Kritik an Steinbach: „Holocaust-Gedenken kein Taubenschlag“

Die Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen, Steinbach, steht in der Kritik, da sie die Gedenkveranstaltung am 27. Januar im Bundestag anlässlich der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz vor der Rede des polnischen Historiker Tych verlassen hat. Steinbach hatte andere Termine, heißt es aus ihrem Büro. Der Grünen-Abgeordnete Beck nennt ihr Verhalten hingegen „unerträglich“.

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Erika Steinbach (Foto: Dontworry/Wikipedia)

Das Verhalten von Erika Steinbach zeige, dass sie weder über das notwendige historische noch politische Feingefühl verfüge, so der Grünen-Abgeordnete Volker Beck auf Anfrage. „Für den Stiftungsrat der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung hat sie einmal mehr gezeigt, dass sie gänzlich ungeeignet ist.“ Der Versöhnungscharakter der Stiftung werde durch Steinbach in regelmäßigen Abständen konterkariert.

Die Erklärung, die BdV-Chegin habe andere Termine gehabt, hält Beck offenbar für unzureichend: Sie sei viel zu lange Politikerin, als das sie nicht wissen würde, welche Bedeutung es als Vorsitzende des Bundes für Vertriebene hat, das Plenum zu verlassen wenn ein polnischer Historiker redet.“ Die Gedenkstunde für die Opfer des Holocaust sei „keine Veranstaltung im Taubenschlag“.

„Walze des Holocausts“

Am 27. Januar 1945 hatten Truppen der sowjetischen Roten Armee das deutsche Konzentrationslager Auschwitz befreit. Seit 1996 ist das Darum ein nationaler Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Im Bundestag findet dazu alljährlich eine Gedenkstunde statt. Neben dem israelischen Staatspräsidenten Shimon Peres sprach in diesem Jahr zu diesem Anlass unter anderem der polnische Historiker Feliks Tych, geboren 1929. Er berichtete dabei von seinen eigenen Erlebnissen im Zweiten Weltkrieg. „Als ich mich von meinen Eltern verabschiedete, dachte ich keinen Moment daran, dass ich sie zum letzten Mal sehen könnte.“ Die SS deportierte die Gettobewohner von Radomsko ins Vernichtungslager Treblinka: „So starben meine Eltern, mein ältester Bruder, seine Frau und ihr vierjähriges Kind und meine Schwester mit einem dreijährigen Kind. Ihr Mann war schon früher als politischer Häftling in Auschwitz umgekommen; dort starben auch meine älteste Schwester, ihr Mann und ihre siebenjährige Tochter.“ Einen anderen erwachsenen Bruder habe die Gestapo im Herbst 1943 in den Ruinen des Warschauer Gettos erschossen.

Für Tych hat die „Walze des Holocausts“ unverkennbare Spuren hinterlassen. Die moralischen Normen großer Bevölkerungsgruppen seien bedenklich deformiert worden. „Der Holocaust hat in Teilen der Bevölkerung die niedrigsten Instinkte freigesetzt und sie in der Überzeugung bestärkt, dass man Juden immer ungestraft ermorden könne.“ In den ersten 50 Jahren nach dem Holocaust sei dieser fast ausschließlich als deutscher Völkermord wahrgenommen worden, „was für eine Reihe von Ländern sehr bequem war“. Es sei längst kein Geheimnis mehr, dass fast in jedem europäischen Land, in dem die Nazis Juden verfolgten, „ein Teil der einheimischen Bevölkerung so oder anders in den Völkermord verwickelt war“. „Nichts kann das Dritte Reich von der Verantwortung für den Holocaust freisprechen“, sagte Tych. „Aber es gibt auch keinen Grund, die Regierungen Ungarns, Rumäniens, der Slowakei, Bulgariens oder Kroatiens, die diese Gesetze nachahmten, in der Erzählung über den Holocaust auszusparen.“

