Schall: Es gab noch Drohanrufe von NPDlern

Der Tagesspiegel hat ein halbes Jahr nach den öffentlichen Drohungen der NPD gegen Zeca Schall noch einmal mit dem CDU-Politiker aus Thüringen gesprochen. Schall berichtet, er stehe nun nicht mehr unter Personenschutz und es gebe auch keine Drohungen mehr. Allerdings sei er noch öfter bedroht worden. „Kurz nach der Geschichte mit der NPD kam es noch zu anonymen Drohanrufen“, so Schall, „einige der Anrufer konnten inzwischen von der Polizei ermittelt werden. Sie gehörten wohl auch zur NPD.“ Er sei „sehr froh, dass diese Zeit vorbei ist. Derzeit fühle ich mich sicher.“

Schall bewertet das Jahr 2009 trotz der rassistischen Drohungen gegen sich als positiv. Im neuen Jahr müsste nun ein NPD-Verbot angepackt werden. Es sei „schwierig geworden“, mit der NPD als eine zugelassene Partei umzugehen, so Schall. Dazu komme: „Wir finanzieren diese Partei mit unseren Steuergeldern. Das kann nicht sein. Wir – Sie und ich – zahlen denen noch Geld, damit sie uns dann auf der Straße verprügeln können.“

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Die NPD rief zu einem persönlichen Gespräch mit dem "Quotenneger" Schall auf.

Schall wies Berichte zurück, wonach die CDU ihn nach der rassistischen Hetze der NPD fallengelassen habe. Das stimme „so nicht“. Es sei seine „persönliche Entscheidung“ gewesen, sich für einige Tage zurückzuziehen. „Die Zeit war sehr stressig und ich brauchte unbedingt Erholung. Jeden Tag standen gefühlte 50 Kameras vor dem Haus, Reporter wollten Antworten – und dazu dann noch der übliche Wahlkampf. Aber schon nach kurzer Zeit war ich wieder voll in den Wahlkampf integriert.“

Die neonazistische NPD hatte mit ihrer rassistischen Kampagne gegen den schwarzen CDU-Politiker Schall – wie geplant – für Schlagzeilen gesorgt – und daraufhin war die CDU angeblich auch noch vor der menschenverachtenden Hetze eingeknickt. Das schrieb zumindest der sächsische NPD-Funktionär Jürgen Gansel in einer Mitteilung. Hintergrund: Die CDU in Thüringen hat Plakate, auf denen Schall zu sehen war, überklebt. Unklar erschien nur, ob dies bereits geplant war – oder ob die CDU tatsächlich von Schall abrückte, wie es die Rassisten der NPD frohlocken (”Landesweit wird derzeit damit begonnen, das umstrittene Plakat mit dem CDU-Quotenneger Zeca Schall durch andere Plakate zu ersetzen.”) – und wie es Indymedia verbreitet wurde.

Die CDU Thüringen schrieb hingegen, man habe “planmäßig seit dem 10. August 2009 entsprechend dem Dekadenplan für Großflächenplakatierung mit einem zweiten Durchgang der Plakatierung zur Landtagswahl begonnen”. Darüber hinaus habe die CDU Thüringen am 13. August 2009 bei der Thüringer Generalstaatsanwaltschaft in Jena Strafanzeige u. a. wegen Volksverhetzung (§ 130 Strafgesetzbuch), Nötigung (§ 240 Strafgesetzbuch) und Beleidigung (§ 185 Strafgesetzbuch) gestellt.

Zuvor hatte die Polizei den schwarzen CDU-Kommunalpolitiker nach Drohungen der NPD unter Polizeischutz gestellt. Rassisten wollten sich dem Wohnhaus von Schall nähern, die Polizei verhängte Platzverweise. Schall lebt seit 21 Jahren in Deutschland und ist deutscher Staatsbürger.

Siehe auch: NPD-Hetze gegen schwarzen CDU-Politiker: Das Ende der Ignoranz in Thüringen?

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