Gefährliche Körperverletzung in Colditz

Am 29. Januar 2010 sind gegen 21.00 Uhr in Colditz vier junge Männer von vier vermummten Tätern geschlagen und verletzt worden. Die sofortige Fahndung und Täterermittlung führte nach Polizeiangaben zu vier Tatverdächtigen im Alter von 21 bis 53 Jahren. Mit Hochdruck werde zur gegenwärtigen Zeit die Suche nach weiteren Tätern fortgesetzt. Nach bisherigen Erkenntnissen liefen zur Tatzeit acht Personen in Colditz auf der Bad Lausicker Straße in Richtung Gaststätte Waldhaus. In Höhe des Bornweges kam es der Polizei zufolge zu einer verbalen Auseinandersetzung, die vom Fahrer (25) eines silbergrauen Mercedes Kombi begonnen wurde. Danach liefen die Personen weiter zur Gaststätte Waldhaus. Die Fußgänger waren auf einer Länge von ca .150 m verteilt. In der ersten Gruppe liefen sechs Personen, weitere zwei junge Männer folgten. Als diese beiden ca. 300m vom Bornweg entfernt waren, kam der PKW Mercedes erneut gefahren. Ein weiterer Tatverdächtiger (53) stieg auf der Beifahrerseite aus. Er habe den verbalen Kontakt mit diesen beiden jungen Männern aufgenommen, wobei Beschimpfungen fielen.

Nach dieser verbalen Attacke stieg er wieder in den PKW, welcher wendete und stadteinwärts fuhr. Die zwei jungen Männer setzten ihren Weg fort, als der Mercedes sich erneut von hinten näherte. Das Fahrzeug wurde am rechten Fahrbahnrand gestoppt. Mehrere vermummte Personen stiegen aus, unter ihnen der 53-jährige Tatverdächtige. Dieser lief direkt zu einem jungen Mann und schlug ihm mit der flachen Hand ins Gesicht. Infolge des Schlages kam dieser zu Fall und verletzte sich die Schulter. Das zweite Opfer wurde durch einen 23-jährigen Tatverdächtigen mit Schlägen und Tritten im Gesicht verletzt. Die erste Gruppe wurde von zwei weiteren Tätern attackiert. Die Täter verletzten zwei weitere Personen. Bei der Tat könne „eine politisch motivierte Straftat zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausgeschlossen werden“, so die Polizei.

„Reale, tagtägliche Gefahrensituation“

Als Bestätigung ihrer Warnung vor einer weiteren Brutalisierung der Neonazi-Szene sieht die Grimmaer Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz den Überfall auf acht Jugendliche in Colditz. „Wenn aus einem nichtigen Anlass heraus innerhalb weniger Minuten durch die Neonazis Verstärkung organisiert werden kann und deren Angriff mehrere Verletzte kostet, wenn sich nach Zeugenaussagen in Colditz weitere Neonazis als Reserve bereit hielten, dann unterstreicht dies, dass es in dem Ort eine reale, tagtägliche Gefahrensituation gibt“, meint die LINKEN-Politikerin. „Auch in der kürzlich vorgestellten Sozialraumanalyse für Colditz wird auf den Umstand hingewiesen, dass sich viele der befragten Bürger bedroht fühlen.“ Einer Kleinstadt wie Colditz sei es naturgemäß nicht möglich gegen diese Bedrohungslage direkt etwas zu unternehmen. „Hier ist die Polizei in der Pflicht, die sich fragen lassen muss, ob sie in den vergangenen Jahren ausreichend Präsenz gezeigt habe und ob sie auf die sich wiederholenden Zwischenfälle in Colditz Ziel führend reagiert habe“, meint Köditz.

Sie werde zu dieser Thematik ein Gespräch mit Polizeipräsident Jürgen Georgi vereinbaren. Sie sehe in diesem Bereich aber auch den Landkreis in der Pflicht, der mit dem Kommunalen Rat zur Kriminalitätsprävention über ein Instrument verfüge, das allerdings nur „höchst unzureichend“ genutzt werde. Sie erwarte von diesem Gremium, dass möglichst schnell darüber nachgedacht werde, auf welche Weise „Problemzonen wie Colditz“ wirksam unterstützt werden könnten. „Colditz droht zu einem zweiten Mittweida zu werden“, fasst sie zusammen. „Wenn das erst einmal geschehen ist, ist es sehr schwer die Gefahr durch Neonazis zurück zu drängen. Schnelles Handeln liegt also im Interesse aller Beteiligten.“

Siehe auch: Neonazi-Überfall: Roter Stern Leipzig soll nochmal in Brandis antreten