NPD-Stratege fordert ausländerfreundliches Image

Die Wahlniederlagen im vergangenen Jahr machen der NPD weiterhin zu schaffen. Und so tauchen zurzeit zahlreiche Positionspapiere auf, um eine erfolgreiche Strategie für die Neonazi-Partei zu entwickeln. Interessant an den Abhandlungen ist vor allem die Selbstwahrnehmung der NPDler. So meint NPD-Funktionär Safet Babic, die schlechten Wahlergebnisse seien hauptsächlich durch externe Faktoren bedingt gewesen. Die Partei müsse vollkommen neue Wege gehen – fordert Babic- und beispielsweise als „ausländerfreundlich“ gelten.

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Die NPD wünscht "gute Heimreise"... (Foto: Marek Peters)

Selbstverständlich meint der NPD-Funktionär diesen Vorschlag nicht ernst, er will das ausländerfeindliche Image der NPD nur konterkarieren, glaubt, dies sei Humor und bringe Wählerstimmen ein. Dennoch könnten ihm die Worte um die Ohren fliegen, immerhin ist Babic wegen seiner Abstammung ohnehin umstritten in der völkischen Parallelwelt.

Babic findet, die NPD sei „medial sehr gut präsent“. An mangelnder Bekanntheit könne das schlechte Abschneiden nicht liegen. Grundlage für ein „richtiges Strategiekonzept“ müsse zunächst eine „Analyse der bestehenden Verhältnisse und eine politische Freund-/Feind-Bestimmung sein“, so Babic. Und die Analyse der Verhältnisse fällt nicht sonderlich rosig aus:

Wir müssen erkennen: Wir sind schwach, und der politische Gegner ist übermächtig. Um das zu ändern, brauchen wir nicht nur andere Personen an den Schalthebeln der Macht, sondern auch andere Institutionen und vor allem eine andere geistige Grundlage.

Um diese Übermacht zu brechen und eine neue geistige Grundlage zu schaffen, setzt Babic auf eine langfristige Strategie, die sich vor allem an der Jugend orientiert:

Während die Besucherzahlen bei Schulungen und Rednerveranstaltungen im Regelfall überschaubar sind, werden Konzerte und andere Freizeitaktivitäten viel stärker angenommen. Die Besucherzahlen des Deutsche Stimme-Pressefestes sprechen eine deutliche Sprache. Um langfristig kulturelle Hegemonie als notwendige Vorbedingung für politische Macht aufzubauen, werden wir einen langen Atem brauchen. Mittelfristig erscheint aber die flächendeckende Etablierung von regionalen Arbeitskreisen »Kultur und Freizeit« realistisch. […] Denkbar wären auch überregionale Vernetzungstreffen mit nationalen Künstlern und Organisationsleitern, was für beide Seiten sicherlich von Interesse wäre. Langfristig wäre auch nationaler Techno und HipHop denkbar, um neue Personenkreise für die nationale Sache zu begeistern.

Offen räumt Babic ein, dass die NPD nur mit dem Schüren von Ängsten arbeitet, er nennt dabei die Stichpunkte Globalisierung, „Islamisierung“ sowie „gesellschaftlicher Verfall“. Die „angerissenen Themenfelder haben gemeinsam, daß sie mit verborgenen Ängsten verbunden sind“, so Babic. „Die emotionale Komponente“ der NPD-Propaganda müsse „noch viel stärker betont werden“. Um seine Überlegungen zu unterfüttern, beruft sich Babic auf einen merkwürdigen Vergleich sowie das eigene Bauchgefühl:

Jeder Raucher weiß, daß die Glimmstengel ungesund sind, genauso wissen auch die meisten Deutschen, daß nationale Politik gut für das eigene Volk ist.

Babic zeigt sich überzeugt, dass „letztlich das schlechte »Image« primär durch externe Faktoren bedingt“ sei. Eigenes Fehlverhalten wird bei den Völkischen einmal mehr ausgeblendet. Denn Babic selbst trägt nicht unbedingt zu einem vorzeigbaren Schwiegersohn-Image bei, der stellvertretende Landesvorsitzende der NPD Rheinland-Pfalz soll sich wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht verantworten. Er soll sich Mitte Mai im Kommunalwahlkampf in Trier an einer Prügelei wegen abgerissener NPD- Plakate beteiligt haben, bei der ein 21-Jähriger krankenhausreif geschlagen wurde, teilte die Staatsanwaltschaft im November 2009 mit. Es sei “hinreichend wahrscheinlich”, dass Babic – nachdem er von den beschädigten Plakaten erfahren hatte – ein “Rollkommando” zur Ergreifung und Bestrafung der drei Plakatabreißer zusammengestellt habe. Auch das Wahlkampfmotto „Schlagt zurück“ kam vielleicht nicht so gut an, wie von Babic erhofft.

Und dass die NPD vielleicht wegen ihrer (offenen) rassistischen und antisemitischen Hetze für den größten Teil der Bürger als unwählbar gilt, fällt dem NPD-Strategen nicht ein. Schuld sind, wie immer, die anderen.

Siehe auch: Rollkommando Babic: Anklage gegen NPD-Vize wegen Körperverletzung, Wahlkampfparole der NPD: “Schlagt zurück!”

Mehr zu der Strategiedebatte bei der NPD: NPD-Strategie im Westen: Kulturkampf statt Rassenkrieg, “Zähne zusammenbeißen und auf die Machtübernahme warten”, Riss zwischen NPD-Führung und Fraktion in Schwerin, Sächsische NPD feiert “Erfolg für sächsischen Weg”

6 thoughts on “NPD-Stratege fordert ausländerfreundliches Image

  1. Wo ist denn die quelle, wenn man das fragen darf?Die googlesuche (Text) ergibt als Treffer nur das NPDBlog. Nicht dass ich es dem nicht glauben würde 😉 aber das täte mich schon interessieren. [Ist übrigens generell ein Manko am sonst guten Angebot!]

    MfG

    D.R.

    Die Deutsche Stimme. Wo fehlt denn sonst die Quelle?!? Außer den Namen einiger Nazi-Seiten ist doch immer eine dabei.
    Grüße
    PG

  2. Wäre es vielleicht möglich, den zitierten Artikel komplett zugesandt zu bekommen?
    Könnte immerhin unsere Arbeit in Trier etwas erleichtern.

  3. „Jeder Raucher weiß, daß die Glimmstengel ungesund sind, genauso wissen auch die meisten Deutschen, daß nationale Politik gut für das eigene Volk ist.“

    Naja, dann wünschen wir der nationalen Fraktion das Beste: einen baldigen E*** durch Lungenkrebs zur Volksgesundung, um in der Bildebene des Vergleiches zu bleiben.

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