„Die melodramatischen Szenen hätten auch Goebbels gefallen“

Bei der Berlinalen ist der Film „Jud Süß – Film ohne Gewissen“  vom Publikum ausgebuht worden. Auch die Presse zeigt sich wenig begeistert von dem Werk, welches offenbar ähnlich schwach ist, wie „Der Untergang “ mit dem menschelnden Führer. Dass es aber auch mit Humor geht, hatte Helge Schneider in „Mein Führer“ eindrucksvoll bewiesen; von britischen und amerikanischen Produktionen ganz zu schweigen. Doch bei „Jud Süß – Film ohne Gewissen“ ging das Konzept offenbar nicht auf. Pressestimmen zu dem Film.

Freitag: Wobei gerade das Ungefällige, das geschmacklos Ausfransende, das überflüssig Hinzuerfundene an Roehlers Film ihn dann doch wieder sehr sehenswert machen. Und wer weiß, vielleicht wird es am Ende doch dieses mehrheitlich als misslungenes Machwerk abgekanzelte Werk sein, von dem man in 10 oder gar 20 Jahren noch spricht. Nach dem Motto: Warst du damals dabei, als der Roehler ausgebuht wurde?  Vielleicht wäre das dann doch noch ein befriedigender Abschluss.

jud5_medium
Goebbels als Witzfigur (Foto: Concorde-Filmverleih)

Stern: Oskar Roehlers „Jud Süß – Film ohne Gewissen“ war einfach nur ein Ärgernis.

Tagesspiegel: Auch vor dem entfesselten Tobias Moretti in Roehlers „Jud Süß – Film ohne Gewissen“ sollte man Kinder vielleicht schützen. […] Flop: „Jud Süß – Film ohne Gewissen“ von Oskar Roehler. Angesteckt von seinem toxischen Stoff: Die melodramatischen Szenen hätten auch Goebbels gefallen.

Die Welt: Bei alledem waren viele Filme bis zur Unerträglichkeit lau, sie plätscherten gut gemeint dahin, sie wagten in der Regel zu wenig. An die Zuschauerinstinkte jedoch wurde stets appelliert: Kaum eine der Dunkelvisionen verzichtet auf Sexszenen, und immer ist Sex eine freudlose, herrische Sache, um Unterdrückung und Abhängigkeit zu exemplifizieren. Der Regisseur Oskar Roehler macht das in seinem furchtbar missratenen „Jud Süss – Film ohne Gewissen“ gleich mehrfach deutlich.

Avviva: Als Einführung zum Thema „Kultur und Propaganda“ reicht das Gebotene nicht. Als Ergänzung ist es jedoch brauchbar und von der Inszenierung und schauspielerischen Leistung her sehenswert, wenn frau die nötige Distanz zu einigen ärgerlichen Szenen bewahren kann. Es bleibt zweifelhaft, ob die Bildsprache Oskar Roehlers das passende Mittel ist, um eine „Erotik der Macht“ im Nazi-Deutschland darzustellen.
Im positiven Fall kann der Film die Sensibilität für die Konstruktion und die Stärkung von Vorurteilen durch die Medien (insbesondere durch den Film mit seiner visuellen Kraft) erhöhen. Wobei er dazu bewusst reflektiert werden muss, um nicht auf einen puren Unterhaltungswert reduziert zu bleiben.

Deutsche Welle: Die mit drei Filmen im Wettbewerb vertretenen Deutschen gingen bei den Hauptpreisen leer aus. Stattdessen lieferte Oskar Roehler mit seiner Kolportage „Jud Süß – Film ohne Gewissen“ den Aufreger des Festivals.

Moritz Bleibtreu im Interview mit dem WDR.

Hier der Trailer zu „Mein Führer“:

Siehe auch: Hoyerswerda: “Inglourious Basterds” nach Bombendrohung abgesetzt