen brüstet sich mit einer „Flugblatt-Aktion“ gegen Konstantin Wecker. Die Partei bezeichnet Wecker als „linksradikalen Gesetzesbrecher, Softporno-Darsteller und Drogenkonsumenten“. Vier Mitglieder des NPD-Kreisverbandes Meißen, darunter der Landtagsabgeordnete Jürgen Gansel, verteilten bei einem Konzert Weckers nach eigenen Angaben „unter den entspannten Augen einiger Zivilpolizisten Flugblätter zur zweifelhaften Vita des Antifa-Koksers Konstantin Wecker, die von überraschend vielen Konzertbesuchern angenommen wurden“. Die NPD Meißen werde „zukünftig häufiger die örtlichen Auftritte antideutscher Kräfte mit Flugblatt-Aktionen begleiten“. Wecker habe mit seinem Blockade-Aufruf für den 13. Februar 2010 in Dresden „auch Tausende gewaltbereiter Linksautonomer [unterstützt], die nach Dresden gekommen sind, um Polizeibeamte, vor allem aber geschichtsbewußte Patrioten anzugreifen“. Weiterhin wollen die vier NPDler bestimmen, wer im Kulturschloss auftreten dürfe und wer nicht: „Auf ultralinke Pseudomoralisten und drogenkonsumierende Gesetzesbrecher wie Konstantin Wecker kann Großenhain sehr gut verzichten. In einem ‚Kulturschloß‘ haben sie nichts verloren!“

Offene Drohung gegen Westerwelle

In NRW versucht die NPD weiterhin im Landtagswahlkampf durch aggressive Parolen Aufmerksamkeit zu erhaschen. Dafür haben sich die Neonazis FDP-Chef Westerwelle ausgeguckt. Einmal mehr zeigen die Rechtsextremisten ihren fürchterlichen Humor auf, indem sie Westerwelle als „(Sch-)Westerwelle“ bezeichnen. Zudem versucht sich die NPD als Anwalt von Hatz-IV-Beziehern aufzuspielen, denen von Westerwelle paradoxerweise „Dekadenz“ unterstellt wurde. Allerdings setzt sich die NPD selbstverständlich nur für die „Millionen arbeitslosen, aber arbeitswilligen Deutschen“ ein.

Um aus dem neureichen Duktus von FDP und Konsorten Kapital zu schlagen, greift die NPD einmal mehr in Kalauer-Kiste und wirbt auf ihrer „in knalligem Rot“ gehaltenen Plakatwerbung mit der Losung „Hartz IV für Westerwelle“. Damit werde der „Anti-Moslem-Wahlkampf um eine starke soziale Komponente“ erweitert. Dass Westerwelle allerdings Moslem ist, ist neu.

Ganz offen droht die NPD: „Im Landtagswahlkampf sollte Guido Westerwelle das Ruhrgebiet besser meiden. Die nordrhein-westfälische NPD wird dort mit ihren Plakaten „Hartz IV für Westerwelle“ den Volkszorn gegen den Sozialräuber zu mobilisieren wissen.“

Siehe auch: “Die aggressiv-kämpferische Haltung der NPD ist offensichtlich”

4 thoughts on “Wecker, Westerwelle und die Wut der NPD

  1. Setzt eine offene Drohung nicht das Potenzial, sie entsprechend umsetzen zu können, vorraus?

  2. Tja, das nennt man dann wirklich Ironie: Herr Westerwelle als Opfer des von ihm mit entfachten „gesunden Volksempfinden“ („Ich spreche aus, was Alle denken!“) *lol* 😉
    Herr Westerwelle hat eben doch vergessen, WER rechts neben ihm lauert und WEM er in die Hände spielt …

    Drohungen sehen aber anders aus:

    Berliner Zeitung vom 23. Februar 2010:

    „Neonazi-Gegner erhalten Drohbriefe

    Mehrere Unterzeichner des Aufrufs „Dresden Nazifrei“ haben Drohbriefe aus der rechten Szene erhalten. Auch Geschäftsstellen der Linkspartei erhielten solche Zuschriften. Wie die Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes gestern mitteilten, fanden Antifaschisten in den vergangenen Tagen anonyme Drohbriefe in ihren privaten Briefkästen. Darin stand: „Dein Leben interessiert uns brennend …“. Den Briefen lag jeweils ein Streichholz bei. Als Absender war ein „Kommando 13. Februar“ angegeben. Der Staatsschutz übernahm die Ermittlungen. (kop.)“, Zitat Ende.

