NPD-Funktionäre nach Neonazi-Randale festgenommen

Hunderte Neonazis haben in der Nacht zum Sonntag in Pirna und Gera randaliert. Sie waren auf der Rückreise von dem geplanten „Trauermarsch“ in Dresden, der allerdings nicht stattfinden konnte. Nach Polizeiangaben waren die Neonazis im thüringischen Gera aus ihren Reisebussen ausgestiegen und in der Innenstadt aufmarschiert. Ein Polizist sei verletzt und Sachschaden entstanden. 183 Neonazis wurden vorübergehend festgenommen. Unter ihnen befanden sich nach Informationen des MDR auch mehrere führende Funktionäre der Thüringer NPD. Ihnen werde Landfriedensbruch vorgeworfen. In Dresden hatte bereits NPD-Bundesvorstandsmitglied Wulff offen mit Gewalt gedroht. „Um 18.00 Uhr fahren unsere Busse ab. Wenn man uns nicht zu ihnen durchlässt, werden unsere Kameraden ausschwärmen und dafür sorgen, dass die Polizei hier in Dresden heute Nacht keine Ruhe hat.“ Zudem verbreitete Wulff offenbar das Gerücht, zwei „Kameraden“ seien bei Attacken von Antifaschisten getötet worden.

"Autonome Nationalisten" im Einsatz
Neonazis im Einsatz (Archivbild, Foto: Marek Peters)

Auch in Pirna in Sachen ließen die Neonazis ihrer Wut über das Debakel in Dresden freien Lauf: Polizeiangaben zufolge versammelten sich bis zu 400 Neonazis auf dem Marktplatz und in einer Seitenstraße und warfen Pflastersteine auf das Büro einer SPD-Landtagsabgeordneten. Wie die Bundespolizei in Pirna dem MDR sagte, wollten die Neonazis danach in Bussen weiterreisen. Die Fahrzeuge seien jedoch in einer gemeinsamen Aktion von Bundes- und Landespolizei gestoppt und die Personalien der Insassen aufgenommen worden.

Mehr Mittel für Kampf gegen Rechts gefordert

Der designierte Linkspartei-Vorsitzende Klaus Ernst forderte nach den Vorkommnissen mehr Projekte gegen Rechtsextremismus gefordert. „In Dresden hat die Zivilgesellschaft gezeigt, wozu sie fähig ist. Zivilcourage ist der richtige Weg, um Neonazis in die Schranken zu weisen“, erklärte Ernst. Die Programme gegen Rechts müssten vor allem im Osten aufgestockt werden. Ernst warf Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (bis Samstag Köhler) vor, die Programme zur Bekämpfung des Rechtsextremismus kürzen zu wollen.

Siehe auch: Chronologie: Das war der Tag in Dresden, NPD-Vorstandsmitglied droht: “Lassen Kameraden ausschwärmen”

5 thoughts on “NPD-Funktionäre nach Neonazi-Randale festgenommen

  1. Man hat den Eindruck, dass die Kommentare der NPD austauschbar sind und schon vorher geschrieben werden. Das mag an den immer selben Textbausteinen liegen, siehe Pastörs aktuell zu Dresden….

    „Gewaltexzesse linksautonomer Terrorgruppen“
    „Links-Chaoten“
    „das Wüten der linken Schlägertrupps in Dresden“
    „der zum Teil auch mit Geld und Sachleistungen versorgte schwerstkriminelle linke Abschaum“
    „Bankrotterklärung des viel beschworenen Rechtsstaates BRD“

    Das kann man auch auf Zettel schreiben und in vielen Kombinationen immer neu aneinanderfügen. So entsteht ein Text der NPD :-)

    Gleichzeitig äußert Pastörs seine spannenden Fantasien:

    „Und ich habe großes Verständnis dafür, wenn jetzt in Kameradenkreisen [Anm.: die selbstverständlich rein gar nichts mit der NPD zu tun haben] darüber diskutiert wird, ob es nicht langsam an der Zeit sei, auf der Grundlage des Artikels 20, Absatz 4 des Grundgesetzes dem Unrechtssystem BRD aktiven Widerstand entgegenzusetzen.“

    Gab es da nicht etwas mit „aggressiv-kämpferischer Haltung“ zur Begründung eines Verbots?

    Besonders interessant aber wird einer seiner Sätze zu dem Verbotsantrag der Schulhof-CD, wenn man ihn auf den obigen Text bezieht:

    „Diesen Herren [Anm.: der Landesregierung MV] ist es letztlich völlig gleichgültig“, so Pastörs weiter, „daß sich die NPD an Recht und Gesetz hält.“

    Immerhin, das wäre eine neue Erkenntnis….

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