NPD-Vorstandsmitglied droht: „Lassen Kameraden ausschwärmen“

Mit Einbruch der Dämmerung droht die Situation in Dresden zu eskalieren: Rund 5000 Neonazis stehen auf dem Schlesischen Platz vor dem Bahnhof Neustadt rund 1000 Polizisten in Kampfmontur gegenüber. Seit Stunden drängen die Rechtsextremisten darauf, endlich ihren „Trauermarsch“ durch Dresdens Neustadt zu beginnen – doch die Behörden haben das strikt untersagt.

Von Stefan Schölermann, NDR Info

Jetzt, wenige Minuten vor 17.00 Uhr, spricht NPD-Bundesvorstandsmitglied Thomas Wulff per Lautsprecher eine offene Drohung aus an die Adresse der Polizei: „Um 18.00 Uhr fahren unsere Busse ab. Wenn man uns nicht zu ihnen durchlässt, werden unsere Kameraden ausschwärmen und dafür sorgen, dass die Polizei hier in Dresden heute Nacht keine Ruhe hat.“

ansattacke_marekp
Neonazis wollen durch ihre Aufmärsche Macht demonstrieren - der Anlass ist zweitrangig. (Foto: Marek Peters)

Eine offenkundige Erpressung. Zur Bekräftigung von Wulffs Worten und ihrer Gewaltbereitschaft lassen seine Gesinnungsgenossen einen Geschossregen aus Flaschen und Fahnenstangen auf die Beamten niederprasseln. Doch die Polizeiführung zeigt Gelassenheit und quittiert die Worte des Krawallanstifters wenig später mit einer schlichten Durchsage per Lautsprecher: „Hier spricht die Polizei. Der Abmarsch erfolgt ausschließlich durch den Bahnhof in bereitgestellte Züge. Es ist 16.58 Uhr. Dies ist die letzte Durchsage.“ In der Zwischenzeit haben die Beamten zusätzliche Kräfte angefordert. Hunderte Polizisten in schwarzen Kampfanzügen schaffen eine Drohkulisse, die am Ende auch die aufgeheizten Neonazis auf dem Bahnhofsvorplatz einschüchtert und in ihre Schranken weist.

Hauptgegner der Neonazis: die Polizei

Die Polizei – und nicht die von ihnen sonst so oft als „Linksfaschisten“ attackierten Gegendemonstranten – haben die Rechtsextremisten diesmal als ihren „Hauptgegner“ ausersehen. Der Grund ist eine konsequent auf Gewaltprävention und Entspannung angelegte Polizeitaktik, die aber dafür sorgt, dass den Rechtsextremisten schon bei der Anreise vor Wut der Kamm schwillt. Denn an den Autobahnen und in den Dresdner Vorstädten hat die Polizei flächendeckend Kontrollstellen eingerichtet. Hier werden Reisebusse von Neonazis und Gegendemonstranten penibel auf Waffen und verbotene Gegenstände durchsucht. Diese vorhersehbaren Überprüfungen kosten Zeit und sorgen dafür, dass tausende Rechtsextremisten erst mit stundenlanger Verspätung in Dresden eintreffen. So kommt es, dass zu Beginn des braunen „Trauermarsches“ satt der angekündigten 8000 Rechtsextremisten gerade einmal ein paar hundert auf dem Bahnhofsvorplatz versammelt sind.

Behinderung wird „billigend in Kauf“ genommen

Behutsam ist der Umgang der Polizei mit den Gegendemonstranten: An mehreren zentralen Verkehrsknotenpunkten haben sich hunderte Gegner der Rechtsextremisten zu Blockaden versammelt. Auf der Zufahrtstraße zum Bahnhof haben außerdem mehrere Landtagsfraktionen der Linkspartei zu einer „gemeinsamen und öffentlichen Fraktionssitzung unter freiem Himmel“ eingeladen. Schnell sind rund 1000 Schaulustige beisammen, die sich dieses einmalige Spektakel nicht entgehen lassen wollen. Dass sie dabei die Anfahrt der Rechtsextremisten behindern, nehmen sie „billigend in Kauf“. Die Sicherheitskräfte lassen sie gewähren. Ein Einsatzleiter der Polizei sagt: „Wenn ich die Blockaden räumen will, brauche ich zusätzlich 1000 Beamte, die ich nicht habe. Und ich brauche Wasserwerfer, die ich wegen der Kälte nicht einsetzen darf.“ Eine neuartige Definition des sogenannten „polizeilichen Notstandes“.

Den Traum der Neonazis vom Marsch durch Dresdens alternativ angehauchte Neustadt zerplatzt in den frühen Nachmittagsstunden endgültig, als die Polizei ihn per Lautsprecher untersagt: „Wir können für Ihre Sicherheit nicht garantieren.“ Die braunen Demonstranten quittieren es mit wütenden Parolen: “Die Straße frei der Deutschen Jugend!“ Doch die Straße bleibt für die Rechtsextremisten gesperrt.

Auf dem Anmarschweg der Neonazis kam es trotz aller Vorkehrungen vereinzelt zu Reibereien zwischen Rechten und ihren Gegnern aus dem linken Spektrum, bei denen es auch Verletzte gab. In der Neustadt wurden Polizisten von Linksautonomen angegriffen .Genauere Angaben der Polizei zur Zahl der Festnahmen lagen am frühen Abend noch nicht vor.

Siehe auch: Neonazis total blockiert

19 thoughts on “NPD-Vorstandsmitglied droht: „Lassen Kameraden ausschwärmen“

  1. sie alle leben in der schlaraffenwelt.

    „verhindert“!-lolololol!

    10 000 Nazis 5(!)Stunden lang in Dresden waren,Rennicke sangte,die Wionhungen der antifas gesturmt und verwuestet wurden,antifa-centrum“conni“war verwuestet,viele antifas verletzt waren,in Pirna und Gera die nazis randalierten-und das heisst-„verhindert“?!!!

Comments are closed.