Wernigeröder SPD-Stadtrat offenbar von Neonazis überfallen

Am 28. Januar 2010 ist der Wernigeröder SPD-Stadtrat und stellvertretende Juso-Landesvorsitzende Kevin Müller Opfer eines brutalen Überfalls mutmaßlich rechter Schläger in Wernigerode geworden. Die SPD- Landesvorsitzende Katrin Budde verurteilte den Angriff scharf. „Der Überfall zeigt, dass Rechtsextreme vor keinem Mittel zurückschrecken. Jeder kann Opfer ihrer Gewalt werden.“ Besonders erschreckend sei erneut die Brutalität der Angreifer.

Laut Magdeburger Nachrichten sagte Budde weiter.

„Die Anhänger rechtsradikalen Gedankengutes – in diesem Fall der Blankenburger Nationalen Front – machen in ihrer von Stumpfsinn, Intoleranz und Frustration geprägten Weltsicht nicht vor Gewalt gegen Demokraten und Andersdenkende halt und schlagen und treten sogar auf am Boden Liegende ein“, erklärt der Juso-Landesvorsitzende Andrej Stephan. „Wir sind froh und dankbar, dass unserem aktiven Mitstreiter Kevin Müller bei der nächtlichen Attacke nichts Schlimmeres passiert ist.“ Müller, der sich seit Jahren aktiv gegen rechte Umtriebe engagiert, musste im Krankenhaus behandelt werden, ist wieder wohlauf und hat bereits erklärt, „ich werde mich auch weiterhin nicht vor Nazis zu verstecken. Denen gehört das Handwerk gelegt.“

Kevin Müller studiert den Angaben zufolge Mathematik und Physik auf Lehramt (Gymnasium) und sitzt seit 2004 für die SPD im Stadtrat von Wernigerode. Er ist zugleich Vorsitzender des Vereins Kulturmotor Wernigerode e.V.

Kevin Müller berichtete gegenüber den MN selbst den Hergang:

Er sei nach einer Stadtratssitzung, in der seit kurzem leider ja auch die NPD mit Michael Schäfer vertreten sei, zunächst in ein Lokal gegangen. Gegen 23:30 Uhr sei er dann mit drei Freunden aufgebrochen und wurde von zwei angetrunkenen 20 bis 25-jährigen Personen zuerst mit „Ihr Zecken“ angpöbelt und anschließend direkt angegriffen. Hierbei hätten die Angreifer es insbesondere auf ihn abgesehen gehabt. Nach ersten Schlägen ins Gesicht wurde auch am Boden liegend weiter auf ihn eingetreten. Erst als die Freunde die Polizei informierten, ließen sie von ihrem Opfer ab und flüchteten in eine Seitenstraße und anschließend vermutlich mit einem grauen Renault. Kevin Müller musste zunächst im Krankenhaus behandelt werden, erlitt jedoch durch die dicken Wintersachen nur leichte Verletzungen. Müller erwähnte dem Bericht zufolge das vermehrte Auftreten von Rechtsradikalen in Wernigerode und Halberstadt. So sei erst vor Kurzem ein eigenes Bürgerbüro der NPD in Halberstadt eröffnet worden. Der Organisationsgrad steige an.

Katrin Budde zollte dem 25jährigen großen Respekt: „Es gehört sehr viel Mut dazu, sich trotz dieses Überfalls nicht unterkriegen zu lassen. Das ist gelebtes bürgerschaftliches Engagement. Die Rechten müssen spüren, dass sie, ihre Ansichten und ihre Gewalt in der Gesellschaft nicht willkommen sind. Nur so lässt sich der braue Sumpf austrocknen.“ Budde erneuerte in diesem Zusammenhang die Forderung nach einem NPD-Verbot. „Das ist kein Allheilmittel, aber eine Partei, die Gewalt als legitimes, politisches Mittel propagiert, darf nicht noch mit Steuergeldern unterstützt werden!“

Siehe auch: Online-Meldeformular für rechtsextreme Vorkommnisse, Im Harz alles beim Rechten, NPD im Harz will nationales Jugendzentrum mit Geldern aus aufgegebenem Bundesprogramm finanzieren, Sachsen-Anhalt: Der freundliche NPD-Kandidat von nebenan

4 thoughts on “Wernigeröder SPD-Stadtrat offenbar von Neonazis überfallen

  1. Im Harz lebt jeder, der Flagge zeigt gegen den rechten Mob, gefährlich. Die rechten Schläger bewegen sich dort wie Fische im Wasser, sie sind bekannt, nicht nur vom Namen, auch vom Gesicht her, und sie demonstrieren immer wieder offen ihre menschenverachtende Gesinnung, schüchtern ein und schlagen auch bei jeder sich gebenden Gelegenheit immer wieder gerne zu.