Steinbach höchst umstritten

Die Personalie Steinbach sorgt bereits seit Monaten für Debatten – und für Streit in der Regierung. Denn Außenminister Westerwelle will Steinbach nicht im Stiftungsrat des“ Zentrums gegen Vertreibungen“ sehen. Steinbach gilt vielen als ungeeignet, nicht zuletzt wegen ihrer Aussagen bezüglich desr deutschen Vergangenheit. So betonte Steinbach im Chat bei tagesschau.de, dass sich der BdV äußerst selbstkritisch der eigenen Geschichte stelle. Zwar sei das “eine oder andere” Mitglied auch bei der NSDAP gewesen, doch habe man “mehr Widerstandskämpfer als Nationalsozialisten” gehabt. Sie äußerte den Wunsch, dass auch andere so selbstkritsch gewesen wären wie der BdV.

Der Wissenschaftler Samuel Salzborn erklärte auf Anfrage des Autors, die Behauptung von Steinbach zu den Widerstandskämpfern im BdV sei “blanker Unsinn”. “Ob es unter den einfachen Mitglieder eine nennenswerte Anzahl von Widerstandskämpfern (was auch immer Frau Steinbach darunter verstehen mag) gibt oder gegeben hat, entzieht sich meiner Kenntnis”, so Salzborn. “Für die GEWÄHLTEN Führungen der Vertriebenenverbände, insbesondere die einflussreichen Landsmannschaften, ist diese Aussage für die 1950er und 1960er Jahre blanker Unsinn”.

Siehe auch. Steinbach: “Mehr Widerstandskämpfer als Nazis im BdV”, Westerwelle, der Vaterlandsverräter, “Vorsätzlich geplante Vernichtungsaktion gegen Deutsche”

13 thoughts on “Kritik an Steinbach: „Holocaust-Gedenken kein Taubenschlag“

  1. „Ist dir eigentlich klar dass die Schlesier in überwältigender Mehrheit für den Anschluss waren? Spricht irgendwie ein bisschen dagegen dass sie keine Deutschen sein sollen.“

    Wenn Du mit diesem diletantischen Argument – was typisch ist für nen Deutschen wie Dich – kommst, wirst Du auch von Österreichern keine bessere Antwort auf die Frage bekommen, warum die Österreicher „ins Reich“ wollten. Ich kann Dir die Antwort sagen: weil Kleinnationen wie Schlesien, Österreich und Ostbelgien an der Front zu den Großmächetn zuerst mal vertsändlicherweise an die Unversehrtheit ihrer eigenen Familien gedacht haben und sich bei dem vermeintlich stärkeren der auch noch die gleiche Sprache spricht auf der sicheren Seite gefühlt haben, bevor man sich überlegt für welche Konsequenzen man mit einem Anschluss an das dritte Reich zu rechnen hat.

    Im übrigen haben die Oberschlesier in Oppelen und Lodz nach 1921 Polen das Vertrauen ausgesprochen als sie zwischen den Fronten waren. Bei einer amtlichen Befragung des polnischen Statisktikamtes im Jahr 2002 gaben mehr als 200.000 Schlesier zwischen Zgorzelec und Katowice offiziell im Face-toFace-Interview an, sich reell von der Nationalität als Schlesier anstatt D oder PL zu fühlen.

    Und Ostbelgien mit Stolz auf die Deutsche Sprache genießt heute einmalige Minderheitenrechte in Europa, da denkt partout niemand an den Anschluss an die BRD oder welchen Rechtsnachfolger Deutschlands auch immer, und das ist gut so.

    Vielleicht verlange ich von einem Deutschen zu viel, eine Unterscheidung zwischen Deutsch und Deutschsprachig zu machen, aber Frau Steinbach wurde von der C*U mit Sicherheit nicht aus Nächstenliebe sondern zum Rattenfang bei den Ostflüchtlingen angestellt.

  2. „was typisch ist für nen Deutschen wie Dich“

    Ich merk schon, da hat einer den gannz großen Durckblick. Nerv jemand anderen.

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