Über Täuschung und getäuscht werden wollen

Anlässlich eines Artikels auf NPD-Blog.info wird auf Altermedia über die DVU diskutiert. Das alles ist nicht so interessant, aber einen Kommentar finde ich wirklich bemerkenswert. Der Leser wendet sich an Christian Worch, der sich seit einiger Zeit für die DVU engagiert. Worch ist seit Jahrzehnten in der rechtsextremen Szene aktiv, dabei zwar intern nicht unumstritten, aber eben doch immer dabei.

Von Florian Röpke

Man mag mir diese Kurzfassung nachsehen. Da war es also nicht nur für mich irritierend, warum Worch ausgerechnet in der DVU eine Chance sieht, oder gesehen hat, wollte doch die DVU weg vom Image einer NS-Nostalgiker, bzw. rechtsextremen Partei. Doch nun kurz zum Kommentar auf Altermedia:

(…) Der DVU habe ich trotzdem vertraut, weil Sie (Worch, Anm. F.R.) Fürsprecher waren. D.h. ich habe darauf vertraut, daß die DVU etwas sagt, um zugelassen zu werden und etwas anderes denkt. (…)

Und dieses Vertrauen ist, wie ich meine, durchaus rational. Denn natürlich will sich jede rechte Partei als wählbare Alternative darstellen und weiß zugleich, dass mit Adolf Hitler nichts mehr zu gewinnen ist. Das ist auf der einen Seite natürlich erfreulich, zeigt es doch eine allgemeine gesellschaftliche Ablehnung, auf der anderen Seite ist es aber, siehe verschiedene Wahlerfolge rechter Parteien, erschreckend, dass diese offensichtliche Täuschung Früchte tragen kann. Desweiteren stellt sich natürlich die Frage, ob sich so mancher Wähler nicht gerne “täuschen” lässt, nicht nur in Bezug auf den Altermedia-Kommentar.

An dieser Stelle wird dann auch ein so genannter “Kampf gegen Rechts” scheinbar unscharf, denn es wird versucht den Bezug zum Nationalsozialismus herzustellen, obwohl die betreffenden Parteien oder Organisationen diesen Bezug weit von sich weisen. Nicht wenige Beobachter sehen dann eben diesen Bezug als Behauptung und Mutmaßung an, ignorieren dabei aber die Faktenlage und tiefer liegende, gut begründete Urteile.

Aus meiner eigenen Erfahrung (NPD) kann ich das übrigens auch herleiten. Ich selbst habe den Bezug zum Nationalsozialismus ebenfalls erst nicht gesehen und später dann sogar bestritten, manchmal sogar wissentlich ausgeblendet. Zudem erschien es mir als nicht relevant in Bezug zu Gegenwartsthemen und außerdem als ein ärgerliches Hindernis bei der politischen Arbeit. Aber es lässt sich nicht ausblenden  und auch nicht unter den Teppich kehren. Und man muss sich gegen Verharmlosung wehren, im ersten Schritt findet sie nämlich im eigenen Kopf statt, als eine Art Rückversicherung, also selbst wenn dann hier und da ein Bezug zum NS da wäre, dann wäre das ja auch nicht so schlimm. Ich habe das geschafft und es war nicht so einfach, wie man vielleicht denkt.

Wenn ich also hier schreibe, dann bin ich vielleicht ebenfalls nicht unumstritten als Person mit fragwürdigen Werdegang, aber immerhin doch problemlos in der Lage mich mit dem Themenbereich “Rechts” auf persönlicher Erfahrungsbasis zu beschäftigen. Wenn man also den Ausführungen (z.B.) eines Patrick Gensing nicht glauben möchte, dann sollten wenigstens die verschiedenen Erfahrungsberichte, die sich alle irgendwie ähneln, nachdenklich stimmen.

Natürlich wäre es bequemer und besser, wenn alles nur erlogener Quatsch oder maßlose Übertreibung wäre, mit der Pointe kann ich aber nicht dienen. Vielmehr sollte man sich aber fragen, in wessen Interesse solche Unglaubwürdigkeits-Urteile liegen und welche Konsequenzen daraus entstehen (können). Ich bleibe jedenfalls am Ball und kann gut damit leben von Personen als “unseriös” bezeichnet zu werden, denen ich im Gegenzug “Täuschung” vorwerfe.

Siehe auch: “Zähne zusammenbeißen und auf die Machtübernahme warten”

3 thoughts on “Über Täuschung und getäuscht werden wollen

  1. Kommt der Artikel ursprünglich von hier oder ursprünglich von Florian Röpkes Blog? Wurde er von Ihnen oder von ihm verfasst?
    Er ist nämlich auf beiden Seiten zu finden, in beiden Fälle ohne eindeutige Angabe des Verfassers.

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