    Auf Widerstand stoßen sie selten. Insbesondere die Zuständigen tauchen gerne ab, wo sie nur können, und in den Amtsstuben gibt man sich allzu oft überfordert. Der brutale Überfall auf einen engagierten Juso verwundert deshalb nicht, auch wenn er einen erneut erschrecken lässt. Kevin Müller deshalb aus Berlin alles Gute und solidarische Grüße!

  2. Neue Überfälle in Sachsen-Anhalt und die seltsamen Entpersonalisierungen eines sächsischen Justizministers (!). – Wie man Menschen zur Gewaltbereitschaft konditioniert.

    MDR-Text (hinsichtlich der Neuigkeiten aus Sachsen-Anhalt) vom 3.Februar 2010:

    „Salzwedel: Rechtsextreme überfallen linken Verein

    Eine Gruppe mutmaßlicher Rechtsextremer hat am Dienstag in einem Vereinshaus in Salzwedel randaliert. Nach Polizeiangaben drangen die Täter am Abend in die von einem Verein aus dem linken Spektrum genutzten Räume ein und zerstörten Mobiliar. Zudem schlugen sie einen 19 Jährigen nieder.
    Die Polizei sieht den Angriff im Zusammenhang mit einem von Neonazis am 13. Februar in Dresden geplanten Aufmarsch. Die Mitglieder des angegriffenen Vereins hatten Aktionen gegen den Aufmarsch besprochen. Die Polizei geht deshalb von einem politischen Motiv für den Überfall aus“, Zitat Ende.

    Im gleichen Videotext (bzgl. der Neuigkeiten aus Sachsen), zitiert der MDR, unter der Überschrift „Martens erwartet Großeinsatz in Dresden“, den Justizminister:

    „Wir dürfen es nicht zulassen, dass der Gedenktag zum Tummelplatz von rechtsextremen Ideologien und linken Chaoten wird“, Zitat Ende. Der MDR verweist auch auf Innenminister Ulbig (CDU), der mehrere Tausend Polizeibeamte für den 13. Februar bündelt und bindet.

    Während es also für den Justizminister bereits feststeht, dass auf dem durch DIE VERSAMMLUNGSBEHÖRDEN sanktionierten „Tummelplatz“ (einer Ausweichörtlichkeit für die „JLO“ und deren NS-Anhang) offensichtlich ausschließlich „linke Chaoten“ protestieren werden, bekommen die Protagonisten der Verbreitung von, Zitat „rechtsextremen Ideologien“ durch den Justizminister kein Gesicht! – Die „rechtsextremen Ideologien“ wabern quasi Unpersonalisiert über jenem „Tummelplatz“: Es gibt für den Justizminister WEDER PERSONEN, NOCH PERSONENZUSAMMENSCHLÜSSE etc., die er als Ideologen der Ideologie bezeichnen könnte oder wollte! – Dagegen wird der Protest, wie auch die letzten Wochen zeigten, in EINE RICHTUNG stigmatisiert und personalisiert: „Linke Chaoten“ …