    Das ist ja in Berlin/Brandenburg nichts Neues … Es ist ja „normal“, wenn u.A. C. Worch und sein Berlin-Brandenburger „Blood & Honour“-Mob aufmarschiert und dabei u.A. die Medien bedroht („Wir kriegen Euch alle!“). Es war schon „normal“, als der sog. „Nationale Widerstand Berlin-Brandenburg“ (NWBB) und sein Anhang:

    http://www.nwbb.org/
    http://www.nwbb.org/index1.html
    http://logr.org/nasopremnitz/
    http://nw-berlin.net/
    http://fk-kwh.net/ etc.

    …vor Jahren leitende Polizeibeamte bedrohte, die dann in ihren Privathäusern durch die eigenen Beamten beschützt werden mußten, während Nachts ständig Drohanrufe erfolgten – gegen den Beamten und seine Familie. Offenbar war für die Justiz die Situation für den Beamten nicht „bedrohlich“ genug, ansonsten wäre sie vielleicht auf die Idee gekommen, ihr o.k. zum Abhören des Telefons usw. zu geben …

    Der NS-Mob macht munter weiter, obwohl der Berliner Staatsschutzabteilung eigentlich „ihre“ NS-Pappenheimer in der Region namentlich bekannt seien sollten. – Da könnte man doch, des „einschlägigen“ Verdachtes halber, einfach mal „einreiten“ (mit einem rechtsstaalich versehenen richterlichen Stempel versteht sich!). Man kennt doch die „Lunikoff“/“Landser“-Kreaturen in Berlin-Brandenburg: diese „diese-kugel-ist-für-dich“- und „linkes Gezeter=9 Millimeter!“-Gestalten. – Wer ruft denn seit Jahren seine NS-Gefolgschaft über das Internet zum braunen Einschüchterungsterror auf …!? – Wer klebt denn an Berliner Schulen solche Aufkleber wie „Horst Wessel, wir rächen dich!“, hält weiterhin derartige Vorträge:

    http://nw-berlin.net/index.php?section=artikel&t=berichte&id=159
    http://senftenberger.blogspot.com/index.html
    http://senftenberger.blogspot.com/2010/02/das-menschenbild-der-deutschen-mutter_22.html

    …und kooperiert in einem NS-Netzwerk mit dem sog. „Nationalen Widerstand Berlin“ …!? – Mit welchen Nationalsozialisten führt denn die Berliner Polizei „Kooperationsgespräche“ im Vorfeld des X-ten NS-Aufmarsches unter Anmeldung der „Kameraden vom Tor“ und einem Herrn Schmidtke mit seinen antisemitischen „Flugschriften“ einer sog. „Bürgerinitiative für Volksaufklärung e.V.“ …!? (unter „passender“ Bewerbung der gesamten gewaltbereiten NS-Szene in Berlin-Brandenburg!) – Aber augenscheinlich sieht man weiterhin keine Gründe, die Buden der einschlägig bekannten NS-Aktivisten mal gründlich „auseinander zu nehmen“. Es ist wahrscheinlich wieder einmal „keine Gefahr im Verzug“; der Verdacht auf Bildung einer kriminellen Vereinigung wird auch nicht vorliegen … und überhaupt: solange in Berlin die Bedrohten keine Eisenstange vor den Schädel kriegen (wie „Neger“ in der „Mitteldeutschen Zone“), wird alles halb so schlimm sein …

    Apropos „Mitteldeutschland“ … grrrrr … Dort läuft ja nun die große antifaschistische Gegenoffensive an – in Form einer, Zitat: „Vorbereitung“

    „(…) Start für Anti-Extremismus-Programm

    Im Freistaat haben die Vorbereitungen für das Landesprogramm gegen Extremismus begonnen. In Erfurt traf sich erstmals eine Arbeitsgruppe mit Vertetern von Parteien, Kirchen, Gewerkschaften und Verbänden.
    Sozialministerin Taubert soll das Programm in etwa einem halben Jahr vorlegen. Strittig ist derzeit noch, ob auch der Kampf gegen den Linksextremismus in dem Vorhaben verankert wird. Die CDU ist für die Einbeziehung, die SPD will in erster Linie gegen den Rechtsextremismus vorgehen. Auch Linke und Grüne warnen, dass die Zielrichtung verwässert werden könnte.“, Zitat Ende (MDR-Text, 23.02.10)

