„Arbeitsstelle gegen Rechts“ statt Neonazi-Museum

Die Entscheidung der Stadt Wolfsburg, das Gebäude des insolventen „Möbelhaus Alsdorff“ von ihrer kommunalen Tochter „Wolfsburger Struktur- und Beteiligungsgesellschaft“ (WBS) kaufen zu lassen, ist von der IG Metall Wolfsburg ausdrücklich begrüßt worden. „Damit sind die Pläne der Neonazis, hier ein sogenanntes KdF-Museum einzurichten, endgültig vereitelt“, zeigt sich der 1. Bevollmächtigte Frank Patta. „Statt ein braunes Haus bekommen wir jetzt ein Haus der Demokratie“, so der Gewerkschafter. Nach bisherigem Stand soll künftig das Sozialkaufhaus „Lichtblick“ und eine Niederlassung der „Arbeitsstelle Rechtsextremismus und Gewalt“ (ARUG) die Räume nutzen. „Eine bessere Symbolik kann ich mir kaum vorstellen.“

NPD-Funktionär Jürgen Rieger (Quelle: Recherche Nord)
NPD-Funktionär Jürgen Rieger (Quelle: Recherche Nord)

Anders als einige andere Städte, in denen Neonazis den Kauf von Gebäuden angekündigt hatten, habe Wolfsburg erst dann zugegriffen, als ein eigenes Nutzungskonzept für das Gebäude vorlag und kein überhöhter Preis mehr gezahlt werden musste. „Erpressen oder unter Druck setzen haben wir uns nicht lassen“, unterstreicht Patta. „Wäre Rieger nicht gestorben und damit die wichtigste Geldquelle versiegt, sondern das Neonazi-Projekt weiter vorangetrieben worden, dann hätten wir es auf anderem Wege verhindert – friedlich, aber entschlossen“, ist sich der Gewerkschafter sicher.

Lesetipp: Die Immobilien-Masche zieht nicht mehr

Im vergangenen Jahr hatte die Inhaberin des traditionsreichen Möbelhauses mehrere Monate lang mit dem inzwischen verstorbenen NPD-Funktionär Jürgen Rieger über einen Verkauf des Gebäudes verhandelt. Es ist etliche Hundert Quadratmeter groß und liegt in unmittelbarer Nähe des VW-Werks. Der millionenschwere Neonazi wollte in der Immobilie ein sogenanntes KdF-Museum einrichten, um die NS-Freizeitorganisation „Kraft durch Freude“ zu verherrlichen. Dafür soll er einen Preis weit oberhalb des Verkehrswerts geboten haben.

Kurz nach Bekanntwerden der Pläne war der „Wolfsburger Schulterschluss der Demokraten“ aktiv geworden. „Die Mahnwachen, Demonstrationen und anderen Aktionen haben deutlich gemacht, dass in Wolfsburg kein Platz für Neonazis und braune Geschichtsfälschung ist“, unterstrich Patta. Geschlossenheit sei dabei der Schlüssel zum Erfolg gewesen. „Alle wichtigen gesellschaftlichen Akteure – Parteien, Kirchen, Gewerkschaften, aber auch Volkswagen oder der Bundesligist VFL Wolfsburg – haben in dieser Sache an einem Strang gezogen“, so der IG Metall-Chef. „Noch heute hängen die Fahnen des Schulterschluss überall in der Stadt“.

Siehe auch: Neonazis finanzieren Arbeit gegen Rechtsextremismus, Jahresrückblick: Oktober: NPD-Vize Rieger stirbt, Proteste gegen “KdF-Museum” in Wolfsburg / NPD-Anhänger attackieren Fotografen, NPD-Spitzenfunktionäre wollen KdF-Museum gründen / Szeneinterne Kritik, Rechtsextremes “Kulturzentrum” in Wolfsburg?, Neonazis wollen in Wolfsburg “Kraft durch Freude”-Verein ins Leben rufen.

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