    … Und „selbstverständlich“ gibt es linke Chaoten: in jeder Metropole der Welt gibt es linke Chaoten, so wie es rassistische und nationalistische Todschläger jeglicher Coloeur gibt; es gibt gute Menschen ebenso, wie es auch menschliche Arschlöcher in allen Parteien und Glaubensgemeinschaften dieser Welt gibt; es gibt freundliche und korrekte „Bullen“ genau so, wie es unfreundliche und korruppte „Bullen“ gibt … aber ist es DAS, was der Justizminister uns Alle wissen lassen möchte? – Natürlich nicht, denn seine Aussagen bleiben verallgemeinernd hinter dem Tellerrand zurück, da es für ihn offenbar nur Bündnisse gibt, die „linke Chaoten“ beherbergen. Diese Indoktrination ist um so erschreckender, da seine Partei und die CDU NICHT demonstrieren: Demokraten der Mitte (oder vorgebliche Demokraten der Mitte) demonstrieren eben in unserem Land nicht gegen die neuen Nationalsozialisten, und dies aus einem Grund: Man weigert sich einfach sie zur Kenntnis zu nehmen; man attestiert zwar das Vorhandensein von, Zitat „rechtsextremen Ideologien“, aber diese scheinen aus dem Nirvana zu kommen: die kommen nicht von der NPD, der JN, der „JLO“ und hunderten „Freien Kameradschaften“; auch der ständig steigende NS-Terror „auf dem Lande“ kommt wohl aus dem Nichts!

    Sofern der Justizminister vollmundig verkündet, dass „wir“ es nicht zulassen dürfen, das „Tummelplätze“ entstehen … na wie jetzt …!? – Wer schafft denn diese „Tummelplätze“ erst … und vor Allem: WER IST WIR ..!? Wenn ich mich, oder jeder andere Engagierte, auf die Straße setze/n um den „Tummelplatz“ zu blockieren, dann sind „WIR“ doch gleich Kriminelle … lol 😉

    Man überlege sich nur, diese Aussage von Martens käme vom sächsischen Innenminister, der nun so tut, als sei er lediglich für „die Platzierung“ der Polizei zuständig! – Ob dieser Innenminister auch nur auf „rechtsextreme Ideologien“ auf „Tummelplätzen“ verweisen würde, wenn man ihn zu den aufmarschierenden „Ideologen“ anspräche …? :(

    Die deduktive Logik hätte Herrn Martens übrigens sagen müssen, dass sein Postulat in sich Unschlüssig ist: Man kann einen „Tummelplatz“ nicht dadurch NICHT zulassen, in dem man ihn erst eröffnet, schon gar nicht, wenn im Vorfeld bekannt ist, welche „rechtsextremen Ideologien“ durch Wen transportiert werden. – Eine logische Schlussfolgerung wäre somit gewesen, den „Tummelplatz“ einfach grundsätzlich zu verbieten … denn nur dadurch wäre er NICHT zugelassen …

    Wen mag es da wirklich noch ernsthaft verwundern, wenn selbst den friedfertigsten Menschen der Arsch platzt, wenn augenscheinlich eine ganze Bundesregierung den kommenden Protest in Dresden lediglich als grundsätzliche Gefahr von „links“ verbrämt und dahingehend verkürzt. – Diese Bundesregierung in ihrer Selbstzufriedenheit nach nichtssagenden Betroffenheitsflosskeln von konservativen „Jungakademikern“ züchtet doch förmlich „Links-Chaoten“, während die Häuser der engagierten Vereine in Flammen aufgehen, Nationalsozialisten unter verordnetem! Polizeischutz wieder auf Deutschlands Straßen marschieren und ein durchorganisierter NS-Mob (aufgehetzt und unterwandert durch die NPD/JN) das Land tyrannisiert, „rasse-politische Schulungen“ abhält, Menschen bedroht und zusammenschlägt usw. usf.

    Dazu noch Folgendes:

    http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2010/0203/brandenburg/0047/index.html

    Ich kann der Bürgermeisterin KEINEN Vorwurf machen; ich kann auch dem betroffenen Verein KEINEN Vorwurf machen, dass er so reagiert wie er es tut, denn für alle Betroffenen bleibt nur Eines zu attestieren: Sie haben Angst! – Und diese Angst verbreitet eine neue SA! – Und die zuständigen Stellen scheinen überfordert, und die Politik erkennt nicht die Gefahr und popelt kollegial in der Nase … „betroffen“ natürlich … Hinzu kommt, dass es da Kreise gibt, die buchstäblich über Leichen gehen würden, um weiter an ihrem sächsischen Süppchen in Dresden kochen zu können, wo bekannter Weise, Zitat: „…alle aufrechten Deutschen an einem Strang ziehen.“ (s. „Bündnis für Dresden“/NPD/Holger Apfel etc.)

    Wenigstens lief mir noch etwas Lustiges über den Weg: *grööööhl* 😉

    http://www.youtube.com/watch?v=PAXWE-4gPSo&feature=related

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