    Das ist natürlich ein nicht zu unterschätzender Einwandt der CDU in Thüringen: Der dortige Linksextremismus – speziell uff‘ n Dorf … 😉
    Und sofern man sich nicht einigen kann, sollte man es doch so machen wie in Dresden: zur allgemeinen Steuerentlastung. – Im Freistaat Sachsen ist man viel „klüger“: Da schmeißt man gar kein Geld mehr für die Jugendarbeit auf dem Lande aus dem Fenster … wäre ja auch Blödsinn, da der neu errichtete Jugendklub etc. soundso durch Neonazis vereinnahmt und/oder „abgefackelt“ wird. – Wozu also noch Geld ausgeben … ooops! 😉

    Kann man die URL bitte stehen lassen?

  3. ——– Original-Nachricht ——–
    Datum: Tue, 23 Feb 2010 19:14:42 +0100
    Von: „axel mylius“
    An:
    IS3@bmi.bund.de
    Betreff: Fwd: (informative Weiterleitung) Weitere Horst Wessel-Schulungen sowie die Netzwerke um den „Nationalen Widerstand Berlin“. – Hinweisschreiben an das LKA Berlin.

    ——– Original-Nachricht ——–
    Datum: Tue, 23 Feb 2010 19:14:03 +0100
    Von: „axel mylius“
    An:
    IS2@bmi.bund.de
    Betreff: Fwd: (informative Weiterleitung) Weitere Horst Wessel-Schulungen sowie die Netzwerke um den „Nationalen Widerstand Berlin“. – Hinweisschreiben an das LKA Berlin.

    ——– Original-Nachricht ——–
    Datum: Tue, 23 Feb 2010 19:13:23 +0100
    Von: „axel mylius“
    An:
    info@bka.de
    Betreff: Fwd: (informative Weiterleitung) Weitere Horst Wessel-Schulungen sowie die Netzwerke um den „Nationalen Widerstand Berlin“. – Hinweisschreiben an das LKA Berlin.

    ——– Original-Nachricht ——–
    Datum: Tue, 23 Feb 2010 19:12:25 +0100
    Von: „axel mylius“
    An:
    lkapraev@polizei.berlin.de
    Betreff: Weitere Horst Wessel-Schulungen sowie die Netzwerke um den „Nationalen Widerstand Berlin“. – Hinweisschreiben an das LKA Berlin.

    An:
    lkapraev@polizei.berlin.de

    Axel Mylius
    Schwarzmeerstr.25/714
    10319 Berlin
    Tel.: (030) 513 87 82
    a.mylius@gmx.net

    Berlin, den 23. Februar 2010

    Betreff:
    Weitere Horst Wessel-Schulungen sowie die Netzwerke um den „Nationalen Widerstand Berlin“

    ________________________

    Werte Damen und Herren,

    Würde die Polizei bitte von Amtes wegen das Erforderliche bzgl. derartiger Vorträge und Netzwerke veranlassen:

    http://nw-berlin.net/index.php?section=artikel&t=berichte&id=159
    http://senftenberger.blogspot.com/index.html
    http://senftenberger.blogspot.com/2010/02/das-menschenbild-der-deutschen-mutter_22.html
    http://www.kmob.de/
    http://www.aktion-widerstand.net/maf/index2.html
    http://www.asathor-auktion.net/
    http://www.zentralversand.net/
    http://logr.org/nsfkn/
    http://logr.org/nsfkn/verweise/

    Ich muß dazu anmerken, dass die MAF schließlich in unserem Land agiert – und nicht in den USA, und dass ein jeweiliges Impressum und/oder eine verifizierbare Email-Adresse vorliegt.

    Ich bitte um die Sichtung aller URL, aller weiterführenden Verweise etc. Hinsichtlich der wiederholten Vorträge (Horst Wessel) erbitte ich um Rückantwort mit dem Hinweis auf polizeiliche Ermittlungen. Nach meinem Hinweisschreiben haben sich Strafanzeigen auf der für mein Wohngebiet zuständigen Polizeidienststelle erübrigt.

    Bezüglich der Netzwerke um http://www.nwbb.org/index1.html weise ich darauf hin, dass bereits das BfV vor sechs Jahren auf die Inhalte aufmerksam gemacht wurde.

    Mit freundlichen Grüßen

    A. Mylius

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